Hausgeburt? Aber nein aber ja aber nein aber ja

So langsam neigt sich meine Kugelzeit dem Ende zu und wenn alles nach Plan läuft, brauchen wir nach der Geburt neues Laminat 😉 

Oder doch nicht?

Halt. Stop. Einmal Zurückspulen.

Zum Schwangerschaftstest. Dem positiven.
Zwei kleine Striche. Und danach der digitale. Die Deluxe Version.

Beide sagen also, dass der Schweinkram, den mein Mann und ich da veranstaltet haben, erfolgreich war und ich mich auf ein paar Hosengrößen mehr einstellen kann.

Mit dem Hosenproblem tauchte auch die Frage nach der Art und dem Ort der Geburt auf.
Wie also? Und wo?

Lotte kam im Krankenhaus zur Welt. Im Wasserbecken. So wie ich es wollte. Also selbstbestimmt und ohne großartige Interventionen. 

Was mich zu einem gewissen Zeitpunkt echt an den Rand der Verzweiflung brachte, weil ich Idiot durch die Wassergeburt natürlich keine PDA kriegen würde.

Trotzdem würde ich jedes mal wieder mein Kind im Wasser bekommen.
Alleine dieses Wattebauschgefühl beim hineinsteigen ins warme Wasser ist jedes Fluchen wert. <– meine Mutter hätte mir den Mund mit Seife ausgewaschen, wäre sie dabei gewesen. 

Ich wollte damals im Krankenhaus entbinden, weil es für mich der sicherste Weg war und ich das Krankenhaus schon von der Geburt meiner kleinen Schwester kannte.

Hausgeburt war für mich etwas komplett exotisches, etwas was nur in fremden Ländern mit lustigen Gewürzen stattfindet.

Ich hab die Entscheidung auch nie bereut, wie gesagt, ich hatte eine wunderbare Geburt dort.

Die drei Tage hinterher waren eher anstrengend, auch wenn die Schwestern auf der Station wahre Engel sind, um 3 Uhr morgens ist mir das herzlich schnuppe, da möchte ich schlafen und nicht über meine Nippel reden. 

Warum also eine Hausgeburt?

Die Gründe dafür waren und sind relativ einfach.

Bei einer komplikationslosen Schwangerschaft sind die Risiken überschaubar und nicht höher als bei einer Geburt im Krankenhaus, zumindest bei Frauen, die schon ihr zweites (oder drittes…)  Kind erwarten.

Ich mag den Gedanken mein Kind in der heimischen Badewanne zu bekommen und danach gleich ins heimische Bett zu fallen, mein Baby gleich anzulegen und hoffentlich mit Lotte und Gatte einzuschlafen.

Ganz ehrlich, ich würde mir den „Luxus“ einer Hausgeburt nicht leisten, wenn ich nicht gleich drei Krankenhäuser in der Umgebung hätte, eines davon sogar die Klinik, in der ich Lotte zur Welt gebracht habe.

Ohne dieses Sicherheitsnetz wäre mir der Gedanke an eine Hausgeburt nie gekommen.

Der zweite Grund für eine Hausgeburt ist die Dauer. Hausgeburten sollen in vielen Fällen kürzer ausfallen als Klinikgeburten, was mir natürlich sehr gefällt. Natürlich gibt es Ausnahmen von der Regel, da mache ich mir nichts vor. 

Ich hatte auch das großartige Glück, dass Lotte es sehr eilig hatte und gehe davon aus, dass Motte es noch eiliger haben wird.

Meine Hebamme glaubt auch, dass ich zu den Frauen gehöre, die mit Schnelligkeit gesegnet sind.

Wie gesagt, mir ist bewusst, dass es bei mir auch anders laufen könnte und ich nach Stunden der Wehen und Schmerzen mich doch verlegen lasse.

Ich bin dafür zu sehr Kopfmensch und romantisiere nichts.

