Das Problem anderer Leute.

In dem Buch “Das Leben, das Universum und der ganze Rest” aus der Per Anhalter durch die Galaxis Reihe von Douglas Adams landet mitten in einem Cricket Spiel ein Raumschiff.

Was in einem Film ala Independence Day für entsetzte Schreie und die Flucht aus dem Stadion sorgen würde, juckt die Leute dort kein bisschen. Sie nehmen das Raumschiff gar nicht wahr.

Okay, man könnte zuerst annehmen, dass die Briten derlei Dinge gewöhnt sind und sie deshalb mit der Gelassenheit eines Berliners reagieren aber die Auflösung ist viel simpler.

 

Das Raumschiff ist mit einem PAL-Feld vor den Blicken der Menschen geschützt. Es ist wesentlich billiger als ein Unsichtbarkeitsfeld und kann über Jahrhunderte mit einer einfachen Taschenlampenbatterie betrieben werden.

 

Das PAL-Feld ist eine ganz pfiffige Erfindung. Das Raumschiff ist nicht unsichtbar, die Leute im Stadion nehmen es nur deshalb nicht wahr, weil sie es für ein Problem anderer Leute halten, also etwas wofür sie sich nicht interessieren brauchen (f*ck yeah Schachtelsatz). Es ist ja nicht ihr Problem. Die Abkürzung PAL steht genau dafür : Problem anderer Leute.

 

Was auf den ersten Blick wie komplett depperte Science-Fiction gehalten werden kann, ist tatsächlich mit eine der ältesten Erfindungen der Menschheit.

 

Das Problem anderer Leute – Feld gibt es bereits und es wird fleißig genutzt.

 

Während für uns als Kleinkinder einfach etwas nicht existiert, sobald es unter einer Decke verschwindet, müssen gewisse Dinge im Erwachsenenalter nicht einmal versteckt werden, damit wir sie für nichtexistent bzw ein PAL halten.

 

Sei es die Plastikműllinsel im Ozean, die alltägliche Umweltverschmutzung, Lebensmittelverschwendung, Rassismus und Sexismus. Es ist das Problem anderer Leute.

Ich nehme mich da übrigens nicht heraus, ich habe auch noch blinde Flecken und nehme unangenehme Sachen sehr ungern bis garnicht wahr.

 

Das Problem an der Sache ist, Probleme verschwinden nicht einfach, wenn ich sie nicht wahrnehmen will.

 

Im Ozean schwimmen trotzdem tonnenweise Plastikműll weiter, töten Tiere und vergiften die Umwelt. Die Erderwärmung gibt es weiterhin und da kann ich mich noch so sehr über einen warmen Oktober freuen (tu ich nicht, warmes Wetter macht mir zu schaffen, ich bin bis ins Blut tiefstes Sibirien aber das tut nichts zur Sache), Sexismus existiert weiterhin auch wenn ich nicht betroffen sein mag (bin ich) und Rassismus gibt es, auch wenn ich es als hellhäutige Migrantin wesentlich leichter habe als eine in Deutschland geborene PoC.

 

Wenn ich anfange Probleme zu erkennen, dann tut das weh. Klar, keiner kassiert gerne einen hochkantigen Arschtritt aus Bűllerbű.

Ich kann dann zwei Dinge tun. Entweder ich nehme es an, nehme es wahr oder ich stecke mit die Finger in die Ohren und singe laut “lalalalalala”.

 

Die zweite Möglichkeit ist sehr bequem. Sie tut erst dann weh, wenn ich vor lauter “Lalala” nicht merke, dass ich als nächstes dran bin.

Die erste Möglichkeit ist schmerzhafter, erfordert mehr Kraft und ganz viel Selbstreflexion. Und Mut. Ganz viel Mut. (der mir auch noch oft genug fehlt, wie gesagt, ich nehme mich da nicht heraus)

 

Der bequeme Weg ist leider eine Sackgasse. Es wäre schön, wenn man nur singen bräuchte und puff, weg ist das Problem. Leider funktioniert das so nicht.

 

All die Dinge, die ich aufgezählt habe, sind kein PAL. Sie sind unser Problem und es ist unsere Aufgabe sie zu sehen..

 

Da sag doch nochmal eine/r, dass Science Fiction nichts bringt.

 

Achso, hallo, da bin ich wieder.

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Erwachsener geworden

wann wird man erwachsen?

Ich treffe auf der Betriebsfeier auf ehemalige Kolleginnen und freue mich wie ein Schnitzel. Menschen mit denen ich so lange zusammengearbeitet habe und die mich noch aus der vor-eigene-Kinder Zeit kennen.

Einen Tag später.

Ich sitze in der U-Bahn und höre Deftones und Rob Zombie in der Playlist, die bezeichnenderweise den Namen „Deine Zeitkapsel“ trägt. Danke Spotify, als ob ich es nicht selber wüsste, dass ich keine sechzehn mehr bin.

Ich bin jetzt „früher hatte die mucke mehr wumms“ Jahre alt.

Einen Tag vorher.

„Erwachsener bist du geworden“ sagt meine Kollegin und fügt hinzu „früher warst du ja eher so“, mit ihrer Hand in Bauchnabelhöhe wedelnd. Ich lache. Gewachsen bin ich in fünf Jahren ja nicht mehr, ausser etwas in die Breite.

Ich höre „Everlong“ der Foo Fighters. Auch Legenden werden älter.

Und an so einer Otto-Normal-Trulla wie mir gehen Jahre auch nicht spurlos vorbei.

Ich bin jetzt „kann ich mich noch piercen lassen oder wirkt das lächerlich“ Jahre alt.

Immerhin bin ich seit űber vier Jahren auf der műtterlichen Seite der Macht. So mit Verantwortung, Rechnungen und Augenringen from hell. Mit Ratlosigkeit, Organisationsmarathon und Terminen. So total erwachsen. So „wir wollen ein Haus kaufen damit die Kinder einen Garten haben“ Jahre alt.

Ich höre „Killing in the Name“ von Rage against the machine und erinnere mich an 1999, das Jahr als Matrix rauskam und meine Schwester geboren wurde. Letztes Jahr wurde sie 18. Hat einen Führerschein. Macht Abitur.

