Geht Kita bedűrfnisorientiert?

Wenn man sich als Eltern auf die Suche nach einem Kitaplatz begibt, kann es vorkommen, dass man viele mehr oder weniger hilfreiche Tipps zur Wahl der richtigen Kita bekommt.

Man hört zum Teil Geschichten, bei denen man aus dem Kopfschűtteln nicht mehr herauskommt.

Artikel in großen Zeitschriften, in denen von fürchterlichen Zuständen in Kitas gesprochen wird, Fälle von Misshandlungen und schwarze Pädagogik noch und nöcher.

Es ist wichtig, darüber zu sprechen, was in pädagogischen Einrichtungen geschieht. Es ist wichtig, die Missstände zu benennen.

Nur wenn man darüber spricht, kann sich etwas ändern. Darum geht es hier aber nicht primär.

Die Pädagogik ist in einem steten Wandel und das ist gut und richtig so. Dinge, die vor dreißig Jahren noch normal (oft nicht gut) waren, sind heute zu Recht verpönt und im ärgsten Fall verboten.

Denn so langsam kommt bei immer mehr Menschen an, dass Kinder Menschen sind. Nasowasaberauch. Verzeiht aber bei dieser achsoneuen Erkenntnis kann ich nicht anders reagieren, als in Sarkasmus zu ertrinken.

Als ich im Kindergarten war, war es noch an der Tagesordnung, dass Kinder ihren Teller leer zu essen haben und zu Not eben so lange sitzen blieben, bis auch das letzte ekelerregende Stűck speckige Wurst im Mund gelandet ist. Ich kann mich daran erinnern, wie ich versucht habe, solches Essen runter zu schlucken und mich an meinen Tränen und diesem Pamps im Mund verschluckt habe. Natürlich wurde ich dafür bestraft. Wie kann ich es auch wagen, mich vor Ekel zu schűtteln, weil ich dazu gezwungen wurde, etwas zu essen, was ich nicht essen wollte.

Kommt heute noch vor, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß.

Auch erzwungener Mittagsschlaf oder das Topfen, also das hinsetzen auf den Topf und so lange sitzen zu bleiben bis auch was im Topf landet ist heute immer seltener anzutreffen.

Leider ist jeder Fall davon einer zu viel und wenn man auch jetzt sagen möchte, dass das ja keine Gewalt ist, weil das Kind ja nicht geschlagen wird, so grätsche ich mal gallant dazwischen und sage, doch ist es. Denn hier benutzt der “űbermachtige” Erwachsene seine Macht um das Kind zu etwas zu bringen, was das Kind nicht möchte. Man spricht quasi dem Kind die Kenntnis über den eigenen Körper ab, noch bevor das Kind überhaupt die Möglichkeit hat, herauszufinden, was es gerne isst, wann es müde ist und wann es mal muss.

Ich spreche hier nicht vom anbieten, sondern von “muss jetzt, weil ich es besser weiß”.

Den Gedanken haben übrigens nicht nur PädagogenInnen, sondern auch Eltern.

Es war für mich ein großer Lernschritt Kinder nicht einmal mehr zum Probieren zu bewegen, also auch nicht mehr mehrfach darum zu bitten. Selbst das verursacht Druck und ein Gefühl des nicht ernst genommens werden. Ich biete an, sagt das Kind “nein”, gilt es. Mehr kann ich nicht machen.

Das Kind bedűrfnisorientiert zu begleiten verlangt eine Menge umdenken und verlernen von anerzogenen Verhaltensweisen. Das kann manchmal sehr anstrengend und ernűchternd sein. Wenn man bemerkt, dass einem mit gewissen Erziehungsmethoden eben auch geschadet wurde, dann kann man eigentlich nicht anders als reflektieren. Es kann sehr hart sein, sich diesem Schritt zu stellen. Letztendlich profitiert man aber nicht nur selbst davon, sondern jedes Kind welches man betreut.

Es scheint auf den ersten Blick bequemer, in “war schon immer so, hat schon immer so funktioniert” zu bleiben. Auf dem zweiten Blick reproduziert man nur seine eigene Erziehung, die vor dreißig, vierzig Jahren schon Schaden angerichtet hat, ohne daß man es bewusst gemerkt hat.

Kinder sind von uns abhängig. Sie sind darauf angewiesen, dass wir sie sehen und zwar nicht so wie wir es gerne hätten, sondern wie sie sind.

Gibt es denn “die” bedűrfnisorientierte Kita?

Jein. “Diese” Kita kann es mit den heutigen Möglichkeiten und Betreuungsschlűsseln gar nicht geben. Jede Form der ausserfamiliären Betreuung stellt immer auch einen Kompromiß dar. Kindergärten ist eben nicht Familie.

Aber es gibt sie, die Kitas und die Teams, die offen für Neues sind, sich regelmäßig reflektieren und versuchen aus den ihnen gegebenen Möglichkeiten das beste rauszuholen.

Was es dafür braucht, ist an allererster Stelle Personal. Nicht irgendein Personal, sondern gut ausgebildetes Personal, empathische Menschen, die Lust auf diese Arbeit haben. Die bereit sind zu lernen, altes zu verlernen und zu sehen. Die am Kind sind.

Das Konzept kann sich noch so toll lesen, wenn es menschlich nicht hinhaut, weil mit Druck und Dominanzgehabe gearbeitet wird, leiden letztendlich die Kinder darunter.

-weil gute ErzieherInnen das Team verlassen

-weil ständiger Wechsel der Bezugspersonen schädlich ist

-weil űberarbeitete ErzieherInnen űberforderte ErzieherInnen sind

-weil Űberforderung zu Stress führt.

-weil Stress krank macht.