Der dritte und vielleicht der wichtigste Grund für mich. In der Klinik hatte ich drei verschiedene Hebammen und zwei Ärzte, die mich untersucht und betreut haben.
Das ist für jemanden mit einer Sozialphobie sehr viel, vor allem, wenn man bedenkt, dass ich diese Personen (so lieb sie auch waren) an meinen Intimbereich lassen musste.
Durch die Hausgeburt habe ich nur eine „fremde“ Person, die mich nackt sehen wird und das erleichtert mich ungemein.

Doch keine Hausgeburt?


Nun ist es so, dass ich ja bereits in dieser Schwangerschaft in der Klinik lag, da ich vorzeitige Wehen hatte.

Lotte hat mir zur Aufmunterung eine Blumenwiese gemalt.

Was natürlich mit Ängsten verbunden war, davon kann sich ja eh keiner frei machen.

Nach gut einer Woche verordneter Langeweile und allabendlicher Thrombosespritzen durfte und wollte ich wieder nach Hause.

Lotte hat die Woche mit Papa genossen aber man hat ihr natürlich angemerkt, dass es sie sehr beschäftigt hat.
Klar, wenn sie weint und ich weine und ihr erklären muss, dass ich nicht nach Hause darf sondern noch in dem lustigen Bett bleiben muss, dass kann eine Zweijährige ganz schön beuteln und beschäftigen.

Seit dem spielt sie noch lieber mit ihrem arztkoffer und verarztet ihre Puppen und uns. 

In dieser Zeit schwankte ich sehr damit ob eine Hausgeburt noch realisierbar ist. Mein Wunsch soll nicht über der Gesundheit meines Babys stehen.

Ich sprach lange mit meiner Hebamme darüber, auch über meine Ängste, dass was schief geht.

Ich fing für mich an, ein Buch über Hypnobirthing zu lesen. 

Ein Geburtsvorbereitungskurs kam für mich aufgrund meiner Sozialphobie nicht in Frage, daher musste ich eben mit mir selbst üben.

Mein Frauenarzt ist ein wunderbar gründlicher Mensch und hat bei der letzten großen Ultraschalluntersuchung nichts festgestellt, was mich weiter besorgen würde.

Die Zeichen stehen gut


Ich hab mir ein Sicherheitsnetz aufgebaut und versuche meinen Frieden mit mir und meinen Ängsten zu machen.

Sollte ich im Krankenhaus entbinden, weil Madame Motte vor der 37. Woche auf dem Weg ist, dann ist das genauso okay wie eine Geburt zu Hause in meinen eigenen vier Wänden. Und selbst wenn es aus Gründen in einem Kaiserschnitt enden sollte, so ist es auch eben so.

Was würde es mir letztendlich nützen, wenn die Geburt nicht so läuft wie ich es mir erträumt habe.
Habe ich dann versagt?
Darf ich das Label „Mutter“ nicht führen, wenn von aussen interveniert werden muss?

Ich bin ein Kopfmensch und weiß, dass man zu einem gewissen Zeitpunkt der Geburt nicht mehr ganz klar ist, daher vertraue ich darauf, dass meine Hebamme in diesem Fall die Stimme der Vernunft ist und mich entweder von meinem Regenbogen runter holt oder mich weiter bestärkt.

Wir sind zwar unseres Schicksals Schmied aber auf Teufel komm raus werde ich nichts tun, was mich oder meinen Bauchzwerg unnötig gefährdet.

Ich habe großes Glück gehabt, eine Hebamme für die Hausgeburt zu finden, heutzutage ja auch eher ein Glücksfall. Leider.

Ich würde mir wünschen, dass sich die Situation für die Hebammen entspannt und so jede Frau gebären kann, wie sie es möchte. Mit der bestmöglichen Betreuung, sei es in einer Klinik, einem Geburtshaus oder Zuhause.

Ich möchte, dass meine beiden Töchter, sofern sie jemals Kinder wollen, eine Wahlfreiheit haben wie und wo sie ihre Kinder auf die Welt bringen.

Gefühlt bin ich eine der letzten Frauen, die diese Wahl noch haben und das macht mich traurig.

Ich bin gespannt wie meine Tochter auf die Welt kommt.

Und hoffe, dass ich mir bald wieder die Schuhe alleine zubinden kann. 

Kuss auf die Nuss

Ainfean

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