Ich schaue auf mein bescheuertes Tattoo, welches ich mir mit Anfang 20 habe stechen lassen, weil ich der Meinung war, dass „Berlin“ nicht hirnverbrannt genug ist und ich mit „Neukölln“ noch eine Schippe drauflegen konnte. Seitdem ist viel Zeit vergangen, drei Schwangerschaften, zwei Stillzeiten, zwei Elternzeiten, keine Zeit und kein Geld um es covern zu lassen. Es ist zumindest so sehr ein Teil von mir, dass es mir nicht mehr großartig auffällt, ausser jemand spricht mich darauf an.

Nur langsam lutscht sich der Witz „fűr Tempelhof-Schöneberg ist der Arm zu kurz“ ab. Mit „ich war jung und bescheuert“ gibt man sich meistens zufrieden.

Jetzt läuft nach NAS auf einmal Broken Home von Papa Roach und Jesus, waren die wütend mit fast 30. Und ich mit 15.

Die Wut hat sich verlagert und ist zielgerichteter geworden. Anstatt auf die gesamte Welt wütend zu sein, weil Menschen scheiße sind und ich zu klein und unbedeutend bin um irgendetwas zu ändern, bin ich wütend auf die Dinge, die andere Menschen nicht ändern wollen. Die über Menschen, die was ändern wollen lachen. Die sich an alten Mustern festklammern, weil es doch schon immer so war. Es ihnen auch nicht geschadet hat.

Ich sehe neben dem Fortschritt so viel Rückschritt. Fast schon verzweifeltes Festhalten an Alltagsrassismus und Sexismus. Oh je, wieviel Sexismus ich sehe, Dinge, die mir zu meiner Deutschrap Phase nicht aufgefallen sind. Heute kann ich nicht einmal Bass Sultan Hengzt hören, ohne stinkwűtend darauf zu werden, wie normal es für mich war, dass Frauen in höchst kreativer Weise als allzeit bereite Objekte oder noch weniger als Menschen dargestellt wurden. Abgesehen davon höre ich kein Deutschrap mehr, weil ich wahrscheinlich vor lauter Wut jemanden anzűnden würde.

Trotz Rechnungen, Hauskaufgedanken, Verantwortung fűr zwei Zauberzwerge und „kauf ich jetzt regionales Gemüse oder gibt es mal wieder Tiefkűhlpizza“ komme ich mir häufig genug nicht erwachsen vor.

Was ist dieses „erwachsen“ überhaupt? Reicht ja schon ein Blick in die Social Media Kanäle um zu sehen, dass viele, die sich für erwachsen halten ein Benehmen zur Schau stellen, was eher an Kinder in der Trotzphase erinnert als an Leute die Sonntag Abends die Mülltonnen vors Gartentor schieben. Die anderen den allerkleinsten Krűmel Glűck nicht gönnen.

Ist es erwachsen, dass ich meine Comicbűcher jetzt eher nach dichter Storyline auswähle und nicht mehr nach Bodycount und möglichst viel Gore?

Sind meine unausgepackten (weil Sammlerwert) Star Wars Figuren ein Zeichen dafür, dass ich erwachsen bin?

Was zum Teufel macht mich erwachsen?

Es gibt fürs erwachsen sein keine Beller-Tabelle, keine „ach so läuft das also“ Richtlinie.

Sich mit beinahe 32 Jahren die Frage zu stellen, ob man jetzt erwachsen ist, das ist doch so ein Erwachsenending?

Als ich klein war, konnte ich es kaum erwarten, endlich erwachsen zu sein. Als Teenie wollte ich möglichst im Club27 landen… Nur bloß kein Spießer werden.

Vielleicht wäre ich ohne Kinder, ohne diese kleinen Menschen für die ich verantwortlich bin immer noch jedes Wochenende feiern bis zum Morgengrauen, wűrde mir den Sonnenaufgang zwischen Kotze und Schnapsleiche an der Warschauer Brücke ansehen und mich für total urban halten.

Vielleicht wűrde meine Wohnung komplett im Müll versinken, weil ich keinen Grund hätte, das Chaos in einem erträglichen Rahmen zu halten.

Vielleicht haben meine Kinder es geschafft aus der chaotischen Trulla einen halbwegs ernstzunehmenden Menschen zu machen.

Bin ich erwachsen? Joa denke schon. Meistens zumindest. Aber mir gefällt es.

Entschuldigt mich, ich muss meine Steuererklärung machen. Mit Tool im Ohr.

Nach meinem Ausweis werde ich nicht mehr gefragt

Das war die Blogfamilia 2018

Selten kam mir die Heimfahrt in der U-Bahn so lange vor wie am 5.5.18. Ich war komplett überreizt, total durch und unglaublich positiv fertig.

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ein Tag voller Input, interessante Diskussionen und lauter Menschen aus allen Teilen Deutschlands.

Eine Veranstaltung, eigentlich die Veranstaltung zog uns in die schöne Mitte Berlins.

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Die Blogfamilia, zum vierten Mal, praktisch das Klassentreffen der Elternblogger. Egal, ob die Schwerpunkte des eigenen Blogs auf Alltag mit Kindern, Vereinbarung, Feminismus, allen möglichen Familienformen, Streetstyle oder Inklusion liegen, gefühlt waren alle da.

Ich könnte jetzt darüber schreiben wie toll alles organisiert war (war es), wie professionell (war es), wie genial die Location (war sie) und wie gut alles im Hintergrund lief (zumindest bemerkte man weder Chaos noch Unsicherheit noch sonstwie Stress – obwohl ich mir gut vorstellen kann, dass die Anspannung enorm war, bin ich persönlich schon mit der Organisation eines Elterncafes gut am rande der Überforderung). Daher danke ich hier der Blogfamilia e.V., den ganzen Helfern und dem Team des Hotels, in dem die Blogfamilia stattfand. Also mache ich jetzt genau das.

Das Private ist politisch

Diesen Satz hörte ich an diesem Tag häufig. Kein Wunder, es waren mehrere Politikerinnen eingeladen und ein Schwerpunkt der Blogfamilia war digitale Familienpolitik. So eröffnete Familienministerin Franziska Giffey die Blogfamilia mit einem optimistischen Grußwort über das “Gute Kita Gesetz” und erzählte, wie die Gelder, die nun zur Verfügung gestellt werden genutzt werden sollen. Mehr Qualität in der KInderbetreuung soll es geben, mehr offensive Werbung um Lust auf den Erzieherberuf zu machen, weniger Kita Gebühren.