Eine so bedürfnisorientierte Kita, so wie es eben mit den Möglichkeiten heutzutage möglich ist, sieht die Kinder als Individuen mit all ihren Facetten und versucht ihnen gerecht zu werden. Sie arbeitet transparent und mit den Eltern in einer Partnerschaft, statt über die Kinder und die Eltern hinwegzuerziehen. Die Regeln für das gemeinsame Leben in der Kita sind logisch, nachvollziehbar und auch veränderbar, wenn man merkt, dass es anders besser laufen könnte.

Wie gesagt, dass ist anstrengend für einen selber. Es kann auch frustrierend sein. Bedűrfnisorientiert bedeutet nicht, dass man den “Kunden” über alles stellt, sondern das man gemeinsam schaut, was möglich ist und was nicht. Eine 1zu1 Betreuung kann eine Kita nicht leisten.

Es braucht auch einen vernünftigen Betreuungsschlűssel. Je jünger die Kinder, desto mehr ErzieherInnen sollten in der Gruppe sein. Bei Krippenkindern wäre die 3zu1 Aufteilung ein wahrer Traum. Kleine Gruppen mit 6 Kindern und 2 Kräften. Bei größeren tut es auch eine 5zu1 Betreuung. Stellt euch das mal vor. Eine Gruppe von zehn vier bis fünfjährigen mit zwei BezugserzieherInnen. Was da für eine Arbeit möglich wäre. Selbst wenn ein Erzieher aus Gründen ausfällt, zehn Kinder zu betreuen ist nach heutigen Maßstäben ein Spaziergang (Ich hatte mal 25 Kinder alleine).

Leider kennen die meisten von uns das Wort Personalmangel. ErzieherIn zu sein ist kein attraktiver Beruf. Zu groß die Klischees und zu groß die Ernűchterung, dass man eben nicht nur den ganzen Tag spielt und leckeren Kaffee sűffelt. Spätestens nach dem ersten Burn Out merkt man, dass es nicht so läuft, wie es laufen sollte. Wenn dann gewisse Stimmen fordern, mehr fachfremdes Personal einzustellen, damit der Mangel nicht so auffällt, vergeht die Lust komplett. ErzieherInnen werfen das Handtuch, weil ihnen ihre geistige und körperliche Gesundheit wichtig ist. Weil sie keine Lust mehr darauf haben, sich permanent veräppeln zu lassen.

Ich würde behaupten, in einem Beruf wie dem meinen muss Qualität an erster Stelle stehen (wie auch in jedem anderen Beruf, wo man mit Menschen zu tun hat). Quantität sieht schick aus, riecht aber komisch. Ich kann nicht eine Kita nach der anderen eröffnen, wenn mir die Leute fehlen, um diese Kita so arbeiten zu lassen, dass es weder den Kindern noch den Erziehern schadet. Genau das fällt einem irgendwann auf die Füße und die leidtragenden sind die, die sich am wenigstens wehren können.

Ich mag meinen Beruf sehr aber ich muss ehrlich zugeben, ob ich in zehn Jahren noch in dem Feld arbeite, weiß ich nicht. Ich habe bereits einen Burn out hinter mir. Ich habe derzeit ein Team, mit dem ich gerne zusammenarbeite und das sich stets selbst reflektiert. Ich fühle mich momentan wohl auch wenn es stressige Phasen gibt. Ein gutes Team kann diese aber auch abfangen und gemeinsam durchstehen.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass soziale Berufe ernst genommen werden, damit Leute Bock bekommen auch diesen tollen Beruf zu ergreifen. Daß Politik nicht gewinnorientiert agiert, sondern zukunftsorientiert. Nicht die Löcher notdürftig stopft, sondern mal wirklich überlegt, wie man den Fachkräftemangel beheben kann, damit Kinder nicht diejenigen sind, die das am Ende ausbaden.

Advertisements

Baden. Selbstbestimmt.

Selbstbestimmt Baden.

Ich habe hier zwei Wasserratten. Meine Kinder lieben es beide, in der Wanne zu sitzen und zu planschen.

Ach, die zwei würden selbst in Pfützen baden, wenn ich nicht so uncool wäre und ihnen Matschklamotten anziehen würde.

Baden steht hier hoch im Kurs, kein Wunder, beide Kinder haben Namen, die eng mit dem Meer verbunden sind. Was eher Zufall ist, denn eigentlich sind die Namen aus dem Star Wars Universum.. Das nur nebenbei.

Bei uns läuft es (meistens) so ab.

Entweder Lotte bemalt sich bis zum letzten freien Hautfitzel mit Tattoostiften oder beide essen wie die Rabauken und sehen hinterher dementsprechend aus. Oder es ist einfach mal wieder Zeit dafür. Oder Lotte äußert den Wunsch. Irgendeinen Grund gibt es immer.

Also frage ich “wer will planschen?” und das Fragezeichen ist nicht einmal trocken, da steht Lotte schon splitterfasernackt im Flur und Motte hämmert an die Badezimmertűr, nur unterbrochen von den Versuchen sich ihrerseits die Klamotten vom Leib zu reißen.

Im Badezimmer trampeln kleine Füße ungeduldig auf dem Vorleger, während ich das Wasser anstelle und dann sind beide komplett glücklich, wenn sie zusammen in der Wanne sitzen und spielen.

Nur eine Sache läuft hier nicht. Ich darf weder Lotte noch Motte waschen. Meine Hände haben weder etwas in der Wanne noch an meinen Kindern zu suchen. Das haben mir beide Kinder deutlich gemacht. Lotte schon irgendwann 2015 (also mit etwas über einem Jahr) und Motte fing das wegschieben meiner Hände und das verbale protestieren an, als sie alt genug war um alleine in der Wanne zu sitzen. Also auch mit etwa 8 oder 9 Monaten.

Aber die Kinder müssen doch sauber gemacht werden!

Stimm ich zu, deswegen sitzen die Grazien ja auch in der Wanne.

Weil ich meine Kinder nicht waschen darf, musste dieses Dilemma (der Dreck muss ab versus Fass mich nicht an) irgendwie gelöst werden. Ohne das ich die Grenzen der beiden übertrete.

