Heiß brennt die Sonne…

Heiß brennt die Sonne auf meinen Kopf. Mir läuft ein kleines Rinnsal aus salzigem Schweiß den Nacken hinunter aber ich bemerke es kaum. Meine Gedanken kreisen wild in meinem Kopf wie Geier über einem Kadaver in der Wüste.

Ich setze einen Fuß vor den anderen und verfluche mich für diese Idee. Warum zum Teufel hat mich niemand von diesem hirnrissigen Vorhaben abgehalten?

Besorgt gucken, ja, dass können sie aber den Mund aufmachen, das traut sich keiner.

Die Sonne brennt mir auf die Haare, natürlich habe ich keine Kopfbedeckung dabei. Ich habe mir eingeredet es gäbe genug Schatten auf meiner Wanderschaft.

Ein Schritt nach dem anderen. Langsam. Nur keinen Fehler machen. Ich atme heiße Luft ein und keuche alte, verbrauchte Luft aus.

Wie lange laufe ich schon?
Es ist fast schon egal, denn mein Wasservorrat ist allmählich erschöpft.
Ich bin Minuten, Stunden, Tage, Wochen unterwegs.
Ich weiß es nicht. Manchmal kommt es mir vor, als wäre ich erst vor zehn Minuten losgegangen, ein Wimpernschlag später bin ich um hundert Jahre gealtert. Die Hitze fordert ihren Tribut.

Das Laufen zerrt an meinen Kraftreserven.
Ich würde ja eine Pause machen und hier campieren aber ich habe kein Zelt und mein Wasservorrat, ach, das hatten wir ja schon.

Warum bin ich alleine losgezogen?
Aus einem esoterischen Selbstfindungstrip heraus? Musste ich jemandem etwas beweisen? Mir?
Wer bin ich überhaupt?

Erinnerungen kommen hoch.
Ich denke an meine Familie und kann nicht einmal mehr weinen, ich bin komplett dehydriert. Meine Atmung klingt gefährlich.
Werde ich sie jemals wieder sehen?

Ich muss rasten. Ich brauche eine Pause.
Meine Füße schmerzen, sofern ich noch welche habe. Ich weiß es nicht. Ab dem Knie abwärts fühlt es sich an, als wäre meine Haut zum Bersten gespannt und voll Wasser. Mein ganzer Körper schmerzt. Aus dem Magen säuert der Magensaft und brennt mit in der Speiseröhre.

Eins ist klar. Wenn ich das hier überlebe, haben meine Enkel später eine ordentliche Geschichte.

Ihre Oma die den Weg bezwungen hat.

Ich schluchze, kommt mir jetzt auch der Gedanke, dass ich meine Tochter nicht aufwachsen sehen werde, wenn ich das hier nicht überstehe.

Der Gedanke an sie reißt mich aus meiner Apathie und meinem Selbstmitleid.
Ich trinke den letzten Schluck aus meiner Wasserflasche.
Fange an zu laufen.

Ein
Schritt
nach
dem
anderen.

Nein, sage ich, nein, dieser Weg wird mich nicht bezwingen. Ich bin stärker.

Die Sonne brennt auf meinen Kopf, mein Atem rasselt. Ich keuche.

Ich denke nur noch an den nächsten Schritt, lauf, lauf, lauf. Schritt um Schritt, Meter für Meter.

Ich laufe und meine trüben Augen, mein halb wahnsinniger Verstand lassen mich weiter vorne etwas erahnen.

Mein Ziel.
So nah.
So fern.

Ich laufe weiter. Für mein Kind. Für mich. Für alle Menschen.

Mein Lauf wird die Welt verändern. Frieden bringen.
Verseuchte Flüsse reinigen.
Pandas vor dem Aussterben schützen.
Auf der ganzen Welt wird man sich an mich erinnern.

Mein Ziel kommt näher. Ich komme näher.

Wenige Meter davor sinke ich zu Boden. Falle auf die Knie und weine.

Mein Herz ist voll Dankbarkeit.

Die Sonne brennt mir unbarmherzig auf den Kopf und trockene Tränen laufen mir die verschmutzen Wangen hinunter, hinterlassen eine Spur von Mascara und Eyeliner, Überbleibsel einer zivilisierten Welt.
Ich schluchze und lasse meinen Gefühlen freien Lauf.

„DAS WAR FÜR DICH MEIN KIND!! !!!!“ schreie ich und jeder Mensch im Umkreis dreht sich erschrocken zu mir um.
Starrt mich an.

Ich bemerke die Blicke, stehe schwerfällig auf und keife jeden in Hörweite an

„Wat is? Noch nie ne Schwangere auf dem Weg zum Supermarkt gesehen?“

Die Leute drehen sich wieder weg und versuchen das Gesehene zu vergessen. Ignorieren mich.

Leise vor hin schimpfend betrete ich den klimatisierten Supermarkt und atme auf.

Brot kaufen im Hochsommer, im achten Monat schwanger.

Mach das nach Reinhold Messner.

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