Leni

Man leidet nicht weniger, nur weil es ein kurzer Besuch war.

Ich wusste nahezu sofort, dass ich schwanger war.
Es war die dritte Woche als ich den Test gemacht habe und die zwei Steifen waren quasi nur zur Deko.

Es ist jetzt fast ein Jahr her, wäre Leni geblieben, wäre sie im Mai auf die Welt gekommen und würde jetzt sabbern und kichern, uns schlaflose Nächte bereiten und wir wären verliebt.

Aber es lief anders.

So wie ich beinahe sofort wusste, dass ich schwanger war, so wusste ich fast zur selben Zeit, dass es nicht so läuft wie es laufen sollte.

Mir fehlte das Gefühl dafür schwanger zu sein.
Ich wusste es aber ich fühlte es nicht.

Vielleicht fühlt man es unterbewusst, wenn das Kleine in einem es nicht schafft.

In der sechsten Woche fand der Arzt keinen Herzschlag, hat uns aber beruhigt, dass es bei manchen etwas länger dauert. Wir sollten uns keine Sorgen machen (haha).
Für mich war denke ich, schon ab diesem Zeitpunkt klar, dass Leni gehen wird.

Ich stellte mich, nein, ich versuchte mich darauf einzustellen, dass jetzt jeden Tag die Blutung einsetzt und Leni gehen wird.

Aber es passierte nichts.

Ich schlief unruhig, mein Kopf machte keine Pause. Ich las alles, was mir zum Thema Frühschwangerschaft in die Finger geriet.
Las, dass es Fälle gab, in denen erst in der neunten und zehnten Woche ein Herzschlag zu sehen war und klammerte mich daran.

Mein Kopf schaltete auf Hoffnung, während mein Bauch auf Abschied lief.

Ich war zweigeteilt. Wollte einen Herzschlag oder wenigstens das erlösende Blut. Gewissheit.

Einen Termin versäumte ich absichtlich.

Ich wollte Leni eine Chance geben. Ich wollte, dass sie von sich aus geht oder die Zeit hat sich zu zeigen.

In der neunten Woche dann ging ich zum Ultraschall. Diesmal war es eine Ärztin, die ihn machte.

Ich fühlte mich wie in Watte gepackt und war guter Dinge… Immerhin war bisher nichts passiert.
Vielleicht fühlte ich mich nicht schwanger, weil ich den Kopf dicht hatte mit Lotte und keine Zeit um auf typische Zeichen zu achten?
Da Lotte noch gestillt wurde, taten mir meine Brüste oft genug weh und spannten.

Die Ärztin suchte eine halbe Ewigkeit. In mir wurde es Winter, als sie mir sagte, dass „es“ seit der letzten Untersuchung nicht weiter gewachsen ist und ein Herzschlag nicht auszumachen war.

Kein Herzschlag, keine Leni.

Sie erklärte mir, dass ich eine verhaltene Fehlgeburt hatte, eine Missed Abortion und das man „es“ entfernen müsste, um Komplikationen zu vermeiden.

Ich hörte zu und nickte.
Stur lächeln und winken.

Auch wenn Leni nur kurz zu Besuch war, traf mich ihr Tod wie ein Faustschlag.

Eine Woche später lag ich weinend in der Tagesklinik auf dem Tisch.
Mein Körper wollte Leni nicht gehen lassen.

Leni war nicht meine erste Fehlgeburt aber sie war die, die mich am schlimmsten traf.

Ende Januar wurde ich wieder schwanger.
Motte hat sich für Ende Oktober angekündigt.

Am 16.10.15 musste ich Leni gehen lassen.

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