Ich respektiere die Grenzen meiner Kinder. Ein Nein ist hier ein Nein und ihr Körper ist ihr Körper und das lernen sie von klein auf.

Ich frage auch beispielsweise Motti vor jedem Windeln wechseln, ob ich darf und erkläre, was und warum ich das tue. Mag für manch einen übertrieben wirken, für mich ist es der erste Schritt den Kindern beizubringen, dass ihr Körper niemandem andern gehört als nur ihnen und nur sie entscheiden, was mit ihrem Körper passiert. Inzwischen läuft Motti selbst zu den Windeln wenn sie was produziert hat und bringt mir Windel um Windel, damit ich sie wickeln kann.

Nun sitzen eben beide in der Wanne und der Dreck muss ab. Also haben beide einen Waschlappen, meine einzige Aufgabe dabei ist das dirigieren.

Ich sage, wo noch gewaschen werden sollte. Lotte macht vor, Motti macht nach.

Es klappt. Man mag es kaum glauben aber es klappt ohne Probleme. Die beiden waschen sich ab und spielen dabei seelenruhig weiter.

Haare waschen.

Lotte und Motte haben beide ne ziemliche Matte auf dem Kopf und vor allem bei Motte landet noch häufig Essbares in der Mähne. Das verklebt ja die Haare und muss auch raus. Ich habe kein Problem mit Dreadlocks aber eine einjährige braucht sie ja nicht zwingend. Schon gar nicht welche, die nach Erdbeermarmelade und Linseneintopf riechen.

Wenn Lotte sich die Haare wäscht, darf ich manchmal nachwaschen. Wie beim Zähneputzen. Allerdings möchte Lotte nicht so häufig Haare waschen und auch hier frage ich nach, ob sie denn Haare waschen will. Wer jetzt angewidert die Nase rűmpft, denn kann ich beruhigen. Lotte hat saubere, gesunde Haare. Wenn nicht gerade Tomatensoße in den Haaren klebt, verzichten wir sogar auf das Shampoo. Und selbst dann könnten wir wahrscheinlich darauf verzichten. Mir ist aber wohler dabei, wenn sich auch Schaum auf dem Kopf befindet. Die Frisuren die Lotte sich mit dem Schaum auf den Kopf bastelt, wären ohne Schaum nur halb so lustig.

Bei Motte frage ich auch. Wenn sie nickt, helfe ich ihr. Ich achte darauf, dass kein Wasser in ihr Gesicht läuft und sie fängt an ihren Kopf mit dem Waschlappen zu bearbeiten, während ich den Hinterkopf und die langen Strähnen an der Seite wasche.

Während des ganzen Badens ist dieser Moment der einzige, an dem es meine Kinder erlauben, dass ich helfe. Den Rest machen sie souverän allein.

Warum veranstalte ich das ganze?

Mir ist es wichtig, dass meine Kinder lernen, dass sie niemand, auch ich nicht, sie ohne ihr Einverständnis anfassen darf. Das fängt beim űber den Kopf streicheln an, geht über das Kuscheln, das Essen und eben auch das Baden.

Wir alle haben oft genug keine Lust angefasst zu werden. Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, erinnere ich mich auch an Tanten, die mir einen Kuss aufgedrückt haben oder Onkel, die mich umarmt haben, obwohl ich das nicht wollte. Hat man protestiert, war die Verwandtschaft beleidigt.

Lieb sein, das stand űber dem Recht über den eigenen Körper zu bestimmen.

Dazu kommt, dass ich mich generell nicht gerne von anderen Menschen anfassen lasse. Ich mag es einfach nicht. Und ich weiß aus eigener Erfahrung wie gelähmt man sich fühlen kann, wenn es ungewollte Berührungen gibt und man aus Angst davor, den anderen zu verletzen oder sich Ärger einzuhandeln nichts sagt, sondern es einfach geschehen lässt und darauf wartet, wieder losgelassen zu werden. Ganz mieses Gefühl.

Wenn meine Kinder nicht kuscheln wollen, akzeptiere ich das. Wenn sie “alleine” baden möchten, dann respektiere ich das. Ich frage nach, das ist alles.

Ich möchte meinen Kindern beibringen, ihr Recht aufs nicht-anfassen-lassen durchsetzen zu können ohne sich schlecht dabei fühlen zu müssen.

Hier kriegen auch die Großeltern erklärt, warum sie es respektieren müssen, wenn die Enkel sie nicht umarmen wollen und ihnen kein schlechtes Gewissen einreden oder emotionale Erpressung anwenden sollen.

Daher sitze ich einfach nur da und achte nur darauf, dass sie beim Baden sicher sind.

Die Selbstständigkeit, die sie dabei trainieren und festigen, ist für mich nur das Sahnehäubchen.

Wie läuft das bei euch? Dürft ihr helfen?

Die komplett subjektive Liste der nervigsten Kinderkrankheiten

So sicher wir das Amen in der Kirche ist eine Sache.

Kinder werden über kurz oder lang krank.

Krank sein ist blöd, krank sein nervt, krank sein stinkt.

Da Kinder permanent an irgendwelchen Dingen nagen, ihnen Begriffe wie Desinfektion und Tröpfcheninfektion unbekannt sind und sie der Inbegriff von Yolo sind, habe ich mal die vier beknacktesten Krankheiten in einer vollkommen subjektiven Liste zusammengeführt.

Diese Krankheiten zeichnen sich dadurch aus, dass sie immer wieder kommen und immer zum unpassensten Zeitpunkt ausbrechen (Urlaub, neuer Job, wenn man mal Date Night hat, also Netflix and chill mit dem Gatten).

Da ich keine Medizinerin bin, gibt es hier keine großen Behandlungstipps. Kann man was mit Hausmitteln zur Genesung unterstützen, dann geb ich die Tipps meiner Kinderärztin zum besten.