Es freut mich persönlich, dass es endlich in Angriff genommen wird, finde aber, dass die Politik das ungeliebte Stiefkind “Familie und all das Gedöns drumherum” in den letzten Jahren so massiv vernachlässigt hat, dass es fast schon ein bisschen zu spät ist um den Karren aus dem Dreck zu ziehen. ErzieherInnen und Kita Plätze sind Mangelware, allein in Berlin können 10.000 eigentlich vorhandene Plätze nicht vergeben werden, da einfach das Personal fehlt.

Ich hoffe wirklich, dass es jetzt in eine andere Richtung geht.

Auch über die Erhöhung des Kindergeldes und die Erhöhung des Kinderzuschlags verlor Frau Giffey ein paar Worte.

Hier möchte ich auch noch auf die Demo “Kita Krise Berlin” aufmerksam machen, die am 27.5.18 in Berlin stattfindet. Ich bin auf alle Fälle da. Alle weiteren Infos findet ihr unter www.kitakriseberlin.org (die Demo ist kinderfreundlich ausgelegt)

Desweiteren sprach Frau Giffey über die Chancen von Social Media für Politiker, das direkte Feedback der WählerInnen und die Möglichkeit der Diskussion mit Politikern, die, sofern sachlich geführt, tatsächlich etwas bringen können.

Weiter ging es mit Teresa Bűcker, die eine mitreißende Rede űber die Wichtigkeit der Blogs führte und erzählte, dass es Blogs schaffen, eine unglaubliche Vielfalt an Lebensmodellen zu zeigen und damit sichtbar werden. Die Welt wird durch die Kinder größer aber auch gleichzeitig kleiner. Eltern fehlen oft im politischen Diskurs, KInder werden nicht gesehen und all das machen Blogs greifbar. Man ist nicht allein, man hat dank dem Internet und den zahlreichen Blogs ein Tor zur Welt.

Desweiteren sprach sie über Armut, die sich auf Chancen auswirkt. Kinder, die in Armut aufwachsen, haben es schwerer an der Gesellschaft teilzuhaben und Bildungschancen zu nutzen.

Workshops

Nach der Anmeldung konnte und durfte man sich in zwei der vielen interessanten Workshops eintragen. Ich hätte am liebsten alle mitgemacht aber da ich leider nicht im Besitz von Hermiones Zeitumkehrer bin, fiel das leider flach (yeah, ne Harry Potter Referenz eingebaut).

Ich besuchte den Workshop, bzw die Diskussion über das postdigitale Zeitalter, in dem wir uns gerade mittendrin befinden und konnte viele Impulse mitnehmen. Die Speakerinnen waren Fachfrauen auf ihrem jeweiligen Gebiet und schafften es, dass Thema sehr interessant aufzuarbeiten. Dr. Friederike von Gross, Geschäftsführerin der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK), Isa Grütering von Haupstadtmutti sowie Patricia Cammarata von dasnuf auf dem von HP gesponserten Panel stellten sich unseren Fragen. Da ich selbst Medienpädagogin ist das quasi mein Thema, arbeite ich doch täglich mit dem Tablet und naja, ich blogge auch noch.

Die Kinder wachsen heutzutage selbstverständlich mit Smartphone und Tablet auf.

Auch in meiner Arbeit versuchen wir aus den Kindern keine passiven Konsumenten von digitalen Medien zu machen, sondern zu aktiven Produzenten. Das Smartphone, das Tablet als Hilfmittel und nicht als Berieselung zu begreifen, dass ist mir wichtig und ich versuche, dass zusammen mit meinen Kindern und der Arbeit als Erzieherin mit den Kindern umzusetzen.

Der zweite Workshop, den ich besuchte, wurde von Sophie Lüttich geführt, die mit ihrem Blog Berlinfreckles schon zu den ganz Großen gehört. Sie ließ uns alle Stühle wegräumen und auf dem Boden Platz nehmen um mit uns über Pinterest zu sprechen. Wie funktioniert eigentlich der neuste heiße Scheiß?

Ich konnte einige Impulse mitnehmen und werde mal versuchen, diese auch umzusetzen.

Dazwischen

In den Pausen zwischen den Workshops und den Reden hatte ich genug Zeit um mit anderen BloggerInnen zu sprechen und auch um mir die Sponsoren anzuschauen. Besonders Phaeno aus Wolfsburg und der Kosmos Verlag haben es mir angetan und ich unterhielt mich lange mit den beiden Damen von Phaeno, die übrigens auch mit dem Haus der kleinen Forscher zusammenarbeiten. Ich bekam ein Besserwisser Buch geschenkt und nahm neue Experimentanregungen für meine (Kita)Kinder mit.

Den Vogel abgeschossen haben allerdings der DJH die ein Bloggerfreunde Buch für diesen Anlass hergestellt haben. Eine sehr geniale Idee, die viel Anklang fand.

Ich hatte sowieso das Gefühl, dass die Sponsoren gut ausgewählt waren und eine stimmige und ausgelassene Atmosphäre herrschte.

Vielen Dank auch von mir, dass mithilfe der Sponsoren die Blogfamilia kostenlos für Blogger gehalten werden kann und dass die 10 Euro “Eintritt” dafür verwendet werden um soziale Projekte zu unterstützen.

Während der Pausen lernte ich viele Onlinegesichter offline kennen, unter anderem Andrea, Julia, Zesyra (tolles Pseudonym), die tolle MeinGlück (Name ist der Redaktion bekannt 😉 ), Anne, Sari, Rona und saß in einer illustren Runde zwischen Natalia und Jette und sah auch Lydia und Conny wieder.

Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen. Falls doch, seht es mir bitte nach.

Ninjas die Zwiebeln schneiden – der Blogfamilia Award

Höhepunkt der Blogfamilia war die Verleihung des Blogfamilia Awards, bei dem dieses Jahr wahrscheinlich kaum jemand die Tränen zurűckhalten konnte.

So ging der dritte Platz an Anne und ihre Familie, die auf dem Blog 22Monate das Leben mit ihrem Sohn Josef nachzeichnen. Mit viel Gefühl lässt uns die Familie an ihrem Alltag zwischen Pflege eines schwerkranken Kindes, Kinderhospiz und unglaublich viel Liebe teilhaben. Falk von Papamachtsachen űberreichte den Award und hielt eine Laudatio, bei der man merkte, wie sehr es ihn berűhrte.

