Gedanken zum Freitag Abend

Ich liege genau jetzt in der Wanne und wische mir meine verheulten Augen.

Ich habe die letzten zwei Stunden damit verbracht, meine knapp zwei Wochen alte Tochter zu wickeln, zu massieren, gefühlt alle fünf Minuten zu stillen, sie herumzutragen und zu trösten.

Was ihr genau gefehlt hat, warum sie zwischen den „Mahlzeiten“ gebrüllt hat, keine Ahnung.
Letzendlich hat nur eine einzige Sache geholfen.

Weißes Rauschen und hin und her wippen.

Wäre mein Mann heute Abend nicht hier gewesen um die große ins Bett zu bringen, ich glaube, ich wäre immer noch am heulen.

Weil ich meiner kurzen nicht helfen konnte.
Weil ich der großen nicht gerecht hätte werden können.
Wahrscheinlich wäre ich im Laufe des Abends richtig laut geworden.

Genervt war ich nämlich schon, da die große durch die neue Situation als große Schwester erst mal ordentlich die Grenzen austestet. Noch ist aber der Papa da um das aufzufangen.

Noch kann ich mich abends voll und ganz auf ein brüllendes Baby einlassen während er sich um die große kümmert.

Durch die neue Konstellation in unserer Familie müssen wir uns alle erstmal umgewöhnen und ganz ehrlich, ich hab mir das irgendwie mehr heititeiti und märchenmäßig vorgestellt.

Die große liebt ihre kleine und kümmert und kuschelt wie verrückt.

Am Donnerstag war sie stolz wie Bolle, als ihre kleine Schwester mit in der Kita war.
Jeder musste sie bewundern.

Trotzdem ist sie natürlich eifersüchtig.
Sie ist jetzt nicht mehr die kleine, Mama liegt die meiste Zeit noch auf der Couch und „ihre“ Milch bekommt jetzt ein Baby.

Wir müssen uns erstmal einpendeln.

Das kriegen wir hin.

Jetzt zurück zu meinem Abend.

Ich sitze also auf der Couch und wippe vor uns zurück. In meinen Armen ein endlich ruhiges Baby.
Vom Tablet hört man nur ein weißes Rauschen, quasi die geheimwaffe, wenn Lotte früher gebrüllt hat und sich nicht beruhigen ließ.
Bei Motte funktioniert es gottseidank genauso gut.
Ich wippe und wippe und mir kommt eine Erfindung in den Sinn.

Vor knapp zwei Wochen war mein Facebook Feed voll davon.
Man puckt das Baby auf eine Art Rüttelmaschine und diese wippt das Baby genau so wie ich gerade auf der Couch.

Die Kommentare zu dieser Maschine waren, naja ich bleib mal freundlich und nenne sie „herablassend“. Von „dann gebt das Kind doch gleich weg“ bis „aaaaaaalssssooooo iiiiiiiich wüüüüürdeeee meeeeeeinem Kind soooo was niiiiieee antun“ reichte das Spektrum

So und Nu kommt es.
Ich habe ein unglaublich entspanntes Kind und solche „Ausfälle“ wie heute kenne ich gar nicht. Weder von der großen noch von der kleinen.

Weder weiß ich wie es ist ein Schreibaby zu haben noch maße ich mir auch nur den Hauch einer Vorstellung dazu an.

Und ich hätte trotzdem mein gesamtes Gehalt in diesem Moment für diese Maschine gegeben.

Wenn ich schon nach nur zwei Stunden schreiattacke nach einem solchen Gerät bete, welches mir nur für fünf Minuten die Wipperei abnimmt, damit ich mir die Augen trocknen kann, damit ich kurz verschnaufen kann, etwas trinken kann, nur eine Sekunde durchatmen kann, wie zur Hölle muss es einer Mutter gehen, deren Baby permanent schreit?

Und dann kommen solche, pardon my French, selten dämliche und arrogante Sprüche von selbstgefälligen Muttis, die anscheinend einen Orden für ihre Erziehungsleistung erwarten.
Total hilfreich, dieses von Wand zur Tapete denken und verurteilen.
Nicht.

So ich rasiere mir jetzt die Beine um mich zumindest ein wenig wie eine Frau und weniger wie eine Milchkuh zu fühlen.

Ja so scheiß Tage gibt es auch.

Ist nicht immer alles tuttifrutti und Pfannkuchen.

Mit Augenringen bis zum Boden und ausgeleierten Nerven

Roksana

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2 Kommentare zu „Gedanken zum Freitag Abend

  1. Liebe Roksana,
    tu einfach was dir gut tun. Andere haben manchmal leicht reden und verurteilen dieses oder jenes einfach, ohne jemals in deiner Situation gewesen zu sein. Für mich hört sich das ja sehr nach Koliken an. Ich habe dazu etwas auf meinem Blog geschrieben, was auch einige verurteilen, mir aber sehr geholfen hat. Wenn du magst, kann du in der rechten Seitenleiste auf meinem Blog mal „Koliken“ eingeben, dann kommt der Artikel. Vielleicht hilft es dir ja auch. Liebe Grüße, Ella

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  2. Danke Ella, ich schau da gleich vorbei.
    Es könnten tatsächlich Koliken sein, die kleine hat später nochmal losgelegt und dann nach einer Weile (wohl sehr befreiend) gepupst… Der Rest der Nacht war sehr ruhig 🙂

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