(warum mein Autocorrect aus Kinderärztin Inderärztin gemacht hat, bleibt wohl ein Mysterium)

1. Bindehautentzűndung

Bindehautentzűndung ist wie wenn man ein blaues Oberteil zu einem roten Rock anzieht. Brennt in den Augen. Tut einfach weh. Die Augen verkleben, sind rot und suppen fröhlich infektiöses Zeug aus.

Augenpopel, wie es bei uns zu Hause heißt, sind eine bekloppte Seuche. Der Pamps ist hochgradig ansteckend und man kann wunderbar Bazillenpingpong damit spielen.

Das hinterhältige an Augenpopeln ist folgendes. Entweder man hat eine Bindehautentzündung weil sich Virenpunks dort breitgemacht haben oder man hat eine bakterielle Bindehautentzündung oder man hat einfach eine, weil das Auge gereizt ist. Are you f*cking kidding me?

Die Behandlung ist in allen drei Fällen relativ gleich. Man versucht dem KInd irgendwie zu verklickern, wie cool es ist, sich irgendein Zeug ins Auge tropfen zu lassen. Zeug, welches unangenehm in den Augen brennt.

Da könnte ich auch gleich mit einem Feuerzeug und einem Zahnstocher in den Augen rumfummeln, für das Kind ist zumindest das Jacke wie Hose.

Bei größeren Kindern hilft es eventuell, sich berühmte YouTuber an die Seite zu holen und irgendeinen Schwachsinn wie „die Augentropfen Challange“ zu starten.

Bei kleineren Kindern, also bei meinen, hat Magie geholfen. Zaubertropfen gegen Augenpopel heißt das bei uns.

Nach ein paar Tagen ist der Spuk vorbei und man kann sich wieder dem Alltag widmen.

Nämlich der nächsten Krankheit.

2. Hand-Mund-Fuß

Diese Krankheit gehört verboten. Sie hat nicht einmal einen coolen Namen wie nekrotisierende Fasziitis sondern heißt schlicht so wie wie die Stellen, die mit kleinen fiesen Bläschen bedeckt sind. Nur lasst euch bitte nicht von der genauen Ortsangabe täuschen, selbst am Po und an den Genitalien können die Pusteln auftreten.

Hat sich das Kind Hand-Mund-Fuß eingefangen, ist es ansteckender als die ersten Takte zu „Atemlos durch die Nacht“. Mindestens genauso schmerzhaft ist es ebenfalls.

Eine Krankheit, die in der Kita Schrecken verbreiten. Hat man diesen unerwünschten Gast einmal im Haus, kriegt man die Plötze nicht mehr so einfach raus. Ein halbes Jahr ist bisher der Rekord bei uns.

Lotte hat sich einmal die Seuche eingefangen, als sie einen Spielstein in der Hand hatte, den am gleichen Tag ein anderes Kind in der Hand hielt, welches kurz danach schwer nach Hand-Mund-Fuß aussah.

Gegen Hand-Mund-Fuß hilft nur aushalten. Euer Kinderarzt kann euch noch andere Mittelchen empfehlen.

Und Eis. Das ist eine der Krankheiten, in dem man froh sein sollte, dass das Kind überhaupt irgendetwas zu sich nimmt, denn diese Bläschen im Mund können tun schweinemäßig weh tun.

Manche Kinder haben Glück, bei ihnen bricht die Krankheit zwar aus, verläuft aber milde. Andere Kinder leiden heftig darunter.

3. Magen-Darm

Noch so ein unerwünschter Gast. Meistens kommt er mitten in der Nacht, stellt seine dreckigen Stiefel auf den Herd, spuckt einem in die Suppe und rűlpst bei romantischen Filmen.

Da Magen-Darm Eltern schneller aus dem Schlaf reißt als jedes Feuer, macht er auch wacher als jeder Kaffee, egal wie stark dieser ist. Adrenalin flutet den Körper bis in die Fingerspitzen und man wird zu Flash.

Meine Kinder bringen diesen Gast völlig ohne Ankündigung mit nach Hause. Eben ging es noch gut und im nächsten Moment lassen sie sich das Mittagessen durch den Kopf gehen.

Die Reihenfolge der Spuckauffangutensilien ist wie folgt:

– der erste Schwall geht immer ins Bett. Greift man das Kind besonders schwungvoll aus der Bettstatt, kann es auch passieren, dass man endlich einen Grund hat, das Schlafzimmer neu zu tapezieren.

– Handtücher. Angefangen bei den großen Strandtűchern. Man arbeitet sich von groß bis klein. Vorteil der ganzen Sache ist, dass man endlich dazu kommt, die Belastungsgrenze der Waschmaschine zu testen.

– T-shirts. Irgendwann hat man keine Handtücher mehr, also müssen die T-Shirts des Gatten daran glauben.

Man wundert sich eigentlich nur noch, wieviel Fassungsvermögen so ein Kind hat.

Was hilft?

Meine Kinderärztin ist eine große Verfechterin des Stillens. Sie rät dazu, häufig anzulegen und kleine Stillmahlzeiten zu veranstalten. Und das so lange, bis alles drin bleibt.

Bei Magen-Darm (wie bei allen Krankheiten) ist es wichtig, mehr auf die Flűssigkeitszufuhr zu achten als auf das Essen.

Der für uns rettende Tip war, Tee eiskalt anzubieten. Also haben wir Fencheltee eingefroren und als Wassereis gereicht.

Auch hier gilt, der/die KinderdoktorIn weiß mehr. Bei Magen Darm bin ich vorsichtig und bin lieber einmal zu oft als einmal zu wenig in der Praxis.

Der zweite Tipp ist die Kinder in Latex einzupacken, sie sind damit abwischbar und die zu waschende Menge vollgebröckelter Klamotten hält sich in Grenzen.