Den zweiten Platz bekam Leonie von Minimenschlein.de die in Kambodscha bei einem Kinderhilfsprojekt half und nun Botschafterin ist. Sie erzählte von den Kindern und auch wie sie die Reise verändert hat.

Der erste Platz ging an Anke von Lächeln und Winken, die sich für den Dkms einsetzt und nicht nur viel Humor besitzt sondern ein mindestens ebenso großes Herz.

“ich habe Bananen dabei, nicht das jemand hinterher sagt, man sei hier nicht satt geworden” – Alu

Auch für die Verpflegung der BloggerInnen ist gesorgt worden. Es gab sogar sehr leckere Geműsebällchen zum Mittag, natürlich Pommes für die kurzen und später neben Schokokuchen auch noch einem Traum aus Rharbarbar. Also hungrig dűrfte keiner nach Hause gegangen sein und wenn es nur den Grund gab, nicht noch mit Bananen beschmissen zu werden.

Ich jedenfalls habe artig alles aufgegessen.

Teller aufgegessen. Lecker wars.

„hast du mir was mitgebracht?“ – Lottes erster Satz, kaum das ich zu Hause war

Bepackt mit zwei Tűten voller kleiner Űberraschungen fűr den Nachwuchs ging es um 18 Uhr für mich nach Hause. Die Straßenkreide und das Sternspiel waren die Highlights und auch die Kleinen Bűcher wurden gleich in Beschlag genommen. Auch hier ein riesiges Dankeschön für die tollen Goodiebags.

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Abschließend lässt sich eines sagen. Der Name Blogfamilia ist Programm.

Egal wie “groß” oder wie “klein” das eigene Blog ist, man ist hier willkommen und wird direkt in die riesige Familie aufgenommen. Kinder stehen im Mittelpunkt und waren ausdrűcklich willkommen, es fand sich immer jemand mit dem man sprechen konnte, hilfsbereite Menschen und nichts in Richtung Konkurrenzdenken und Missgunst. Ich kann jeder Bloggerin, jedem Blogger wirklich nahelegen, egal wie viele Klicks, sich nächstes Jahr anzumelden. Ich merke wieviel Herzblut in der Organisation steckt, wie authentisch und sympathisch miteinander agiert wird und wieviel Freundschaft und Zusammenhalt in der Blogfamilia steckt.

Danke, dass ich dabei sein durfte, danke an die tollen Gespräche, danke an die wunderbaren Menschen und ich hoffe, wir sehen uns nächstes Jahr wieder. Diesmal mit Kind. Ich bin jetzt, zwei Tage später immer noch am Verarbeiten und genieße den heutigen Tag menschenleer.

Ein Kind mehr – Sorry Frau Scheeres, das ist keine Lösung.

Die Tage las ich einen Artikel in der Morgenpost, in der der Berliner Senat kurzfristig den Betreuungschlűssel erhöhen will um dem kitaplatzmangel halbwegs entgegen zu wirken. Ein Kind mehr pro Gruppe, das ist die Überlegung. Der Vorschlag. Die Forderung.

Kitaplätze sind Mangelware in Berlin (und auch anderswo aber ich arbeite in Berlin und kann mich daher nur auf die Situation hier beziehen). Es gibt Berichte, in denen Eltern schon für die Anmeldung zu spät waren, wenn das Baby noch nicht einmal geboren wurde.

Das Ding ist, das war alles vorhersehbar. Es ist nicht erst gestern passiert, dass auf einmal Unmengen an Babys aufploppten und man so von hier auf gleich vor einem Mangel an Betreunngsplätzen stand. Dieses verdammte Problem ist von langer Hand ignoriert worden.

Alles andere war jahrelang wichtiger.

Kinder stehen aber oft genug an letzter Stelle. Menschen in sozialen Berufen stehen oft genug an letzter Stelle.

Ich bin seit 2007 Erzieherin. Damals war ich 21. Ich habe mit 25 einen Burnout gehabt. Mit beschissenen 25 Jahren war ich nicht mehr in der Lage, einen Fuß auf den Boden zu setzen, weil ich eine Panikattacke hatte. Mit 25 lag ich wochenlang mit Depression im Bett, war weder in der Lage zu duschen noch ordentlich zu essen. Ich vegetierte vor mich hin. MIT 25! Und ja, die Situation in meinem Berufsfeld hatte großen Anteil daran, dass ich wimmernd im Bett lag und keine Kraft, keine Reserven, kein Nichts mehr hatte. Ich habe damals in 42,5 Stunden gearbeitet, 25 sechsjährige in meiner Gruppe gehabt und war oft zwei Stunden länger in der Kita um Dokumentation zu schaffen oder Elterngespräche zu führen.

Wer glaubt ErzieherInnen schlürfen den ganzen Tag leckeren Kaffee, den lade ich gerne zur Magen-Darm-Saison zum Hospitieren ein. Und zwar dann, wenn die Kinder wieder gesund sind aber die ErzieherInnen wie die Fliegen umkippen.

Das Problem der fehlenden Kitaplätze ist nicht mit neuen Kitas und fachfremden Quereinsteigern zu deckeln. Man kann noch so schöne Gebäude in die Gegend kloppen, hat man nicht das Personal (derzeit fehlen knapp 1000 Erzieher) um eine angemessene Betreuung und auch Bildung zu gewährleisten, dann hat man in ein paar Jahren schöne Ruinen. Menschen, die vorher noch nie mit Kindern gearbeitet haben und keine Erfahrung in Bereichen wie Kleinkindpädagogik, Bildungsangeboten, Vorbereitung und Nachbereitung von Angeboten/Projekten, Elternarbeit können diese Arbeit nicht von hier auf gleich machen. Dafür machen ErzieherInnen diese jahrelange, unbezahlte Ausbildung. Und selbst danach stehen Fort- und Weiterbildungen auf dem Programm, damit man immer auf dem neusten Stand ist. Oftmals steht die eigentliche “Ausbildung” erst noch an, denn Theorie ist schön und gut, die Praxis zeigt erst, wie was funktioniert.

