Ängste

Ich bin ein ängstlicher Mensch.
Mir machen viele Dinge Angst. Beispielsweise kann ich nicht auf Konzerte gehen, da mir die Enge und der Menschenauflauf solche Angst machen, dass ich anfange kalt zu schwitzen.

Auch Straßenfeste sind oft ein Problem.

Wenn ich fremde Menschen lachen höre, habe ich Angst, nein, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass sie über mich lachen.

Diese Ängste sind tief in meiner Vergangenheit verwurzelt und trotz Therapie bin ich alles in allem ein unsicherer Mensch, der Fehler erstmal bei sich sucht.

Jetzt bin ich zusätzlich zu der überängstlichen Frau eine bald zweifache Mutter von zwei Mädchen.

Was würde also passieren, wenn ich meine Ängste auf meine Töchter übertrage. Sie dazu „erziehe“ unsichtbar zu sein.

Ich würde mir zwei kleine duckmäuschen erschaffen.
Mädchen, die leise sind. Die sich nicht trauen, für sich einzustehen.
Ja-sagerinnen. Frauen, die sich womöglich Beziehungen suchen, in denen sie unterdrückt werden.
Will ich das?
Will ich, dass meine mich lähmenden Ängste die Leben meiner Töchter beeinflussen?

Als mir klar wurde, dass da Leben in mir wächst, für das ich verantwortlich sein werde, wurde etwas in mir aufgerüttelt.

Das Jahr meiner ersten Schwangerschaft war das mit Abstand schlimmste in meinem Leben.
Und wäre meine Familie nicht gewesen, ich würde heute diese Zeilen nicht schreiben.

Das wachsende Leben in mir rettete quasi meins.

Ich hatte die Schnauze voll davon, immer nur ja und Amen zu sagen, solange bis alles über mir zusammenbrach.

Für meine Tochter wollte ich leben. Mich verändern. Mich meinen Dämonen stellen.

Das war und ist ein Kampf.

Ich habe erst mit Ende 20 gelernt,was es heisst, den Mund aufzumachen, wenn jemand meint, er oder sie hätte mehr m
Macht als ich.
Für sich selbst einzustehen, weil es sonst kein anderer tut.
Laut zu werden wo es nötig ist.

Seiner eigenen Vergangenheit zu sagen, „Leck mich doch“, ihr keine Macht mehr zu geben.

Ich ermutige mein Kind durch mein Vorbild, auch für sich selbst einzustehen.
Sie muss nicht leise sein, weil sie ein Mädchen ist.
Sie muss sich nicht alles gefallen lassen, weil jemand meint, sie sei weniger wert als man selbst.

Natürlich gibt es Tage, an denen ich weiterhin am liebsten unsichtbar wäre.
An denen ich im Bett bleiben möchte und die Welt aussperren will.
Das wird auch in Zukunft nicht ausbleiben, das ist mir klar.

Meine Ängste sind Mitbewohner, die man so leicht nicht loswird.
Aber man kann lernen mit ihnen umzugehen.

Als ersten Schritt hat mir Ende 2012 eine Therapie geholfen.
Mir hat mein allererster Blog geholfen.
Dort habe ich meine Texte aufgeschrieben, meine Gedichte, die allesamt sehr düster waren.
Die eben zu der Zeit meine Realität waren.

Mein leben war schwarz-grau und so auch meine Gedanken.

Das musste ausgekotzt werden. Ich schrieb über den in mir gährenden Hass, schwefelluft und Bäche voll menschlichem Müll.
Die Texte existieren noch, der Blog nicht.

Hätte ich heute auch kaum noch was dazu beizutragen.

Als weiteren Schritt habe ich mich sehr radikal aus einer Beziehung befreit, die mich so sehr runter gezogen hat, dass sie in gewisser Weise mit Schuld daran trägt, dass ich irgendwann keinen Fuss mehr aus dem Bett bekommen habe und geweint und geschrien habe.
Vor Angst, ich würde den Tag nicht überleben, wenn meine Füße den kalten laminatboden berühren.

Dieses sich befreien hat mich einiges (alles) gekostet aber jeden Verlust sehe ich heute als Gewinn.

Denn, heute achte ich sehr darauf wen ich in meinen TanzBereich lasse.
Gift schlucke ich nicht noch einmal freiwillig.

Es gibt leichte Tage, an denen Außenstehende die Beobachtung machen, dass die Frau dort mit dem dicken Bauch und dem Kind auf dem Laufrad ein ruhiges, gechilltes leben führt.

Und Es gibt auch schwere Tage, an denen ich froh bin, dass meine Tochter zusammen mit ihrem Vater spielen kann, damit ich mir erlauben kann, mich zurückzuziehen und die Welt auszusperren.

Aber ich kämpfe für zwei wunderbare Mädchen.
Lotte, die jetzt schon mit ihren 2 1/2 jahre selbstbewusstsein hat als ich mit meinen 30 Jahren.
Und Motte, die uns im Oktober vervollständigen wird.

Meine Ängste sind noch da. Sie werden aber jeden Tag kleiner und irgendwann sind sie so klein und blass, dass ich keine Angst mehr vor ihnen haben muss.

A.

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