4. Drei-Tage-Fieber

In dem einen Moment spielt das Kind noch fröhlich mit irgendwas, springt wie ein junger Bock durch die Bude und im nächsten Moment hängt es in den Seilen und man kann einen Kuchen auf der Stirn backen.

Hallo du unerwünschter Gast Nummer 4. Schleich dich.

Das drei Tage Fieber heißt so, weil es, glaubt es oder nicht, in den allermeisten Fällen drei Tage dauert.

Ausgelöst von blöden Herpesviren die anscheinend keine anderen Hobbys haben als arme, unschuldige Kinder zu malträtieren, führt es zu hohem Fieber und wenn das endlich weg ist (was in einigen Fällen bis zu acht Tage dauern kann) können auch noch Pusteln das Kind in ein Punkteverbindebild verwandeln.

Im Grunde „harmlos“ , kann es durch das hohe Fieber zu Fieberkrämpfen kommen, diese sind aber, den Göttern sei Dank, selten.

Auch hier kann man nicht viel machen. Trinken, tragen, tuscheln. Auch fiebersenkende Mittel sind erlaubt. Besprecht das bitte im Zweifel mit dem Arzt eures Vertrauens.

Es gibt noch weitere Krankheiten, die hier Erwähnung finden müssten. Zum Beispiel die Mariah Carey unter den Infekten, die Mittelohrentzündung. Oder Läuse, die faktisch keine Krankheit sind aber mindestens genauso blöde.

Fakt ist, je kleiner der Mensch, desto eher zum Arzt. Bei Durchfall und Erbrechen, hohem Fieber sollte sich definitiv jemand das Kind angucken, der Medizin studiert hat.

Krankheiten sind anstrengend und schmerzhaft und Kinder können nicht verstehen, warum es ihnen schlecht geht. Schmerzen sind blöde. Kranksein ist blöde. Helft euren Kindern, nehmt diesen Artikel als kleinen Schmunzler und geht zum Arzt, wenn es den kurzen schlecht geht.

Wer bin ich eigentlich.

Fragen über Fragen. Eintausend um genau zu sein

Ich komme gerade kaum dazu, das aufzuschreiben, was mich im Moment bewegt. Irgendwie habe ich auf eine Blogparade gehofft, irgendetwas um wieder ins Schreiben zu kommen.

Auf Twitter begegnete mir dann #1000fragenandichselbst

Jede Woche 20 Fragen um sich selbst besser kennenzulernen.

Pinkepank hat die Blogparade ins Leben gerufen und auch wenn es wahrscheinlich schwer wird, zwischen Arbeit, Familie, Umzug und in Ruhe aufs Klo gehen die Beiträge dazu zu schreiben, so mag ich es zumindest versuchen.

1000 Fragen an dich selbst – #1

1.Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?

Oh, das ist lange her. Ich weiß es ehrlich gesagt nicht mehr.

2.Mit wem verstehst du dich am besten?

Ich verstehe mich mit vielen Leuten aber am besten? Ich will nie jemandem auf die Nerven gehen, daher halte ich mich außerhalb meiner Arbeit im großen und ganzen von Menschen fern. Allerdings ist mir meine Familie sehr nahe, meine Mama und meine Schwestern. Die kommen mit meinen Eigenheiten am besten zurecht und deren Mimik und Gestik kann ich noch am besten lesen.


3.Worauf verwendest du viel zu viel Zeit?

Internet. Ich hänge oft am Smartphone, Instagram, Twitter, Facebook.

Es ist für mich eine Kommunikationshilfe und Fenster in die Welt, die ich häufig nicht verstehe. Ich versuche in letzter Zeit allerdings mehr ohne zu sein.

4.Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?

So richtig bekloppte Witze, Flachwitze im Fachjargon genannt. Wortspiele finde ich super.

Situationskomik… Und lustige Wörter.

5.Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst?

Ja. Es ist mir peinlich, wenn ich weinen muss. Ich weine wenn ich wütend bin, wenn ich eigentlich in diesem Augenblick stark und unnahbar sein will und dann die Tränen meine Deckung zerfließen lassen.

Ich mag es auch nicht, wenn meine Kinder mich weinen sehen.

6.Woraus besteht dein Frühstück?

Am Wochenende meistens Schrippen mit herzhaften Belag, nichts süßes. Unter der Woche eine bis zwei Scheiben Brot mit Gemüse. Dazu Kaffee oder Tee.

7.Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben?

Meinem Freund, bevor er ins Bett gegangen ist.

8.In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter?

Meine Mama und Ich sehen uns sehr ähnlich und wir beide haben ein Improvisations und Organisationstalent. Ausserdem haben wir einen sehr ähnlichen Humor und beömmeln uns immer über die gleichen Dinge.

9.Was machst du morgens als erstes?

Aus dem Bett schleichen um 5 Minuten Ruhe zu haben bevor die Kinder wach werden.

10.Kannst du gut vorlesen?

Jepp, das kann ich. Ich kann sogar kopfűber vorlesen, damit die Kinder die Bilder immer sehen können. Also wenn nicht allzu viel Text da steht. Ich verstelle die Stimme und verändere das Tempo, lese mal laut und mal leise vor und mache Geräusche, wenn die Geschichte es vorgibt (knatzende Türen, Husten und so was)

11.Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?

Als ich acht war, stand im Frauenhaus die kurzhaarige Weihnachtsfrau vor mir, die der Mitarbeiterin Petra (Name geändert) ziemlich ähnlich sah. Da wusste ich, irgendwas kann da nicht stimmen.

12.Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen?

Ich träume vom Ghostbusterswagen als Familienkutsche. Ich wäre die coolste Mutter weit und breit. Ich träume schon eine halbe Ewigkeit davon, dieses Auto zu haben.

13.Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne?

Dieses innere Zen. Dieses innere Leuchten, welches allen Leuten vermittelt, diese Frau da, die ruht in sich selbst. Ja, ich wäre gerne die Ruhe in Person.