Viele gehen nach der Ausbildung nicht in den Beruf. Sie merken, dass ihre Ideen und ihre Ideale mit der Wirklichkeit nicht vereinbar sind. Andere merken, dass sie sich den Beruf anders vorgestellt haben und orientieren sich anders. Wieder andere, die möchten für die Ladung an Arbeit und Verantwortung besser bezahlt werden.

Die Folge ist Personalmangel. Die Folge sind Kitaplätze, die nicht da sind.

Personalmangel, dieses Wort. Ich erzähle mal was das bedeutet.

Personalmangel bedeutet, 80 Kinder zu zweit zu betreuen.

Personalmangel bedeutet, keine Pause, nicht einmal für den Toilettengang zu haben.

Personalmangel bedeutet, Überstunden zu schieben.

Personalmangel bedeutet, krank zur Arbeit zu kommen.

Personalmangel bedeutet Überlastungsanzeige, die niemanden interessiert.

Personalmangel bedeutet zu Recht wütende Eltern, die nicht arbeiten gehen können, weil die Betreuung ihrer Kinder nicht gewährleistet werden kann und sie ihrer Arbeit nicht nachgehen können, was wiederum wütende Chefs bedeutet.

Personalmangel bedeutet diese Wut abzubekommen.

Personalmangel bedeutet Verwahrung und nicht Betreuung.

Personalmangel schadet Kindern, ErzieherInnen und Eltern.

Der Betreuungschlűssel ist bereits jetzt ein schlechter Witz. ErzieherInnen in berufsbegleitender Ausbildung zählen voll zum Personalschlűssel obwohl sie an zwei Tagen in der Woche gar nicht da sind. Und sie sind Auszubildende, was im Klartext bedeutet, Dienste wie Früh- oder Spätdienst dürften sie gar nicht (unbegleitet) übernehmen. Geht ein/e KollegIn in den Urlaub oder wird krank, kann es passieren, dass man aufeinmal 26 Kinder (zwei Gruppen) betreuen muss. Nicht nur kann, es passiert.

Den Betreuungschlűssel “kurzfristig” heraufzusetzen um dem über Jahre hinweg hausgemachten Problem irgendwie zu begegnen würde in dem Fall bedeuten, dass ich nächste Woche theoretisch 28 Kinder im Alter von 5-6 betreuen müsste (trotz wirklich guter Hilfe von unserer Auszubildenden im Grunde allein).

Fűr einen normalen Tag bedeutet das, dass man 13 Kinder betreut. Angebote plant und durchführt. Die/Den KollegIn in Ausbildung anleitet. Morgenkreis, Angebot, Freispiel, Mittagessen, jedes Wehwehchen, jeden Streit, jede Bitte um Aufmerksamkeit, jedes Elterngespräch, Dokumentation, Bildungsauftrag … Das alles ist schon mit 13 Kindern schwer. Es wird schwerer mit 14. Es wird unmöglich mit 26 oder 28. Es ist unhaltbar, untragbar. Es ist gefährlich.

Wie zum Teufel will man jedes Kind einzeln sehen können, wenn man allein mit 13/14 Kindern ist?

Den Betreuungschlűssel heraufzusetzen ist nicht die Lösung. Nein, es schadet verdammt nochmal. Den Kindern. Vor allem den Kindern. Ich denke da nicht einmal primär an mich oder meine KollegInnen.

Was will man eigentlich haben? Verwahrung? Oder qualitativ hochwertige Betreuung seiner Kinder von Menschen, die diesen Job mit Lust machen und nicht kurz vor dem Burnout stehen? Am ersten Punkt wird nämlich gerade ganz fleißig gearbeitet.

Umzug.

“hier habe ich meine Tochter zur Welt gebracht” sage ich und zeige auf die leere Stelle im Wohnzimmer. Meine Stimme klingt so wie ich mich fühle. Kurz vorm heulen.

“ah eine Hausgeburt?” sagt die Frau von der Hausverwaltung und fügt hinzu “dann wollen wir uns mal den Keller ansehen. Ich schließe die Wohnung jetzt ab.”

Kurz darauf stehe ich ein letztes Mal vor unserem blauen Haus und nehme Abschied. Fast drei Jahre haben wir hier gewohnt.

Die Wohnung mit Leben gefüllt, mit Lachen, Weinen, Streit und Liebe. So viel Liebe.

Irgendwann wären wir ausgezogen aber das es mich doch so mitnimmt dieses Haus und diese Gegend zu verlassen, damit habe ich nicht gerechnet.

Es ist mein 15. Umzug und ich habe langsam aber sicher genug davon.

Die Wohnung war nicht perfekt. Sie war eben eine typische Altbauwohnung, mit Türen, die entweder knarzten oder nicht richtig schloßen, die Küche war winzig und mit der Zeit wusste man, welchen Teil vom Boden man besser meiden sollte, wenn man nicht wollte, dass die Kinder wieder wach wurden. Der fehlende Balkon war auch ein Manko aber eben nicht änderbar.

Sie war unser Zuhause, mein sicherer Hafen, ein Ort an dem nur Menschen willkommen waren, die mir etwas bedeuten.

Sie war der Ort an dem Motti zur Welt kam, der Ort ihrer ersten Schritte. Der Ort von Lottis ersten Zwei-Wort-Satz, ihren Kunstwerken an der Wand, dem Familienbettgekuschel.

Vom Wohnzimmerfenster aus sah man auf die Straße und dort stand sie und schaute raus, wartete auch Oma und Opa oder winkte ihrem Papa zu, wenn er aus der Frühschicht nach Hause kam. Ihre Bilder hingen am Kühlschrank und der Pinnwand, Schuhe flogen durch den Flur, Socken verschwanden auf Nimmerwiedersehen.

Das mag jetzt alles so klein klingen, so unbedeutend. Es war ja nur eine Wohnung und unsere neue Wohnung ist toll.

Aber es war eben unser Zuhause. Unser erstes Zuhause. Ich dachte wirklich, dass dies nicht nur ein kurzer Abstecher ist, sondern dass wir dort lange wohnen bleiben.

Ich bin müde vom Umziehen. Müde vom Kisten packen, müde vom Suchen, müde vom Abschied nehmen. Ich will eigentlich nur noch ankommen. Räumlich.

Denn eine Sache ist schon vor dem Umzug in die neue Wohnung klar gewesen. Diese Wohnung hier ist ein Zwischenstopp.