14.Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen?

Ganz lange Zeit waren es die Simpsons. Inzwischen schaue ich kein Fernsehen, sondern netflixe und prime so herum.

Skins, the end of the f**king World, Misfits,Black Mirror, Punisher, Jessica Jones… Vikings und the last Kingdom. Frontiers. Game of thrones, Preacher.

Ich mag es schräg.

Bei Penny Dreadful habe ich am Ende weinen müssen.

15.Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen?

Ewig her, 2012 oder 2011 im Europapark.

16.Wie alt möchtest du gerne werden?

Alt genug, um meine Enkel zu genießen. Ich habe aber Angst vor dem Alter. Vor Krankheit, Altersarmut.

17.An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück?

An Freiburg 2013. Damals war ich so schwer in meinen Schatten. Aber ich hab die Zeit auch genossen. Ganz allein.

18.Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an?

Ein Gefühl, welches ich nie wieder fühlen möchte. Ich kann den Schmerz nicht beschreiben, es zerfrisst einen.

19.Hättest du lieber einen anderen Namen?

Ich habe ganz lange überlegt, meinen Namen Roksana ganz offiziell in Dana zu ändern. Mein Spitzname seit 17 Jahren, dank meiner Schwester. Inzwischen kann ich mit Roksana leben auch wenn ich immer noch finde, dass er sich komisch anhört.

20.Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?

Ich zweifle jeden Tag. Ich zweifle an mir, meinen Klamotten, meinen tagtäglichen Entscheidungen. Zweifel sind meine Begleiter.

Part2

Da schon die zweite Woche angebrochen ist, hier die nächsten 20 Fragen gleich hinterher.

21. Ist es wichtig für dich, was andere von dir denken?

Jein. Das kommt ganz darauf an, wie es mir gerade geht. Geht es mir gut, dann ist es mir egal, was andere von mir denken. Geht es mir schlecht oder meine Depression ist wieder am aufleben, dann fühle ich mich permanent beobachtet und bewertet. Zum negativen.

22. Welche Tageszeit magst du am liebsten?

Den späten Abend wenn ich allein bin und runterkommen kann. Wenn es still ist in der Wohnung.

23. Kannst du gut kochen?

Japp. Ich kann sehr gut kochen auch wenn Lotte da anderer Meinung ist.

24. Welche Jahreszeit entspricht deinem Typ am ehesten?

Ich liebe den Frühling, wenn alles wieder aus dem Winterschlaf aufwacht und neues Leben beginnt. Ich liebe aber auch den Winter, den wo alles gedämpft ist, alles weiß und alles stiller als sonst.

25. Wann hast du zuletzt einen Tag lang überhaupt nichts gemacht?

Nach meinem Zusammenbruch. Da lag ich nur im Bett und schlief oder weinte.

26. Warst du ein glückliches Kind?

Wenn ich meine Kindheit betrachte, mit der Gewalt, der Flucht, der Armut, dem Mobbing, dann müsste ich sagen, nein.

Aber wenn ich an meine Familie denke, an das Kuscheln am Wochenende, an meine Mama, an die vielen Bücher die ich gelesen habe, an das Backen mit meiner Oma, das Schaukeln in der Scheune. Wenn ich an die Babykatzen denke, die Welpen, die riesige Villa im Grunewald, den Zaubergarten…

Ich war glücklich. Oft genug.

Dafür war ich eine sehr wütende Jugendliche.


27. Kaufst du oft Blumen?

Nur für meine Mama. Ich mag Blumen nicht aber sie. Und für sie kaufe ich gerne einen Strauß.

28. Welchen Traum hast du?

Den größten lebe ich bereits. Ich bin Mutter von zwei zauberhaften und lauten Mädels.

29. In wievielen Wohnungen hast du schon gewohnt?

15. Dieses Jahr kommt Nummer 16 dazu.

30. Welches Laster hast du?

Filme und Comicbűcher. Und ich kaufe zu viele Stifte.

31. Welches Buch hast du zuletzt gelesen?

Ich lese gerade “wenn Männer mir die Welt erklären” weil ich kaum Zeit zum lesen habe, dauert das.

32.Warum hast du die Frisur, die du jetzt trägst?

Weil ich zu Kurzschlusshandlungen neige und sie mir vor ein paar Monaten abrasiert habe. Inzwischen haben sie so eine eklige Űbergangslänge und ich überlege immer mal wieder ob ich sie wieder abrasiere.
Blubbering.
33. Bist du von deinem Mobiltelefon abhängig?

Ja.

34. Wie viel Geld hast du auf deinem Bankkonto?

Im Moment genug, dass ich mir keine Sorgen machen brauche.

35. In welchen Laden gehst du gern?

In einem Comicbuchladen.

36. Welches Getränk bestellst du in einer Kneipe?

Ich liebe Tequila Sunrise und sobald ich nicht mehr stille, geh ich mit dem Freund wieder in die Zyankalibar. Dort bekommt man verflucht guten.

37. Weißt du normalerweise, wann es Zeit ist, zu gehen?

Ich hoffe es.

38. Wenn du dich selbstständig machen würdest, mit welcher Tätigkeit?

Mit einem Bűcherladen. Das wäre was.

39. Willst du immer gewinnen?

Nein, ich gewinne gerne aber ich war lang genug ein Loser und kenne das Gefühl. Es macht mir nichts.

40. Gehst du in die Kirche?

Nein, zumindest nicht zum beten. Ich bin katholisch getauft und war lange Jahre aktives Kirchenmitglied aber die Zeiten sind vorbei. Ich besichtige gerne Kirchen, denn architektonische Meisterwerke sind sie allemal.

Ich glaube aber nicht an einen Gott, auch nicht an viele Götter und habe mit Religion ausser dem gelernten Wissen und meine Erfahrung als Ministrantin nicht mehr viel am Hut.