Der Plan ist jetzt, in aller Ruhe (haha in Berlin) ein Haus zu finden.

Den Kindern merkt man den Umzug natürlich auch an. Motti hat Wutausbrűche. Lotti will praktisch nur noch bei Oma sein. Aus Aufregung wurde Anstrengung. Das die neue Wohnung im Moment eher wie ein Kartonlager mit Couch aussieht tut ihr űbriges. So oft wie ich in den letzten Tagen Nein sagen musste, weil irgendwo irgendwas gefährliches rumliegt, weil ich Angst habe, dass Kartons runterfliegen.. Oh man, mir merkt man den Umzug ebenfalls an. So gestresst war ich schon lange nicht mehr. So ausgelaugt. So wütend. Reizbar.

Mit ein Grund:

In unserer neuen Wohnung steht noch keine Küche. Also wir haben eine Spűle, einen Kühlschrank und die Spűlmaschine. That’s it. Eine improvisierte Arbeitsplatte aus der Rűckwand des alten Bettes. Eine Küche kaufen wir dann wenn die Abfindung da ist. Den Rest der Möbel. Es hilft, dass die Kinder warm in der Kita essen und Oma nur ein paar Minuten entfernt wohnt. Ansonsten gibt es eben Stulle, viel Obst, neue Freunde vom Lieferdienst und um die Ecke einen guten Dönerladen.

Das einzig “fertige” Zimmer ist Lottis Kinderzimmer. Bis auf ein Regal steht alles dort wo es stehen soll.

Im Schlafzimmer liegen wir derzeit auf einer großen Matratze von 1,80 und einer 80 cm Matratze. Kein Kleiderschrank, unsere Klamotten sind sortiert in Kisten verpackt. Der Kleiderschrank aus der alten Wohnung (ein großes Kallax) ist jetzt ein Bücherregal.

Es lebt sich eben provisorisch. Es geht. Es ist zum Glück warm draußen und so verbringen wir viel Zeit draußen, bei Oma oder im neuen Lieblingsraum der Kinder, dem Balkon.

Ein riesiger Vorteil gegenüber der alten Wohnung.

In den nächsten Wochen richten wir uns ein. Es bleibt also halbwegs still hier, bis wir uns eingelebt haben.

Geht Kita bedűrfnisorientiert?

Wenn man sich als Eltern auf die Suche nach einem Kitaplatz begibt, kann es vorkommen, dass man viele mehr oder weniger hilfreiche Tipps zur Wahl der richtigen Kita bekommt.

Man hört zum Teil Geschichten, bei denen man aus dem Kopfschűtteln nicht mehr herauskommt.

Artikel in großen Zeitschriften, in denen von fürchterlichen Zuständen in Kitas gesprochen wird, Fälle von Misshandlungen und schwarze Pädagogik noch und nöcher.

Es ist wichtig, darüber zu sprechen, was in pädagogischen Einrichtungen geschieht. Es ist wichtig, die Missstände zu benennen.

Nur wenn man darüber spricht, kann sich etwas ändern. Darum geht es hier aber nicht primär.

Die Pädagogik ist in einem steten Wandel und das ist gut und richtig so. Dinge, die vor dreißig Jahren noch normal (oft nicht gut) waren, sind heute zu Recht verpönt und im ärgsten Fall verboten.

Denn so langsam kommt bei immer mehr Menschen an, dass Kinder Menschen sind. Nasowasaberauch. Verzeiht aber bei dieser achsoneuen Erkenntnis kann ich nicht anders reagieren, als in Sarkasmus zu ertrinken.

Als ich im Kindergarten war, war es noch an der Tagesordnung, dass Kinder ihren Teller leer zu essen haben und zu Not eben so lange sitzen blieben, bis auch das letzte ekelerregende Stűck speckige Wurst im Mund gelandet ist. Ich kann mich daran erinnern, wie ich versucht habe, solches Essen runter zu schlucken und mich an meinen Tränen und diesem Pamps im Mund verschluckt habe. Natürlich wurde ich dafür bestraft. Wie kann ich es auch wagen, mich vor Ekel zu schűtteln, weil ich dazu gezwungen wurde, etwas zu essen, was ich nicht essen wollte.

Kommt heute noch vor, wenn auch nicht mehr in dem Ausmaß.

Auch erzwungener Mittagsschlaf oder das Topfen, also das hinsetzen auf den Topf und so lange sitzen zu bleiben bis auch was im Topf landet ist heute immer seltener anzutreffen.

Leider ist jeder Fall davon einer zu viel und wenn man auch jetzt sagen möchte, dass das ja keine Gewalt ist, weil das Kind ja nicht geschlagen wird, so grätsche ich mal gallant dazwischen und sage, doch ist es. Denn hier benutzt der “űbermachtige” Erwachsene seine Macht um das Kind zu etwas zu bringen, was das Kind nicht möchte. Man spricht quasi dem Kind die Kenntnis über den eigenen Körper ab, noch bevor das Kind überhaupt die Möglichkeit hat, herauszufinden, was es gerne isst, wann es müde ist und wann es mal muss.

Ich spreche hier nicht vom anbieten, sondern von “muss jetzt, weil ich es besser weiß”.

Den Gedanken haben übrigens nicht nur PädagogenInnen, sondern auch Eltern.

Es war für mich ein großer Lernschritt Kinder nicht einmal mehr zum Probieren zu bewegen, also auch nicht mehr mehrfach darum zu bitten. Selbst das verursacht Druck und ein Gefühl des nicht ernst genommens werden. Ich biete an, sagt das Kind “nein”, gilt es. Mehr kann ich nicht machen.

Das Kind bedűrfnisorientiert zu begleiten verlangt eine Menge umdenken und verlernen von anerzogenen Verhaltensweisen. Das kann manchmal sehr anstrengend und ernűchternd sein. Wenn man bemerkt, dass einem mit gewissen Erziehungsmethoden eben auch geschadet wurde, dann kann man eigentlich nicht anders als reflektieren. Es kann sehr hart sein, sich diesem Schritt zu stellen. Letztendlich profitiert man aber nicht nur selbst davon, sondern jedes Kind welches man betreut.

Es scheint auf den ersten Blick bequemer, in “war schon immer so, hat schon immer so funktioniert” zu bleiben. Auf dem zweiten Blick reproduziert man nur seine eigene Erziehung, die vor dreißig, vierzig Jahren schon Schaden angerichtet hat, ohne daß man es bewusst gemerkt hat.