Warst du auch schön artig? – kurz gebloggt

Kurzer Rückblick zum 5. Dezember. Es ist Abend, beide Kinder sind müde. Die Geschenke des Nikolauses (Nikolauseseses?) liegen gut versteckt in der Kűche aber wie gesagt, beide Kinder sind müde, ich bin müde, alle sind müde. Also tun wir was müde Menschen so tun. Wir gehen schlafen und vernachlässigen das Schuhe putzen. Anarchie für Anfänger eben.

Als die Kinder tief und fest schlafen, stelle ich ihre Stiefel auf und befülle sie. Puzzle plus Auto plus obligatorischer Sűßkram für die Große, Fädelspiel plus Auto plus Sűßkram für die kleine. Nikolaus Job erledigt.

Am nächsten Morgen wird Lotte wach und stellt fest, dass sie ja garnicht die Schuhe geputzt hat und sie somit ja gar keine Geschenke bekommt. Das wurde ihr ja so gesagt.

Die Traurigkeit weicht der Freude, dass es dem Nikolaus schnurzpiepegal war, wie ihre Lieblingsstiefel aussehen und sich trotzdem etwas in ihnen befindet.

—–

Ich weiß ja nicht wie ihr es handhabt aber mir ist Nikolaus ja wurscht. Ich mach es, weil Lotti an ihn glaubt und die Geschichten im Kindergarten hört. Ich bin nicht religiös, nicht einmal gläubig und meinetwegen brauche ich die ganzen Feierlichkeiten nicht.

Wir besitzen zwar Bücher über Weihnachten, Ostern und alle anderen möglichen Feste, selbst eine Kinderbibel aus meiner Kindheit fliegt hier irgendwo rum aber das liegt eher daran, weil ich Bücher nicht wegschmeißen kann und für den Fall, dass Lotti etwas in die Richtung erfahren möchte.

Ein Punkt, der mir etwas säuerlich aufstößt, ist dieses ziemlich ominöse Artig sein.

Kennt ihr noch das Gedicht? Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich es aufsagen musste, um an den begehrten Sűßkram von einem Typen in einer billigen roten Verkleidung zu kommen.

Lieber, guter Weihnachtsmann

Schau mich nicht so böse an

Stecke deine Rute ein

Ich will auch immer artig sein

Ich habe als Kind mehrmals eine Rute zu Nikolaus bekommen. Klar, da hingen Schokoteile dran aber Rute ist Rute. Eine Rute bekommen nur böse Kinder. Mit der Rute wurde man gezűchtigt. Ich nicht mehr, zumindest nicht körperlich.

Die Botschaft der Rute ist glasklar. Du warst so wie du bist nicht okay. Nicht liebenswert. Ungezogen. Böse.

Ich glaube, inzwischen gibt es keine Ruten mehr zu kaufen. Zumindest habe ich seit Jahren keine Rute mehr gesehen.

Heute geht es eher in die Drohschiene.

„wenn du nicht artig bist, dann bringt dir der Nikolaus nichts“

Das ist emotionale Erpressung.

Benimm dich, sei artig, dann bekommst du ein Leckerli.

Schenken sollte nicht an Bedingungen geknüpft sein.

Ich schenke, weil ich jemandem eine Freude machen will und nicht um zu belohnen.

Schenken ist ein Akt von Zuneigung, Sympathie und auch Liebe. Keine Währung mit der man sich bestimmtes Verhalten erkaufen kann oder sollte.

Egal, wie anstrengend die Wutausbrűche meiner Kinder sein können, egal wie fertig ich manchmal bin, weil ich zwischen zwei schreienden Kindern nicht mehr weiß wo vorne oder hinten ist. „dann bringt dir der Nikolaus nichts“ werden sie jedenfalls nicht von mir hören.

Genau wie mit dem Schuhe putzen. Lotti hatte Angst, dass ihr „Versäumnis“ bestraft wird. Dabei war sie einfach müde und gnatschig.

Dass das Schuhe putzen ein schönes Ritual zur Vorbereitung auf den Nikolausmorgen sein kann, möchte ich nicht bestreiten.

Bei uns war es dem Nikolaus jedenfalls egal wie die Schuhe aussehen. Ihm war nur die Freude der Kinder wichtig.

Wie haltet ihr das?

Wie geht es dir?

„wie geht es dir?“ fragst du und lächelst.

Wie es mir geht? Beschissen. Ich schlafe schlecht, wenn ich denn überhaupt einschlafen kann. Ich träume entweder Horrorgeschichten oder laufe durch lange Gänge ohne Ende. Wache immer wieder auf. Finde keine Ruhe. Ich habe Hunger, kann aber nichts essen. Wenn ich esse, weil ich essen muss, schlinge ich, weil ich so schneller fertig bin. Ich bin so geräuschempfindlich, dass alles, vom Surren des kaputten Ladegeräts bis zur Waschmaschine die selbe Lautstärke haben und ich so weder meine Kinder noch meinen Mann verstehen kann. Ich hin gereizt, quasi grundlos, mein Kopf dröhnt. Ich habe das Gefühl, dass meine Haut wund ist, weil jede Berűhrung mich trifft wie ein Stein. Diese eine Stelle hinter meinem Ohr juckt wie verrückt aber ich komme einfach nicht ran. Ich überlege ob es möglich ist, sie aufzuschneiden, damit ich mich an der Quelle kratzen kann. Mein Atem geht stockend. Meine Augen können sich nicht fokussieren, sie rasen von einem Punkt zum nächsten. Ich möchte unters Bett kriechen, dort bleiben, die Augen schließen, jedes Geräusch abstellen und mich wie ein Baby im Mutterleib zusammenrollen.

Wie es mir geht?

„Gut“ sage ich.