Kinder sind von uns abhängig. Sie sind darauf angewiesen, dass wir sie sehen und zwar nicht so wie wir es gerne hätten, sondern wie sie sind.

Gibt es denn “die” bedűrfnisorientierte Kita?

Jein. “Diese” Kita kann es mit den heutigen Möglichkeiten und Betreuungsschlűsseln gar nicht geben. Jede Form der ausserfamiliären Betreuung stellt immer auch einen Kompromiß dar. Kindergärten ist eben nicht Familie.

Aber es gibt sie, die Kitas und die Teams, die offen für Neues sind, sich regelmäßig reflektieren und versuchen aus den ihnen gegebenen Möglichkeiten das beste rauszuholen.

Was es dafür braucht, ist an allererster Stelle Personal. Nicht irgendein Personal, sondern gut ausgebildetes Personal, empathische Menschen, die Lust auf diese Arbeit haben. Die bereit sind zu lernen, altes zu verlernen und zu sehen. Die am Kind sind.

Das Konzept kann sich noch so toll lesen, wenn es menschlich nicht hinhaut, weil mit Druck und Dominanzgehabe gearbeitet wird, leiden letztendlich die Kinder darunter.

-weil gute ErzieherInnen das Team verlassen

-weil ständiger Wechsel der Bezugspersonen schädlich ist

-weil űberarbeitete ErzieherInnen űberforderte ErzieherInnen sind

-weil Űberforderung zu Stress führt.

-weil Stress krank macht.

Eine so bedürfnisorientierte Kita, so wie es eben mit den Möglichkeiten heutzutage möglich ist, sieht die Kinder als Individuen mit all ihren Facetten und versucht ihnen gerecht zu werden. Sie arbeitet transparent und mit den Eltern in einer Partnerschaft, statt über die Kinder und die Eltern hinwegzuerziehen. Die Regeln für das gemeinsame Leben in der Kita sind logisch, nachvollziehbar und auch veränderbar, wenn man merkt, dass es anders besser laufen könnte.

Wie gesagt, dass ist anstrengend für einen selber. Es kann auch frustrierend sein. Bedűrfnisorientiert bedeutet nicht, dass man den “Kunden” über alles stellt, sondern das man gemeinsam schaut, was möglich ist und was nicht. Eine 1zu1 Betreuung kann eine Kita nicht leisten.

Es braucht auch einen vernünftigen Betreuungsschlűssel. Je jünger die Kinder, desto mehr ErzieherInnen sollten in der Gruppe sein. Bei Krippenkindern wäre die 3zu1 Aufteilung ein wahrer Traum. Kleine Gruppen mit 6 Kindern und 2 Kräften. Bei größeren tut es auch eine 5zu1 Betreuung. Stellt euch das mal vor. Eine Gruppe von zehn vier bis fünfjährigen mit zwei BezugserzieherInnen. Was da für eine Arbeit möglich wäre. Selbst wenn ein Erzieher aus Gründen ausfällt, zehn Kinder zu betreuen ist nach heutigen Maßstäben ein Spaziergang (Ich hatte mal 25 Kinder alleine).

Leider kennen die meisten von uns das Wort Personalmangel. ErzieherIn zu sein ist kein attraktiver Beruf. Zu groß die Klischees und zu groß die Ernűchterung, dass man eben nicht nur den ganzen Tag spielt und leckeren Kaffee sűffelt. Spätestens nach dem ersten Burn Out merkt man, dass es nicht so läuft, wie es laufen sollte. Wenn dann gewisse Stimmen fordern, mehr fachfremdes Personal einzustellen, damit der Mangel nicht so auffällt, vergeht die Lust komplett. ErzieherInnen werfen das Handtuch, weil ihnen ihre geistige und körperliche Gesundheit wichtig ist. Weil sie keine Lust mehr darauf haben, sich permanent veräppeln zu lassen.

Ich würde behaupten, in einem Beruf wie dem meinen muss Qualität an erster Stelle stehen (wie auch in jedem anderen Beruf, wo man mit Menschen zu tun hat). Quantität sieht schick aus, riecht aber komisch. Ich kann nicht eine Kita nach der anderen eröffnen, wenn mir die Leute fehlen, um diese Kita so arbeiten zu lassen, dass es weder den Kindern noch den Erziehern schadet. Genau das fällt einem irgendwann auf die Füße und die leidtragenden sind die, die sich am wenigstens wehren können.

Ich mag meinen Beruf sehr aber ich muss ehrlich zugeben, ob ich in zehn Jahren noch in dem Feld arbeite, weiß ich nicht. Ich habe bereits einen Burn out hinter mir. Ich habe derzeit ein Team, mit dem ich gerne zusammenarbeite und das sich stets selbst reflektiert. Ich fühle mich momentan wohl auch wenn es stressige Phasen gibt. Ein gutes Team kann diese aber auch abfangen und gemeinsam durchstehen.

Ich würde mir wirklich wünschen, dass soziale Berufe ernst genommen werden, damit Leute Bock bekommen auch diesen tollen Beruf zu ergreifen. Daß Politik nicht gewinnorientiert agiert, sondern zukunftsorientiert. Nicht die Löcher notdürftig stopft, sondern mal wirklich überlegt, wie man den Fachkräftemangel beheben kann, damit Kinder nicht diejenigen sind, die das am Ende ausbaden.

Baden. Selbstbestimmt.

Selbstbestimmt Baden.

Ich habe hier zwei Wasserratten. Meine Kinder lieben es beide, in der Wanne zu sitzen und zu planschen.

Ach, die zwei würden selbst in Pfützen baden, wenn ich nicht so uncool wäre und ihnen Matschklamotten anziehen würde.

Baden steht hier hoch im Kurs, kein Wunder, beide Kinder haben Namen, die eng mit dem Meer verbunden sind. Was eher Zufall ist, denn eigentlich sind die Namen aus dem Star Wars Universum.. Das nur nebenbei.

Bei uns läuft es (meistens) so ab.

Entweder Lotte bemalt sich bis zum letzten freien Hautfitzel mit Tattoostiften oder beide essen wie die Rabauken und sehen hinterher dementsprechend aus. Oder es ist einfach mal wieder Zeit dafür. Oder Lotte äußert den Wunsch. Irgendeinen Grund gibt es immer.

Also frage ich “wer will planschen?” und das Fragezeichen ist nicht einmal trocken, da steht Lotte schon splitterfasernackt im Flur und Motte hämmert an die Badezimmertűr, nur unterbrochen von den Versuchen sich ihrerseits die Klamotten vom Leib zu reißen.

Im Badezimmer trampeln kleine Füße ungeduldig auf dem Vorleger, während ich das Wasser anstelle und dann sind beide komplett glücklich, wenn sie zusammen in der Wanne sitzen und spielen.

Nur eine Sache läuft hier nicht. Ich darf weder Lotte noch Motte waschen. Meine Hände haben weder etwas in der Wanne noch an meinen Kindern zu suchen. Das haben mir beide Kinder deutlich gemacht. Lotte schon irgendwann 2015 (also mit etwas über einem Jahr) und Motte fing das wegschieben meiner Hände und das verbale protestieren an, als sie alt genug war um alleine in der Wanne zu sitzen. Also auch mit etwa 8 oder 9 Monaten.

Aber die Kinder müssen doch sauber gemacht werden!

Stimm ich zu, deswegen sitzen die Grazien ja auch in der Wanne.

Weil ich meine Kinder nicht waschen darf, musste dieses Dilemma (der Dreck muss ab versus Fass mich nicht an) irgendwie gelöst werden. Ohne das ich die Grenzen der beiden übertrete.

Ich respektiere die Grenzen meiner Kinder. Ein Nein ist hier ein Nein und ihr Körper ist ihr Körper und das lernen sie von klein auf.

Ich frage auch beispielsweise Motti vor jedem Windeln wechseln, ob ich darf und erkläre, was und warum ich das tue. Mag für manch einen übertrieben wirken, für mich ist es der erste Schritt den Kindern beizubringen, dass ihr Körper niemandem andern gehört als nur ihnen und nur sie entscheiden, was mit ihrem Körper passiert. Inzwischen läuft Motti selbst zu den Windeln wenn sie was produziert hat und bringt mir Windel um Windel, damit ich sie wickeln kann.

Nun sitzen eben beide in der Wanne und der Dreck muss ab. Also haben beide einen Waschlappen, meine einzige Aufgabe dabei ist das dirigieren.

Ich sage, wo noch gewaschen werden sollte. Lotte macht vor, Motti macht nach.

Es klappt. Man mag es kaum glauben aber es klappt ohne Probleme. Die beiden waschen sich ab und spielen dabei seelenruhig weiter.

Haare waschen.

Lotte und Motte haben beide ne ziemliche Matte auf dem Kopf und vor allem bei Motte landet noch häufig Essbares in der Mähne. Das verklebt ja die Haare und muss auch raus. Ich habe kein Problem mit Dreadlocks aber eine einjährige braucht sie ja nicht zwingend. Schon gar nicht welche, die nach Erdbeermarmelade und Linseneintopf riechen.

Wenn Lotte sich die Haare wäscht, darf ich manchmal nachwaschen. Wie beim Zähneputzen. Allerdings möchte Lotte nicht so häufig Haare waschen und auch hier frage ich nach, ob sie denn Haare waschen will. Wer jetzt angewidert die Nase rűmpft, denn kann ich beruhigen. Lotte hat saubere, gesunde Haare. Wenn nicht gerade Tomatensoße in den Haaren klebt, verzichten wir sogar auf das Shampoo. Und selbst dann könnten wir wahrscheinlich darauf verzichten. Mir ist aber wohler dabei, wenn sich auch Schaum auf dem Kopf befindet. Die Frisuren die Lotte sich mit dem Schaum auf den Kopf bastelt, wären ohne Schaum nur halb so lustig.

Bei Motte frage ich auch. Wenn sie nickt, helfe ich ihr. Ich achte darauf, dass kein Wasser in ihr Gesicht läuft und sie fängt an ihren Kopf mit dem Waschlappen zu bearbeiten, während ich den Hinterkopf und die langen Strähnen an der Seite wasche.

Während des ganzen Badens ist dieser Moment der einzige, an dem es meine Kinder erlauben, dass ich helfe. Den Rest machen sie souverän allein.

Warum veranstalte ich das ganze?

Mir ist es wichtig, dass meine Kinder lernen, dass sie niemand, auch ich nicht, sie ohne ihr Einverständnis anfassen darf. Das fängt beim űber den Kopf streicheln an, geht über das Kuscheln, das Essen und eben auch das Baden.

Wir alle haben oft genug keine Lust angefasst zu werden. Erinnere ich mich an meine Kindheit zurück, erinnere ich mich auch an Tanten, die mir einen Kuss aufgedrückt haben oder Onkel, die mich umarmt haben, obwohl ich das nicht wollte. Hat man protestiert, war die Verwandtschaft beleidigt.

Lieb sein, das stand űber dem Recht über den eigenen Körper zu bestimmen.

Dazu kommt, dass ich mich generell nicht gerne von anderen Menschen anfassen lasse. Ich mag es einfach nicht. Und ich weiß aus eigener Erfahrung wie gelähmt man sich fühlen kann, wenn es ungewollte Berührungen gibt und man aus Angst davor, den anderen zu verletzen oder sich Ärger einzuhandeln nichts sagt, sondern es einfach geschehen lässt und darauf wartet, wieder losgelassen zu werden. Ganz mieses Gefühl.

Wenn meine Kinder nicht kuscheln wollen, akzeptiere ich das. Wenn sie “alleine” baden möchten, dann respektiere ich das. Ich frage nach, das ist alles.

Ich möchte meinen Kindern beibringen, ihr Recht aufs nicht-anfassen-lassen durchsetzen zu können ohne sich schlecht dabei fühlen zu müssen.

Hier kriegen auch die Großeltern erklärt, warum sie es respektieren müssen, wenn die Enkel sie nicht umarmen wollen und ihnen kein schlechtes Gewissen einreden oder emotionale Erpressung anwenden sollen.

Daher sitze ich einfach nur da und achte nur darauf, dass sie beim Baden sicher sind.

Die Selbstständigkeit, die sie dabei trainieren und festigen, ist für mich nur das Sahnehäubchen.

Wie läuft das bei euch? Dürft ihr helfen?