Halo I bims…

Ich bin ja ein totaler Fan der deutschen Sprache. (schrieb sie und benutzte das englische Fan statt des deutschen „eine totale Bewunderin“)

Deutsch ist meine Zweitsprache. Aufgewachsen bin ich mit polnisch, einer Sprache die auch wunderschön ist und die meinem Kerl regelmäßig Schweißperlen auf die Stirn zaubert, wenn er versucht irgendetwas auf polnisch zu sagen. Zum Beispiel:

W Szczebrzeszynie chrząszcz brzmi w trzcinie, i Szczebrzeszyn z tego słynie, że chrząszcz brzmi tam w Szczebrzeszynie.

Keine Sorge, dabei verzweifle ich auch oft genug.

Was mir an der deutschen Sprache so gefällt, ist die Tatsache, dass man alles so wunderbar kreativ ausschműcken kann.

Man kann tolle Wörter erfinden, die ewig lang sind und verflucht klug klingen, wenn man sie benutzt.

Ich könnte zum Beispiel sagen, ich wäre Kinderbetreuungsfachangestellte statt einer schnöden Erzieherin.

Ich benutze einen Warmwasseraufbereiter fűr meinen trinkbaren Kräuteraufguss und ziehe mir morgens meine Kunstlederschnűrhalbstiefel an, damit meine Füße warm und trocken bleiben.

Auf dem Weg zu meinem Arbeitnehmerverhältnis mit einem privaten Bildungsträger der frühkindlichen Betreuung nehme ich die staatlich subventionierte, dennoch teilprivatisierte Untergrundbahn und danach einen Bus, besser bekannt als ein Verkehrsmittel, welches im öffentlichen Personennahverkehr eingesetzt wird und ein vielsitziges, großes Kraftfahrzeug zur Beförderung einer größeren Anzahl von Personen ist. (danke Wictionary)

Ist das herrlich. BERAUSCHEND!

Das schöne an Sprache ist, dass sie sich verändert. So sprechen wir nicht mehr wie vor 500 Jahren und wűrde jemand mit einer stationären oder mobilen Zeitmanipulationsmaschinerie aus dem Jahre fűnfzehnhunderschlagmichtot hier aufploppen, wir hätten keinen Plan, was der Otto da von uns will.

„Werthes Frauenzimmer, mir dűnkt es nach Erleichterung. Wo finde ich den Abort? Hurtig, es dränged sich etwas Ungemach in mir auf!“

Bis ich dann geschnallt hätte, das der Stift schon malt, hätte sich Kunibert schon seine Beinkleider aufs liderlichste beschmutzt. So sad.

Das sich Sprache verändert, kriegt man ja auch so schon mit.

Was vor 30 Jahren noch prima war, war in meiner Oberschulzeit schon geil, hammer und fett.

Da ich in Neukölln, einem Berliner „Problembezirk“ (weil man hier Probleme kriegt) aufgewachsen bin, sind mir „schwör“, „stoooory“ und „alter“ auch noch gut in Erinnerung und vor allem „Alter“ bzw „Altah“ haben die Zeit in meinem aktiven Sprachschatz überdauert.

Ältere Semester rűmpfen ihr Riechorgan und prophezeien sich in ihren Gräbern rotierende Dichter und Denker, wenn im Lande ebensolcher Jugendliche ihre eigene Sprache erfinden.

Dabei ist das ja eigentlich kreativ. Nervig aber kreativ. So kam es es kommen musste, ich verstehe die Jugend von heute nicht mehr (mir geht es damit wie Alex aus Uhrwerk Orange zum Ende des Buches) . Damit bin ich wahrlich nicht alleine, werte Mitbűrgerinnen und Mitbűrger, denn das neue Jugendwort des Jahres ist ausnahmsweise mal eines, welches tatsächlich so gebraucht wird und keine wahrscheinliche Erfindung wie Smombie ist. Diesmal wird in den sozialen Medien vom grausamen Ende der Sprache gewarnt.

Ist man ganz genau, so ist „I bims“ kein einzelndes Wort, sondern der Teil eines Satzes. Halo, I bims, ein Slaumaia vong Korindenkagn her.

Ist man noch genauer, so kann man fast sagen, dass das nervige I bims kaum von Jugendlichen benutzt wird, sondern vorwiegend von Mitzwanzigern, die gerne voll ironisch und lustig wären (wie ich, bis es mir auf den Sack ging) .

Es kommt alle paar Monate mal vor, dass irgendein Mensch vom Ende der deutschen Sprache schwadroniert, weil Jugendliche so komisch reden wie Anhänger gewisser Strömungen schreiben.

Doch Obacht, Sprache wandelt sich stetig. Wie ein Fluss, der grűngrau durch zerklüftete Berge Richtung Meer fließt, umrahmt von zarten Bäumen mit saftigem Grűnden, vorbei an sanft grasenden Rehkitzen, erreicht auch der Sprachgebrauch mal dunkle, kalte Täler, in der man tinderjährig ist, alles fly ist, Yolo und swag sich die Hand reichen und man eine Pause macht um mal in Ruhe zu napflixen.

Und trotz der Tatsache, dass sich mir heute die Fußnägel aufrollen, wenn ich in meinen alten Tagebűchern lese, weil ich damals schrieb und sprach wie eine zugedröhnte Dumpfbacke, bin ich heute durchaus in der Lage, mich gewählt auszudrűcken. Es ist in den allermeisten Fällen ja nur eine Phase.

Und ich wette, dass ein Johann Wolfgang von Goethe sich auch Sprüche über seinen Slang anhören durfte.

I bims mag nervig sein aber dank Internet ist es wahrscheinlich übermorgen schon vergessen und macht Platz für etwas neues und in unseren Augen weitaus schlimmeres.

Daher

Chill ma deine Base.

Eine Sache die abgrundtief mies war, war die Einfűhrung der neuen deutschen Rechtschreibung, mit der ich bis heute vor allem bei der Kommasetzung auf Kriegsfuß stehe. Aber dies nur nebenbei.