Ein guter tag

Ich grinse breit über mein ganzes Gesicht.

Der Tag fing schon gut an für mich.
Meine Mutter weckte mich und mein Vater war nicht mehr zuhause.
Es gab einen warmen Kakao und Toast mit Erdbeermarmelade.
Mein Lieblingspulli war sauber und so konnte ich ihn anziehen.
Meine Hausaufgaben waren gemacht und ich hatte viel Zeit, musste nicht hetzen.

Ich kam in die Schule und begrüsste meine Freundinnen mit Küsschen auf die Wange.
Das macht man hier eben so.

Meine Laune verfinsterte sich, als *sie* hereinkam.
Ich verzog mein Gesicht.
Warum muss das da hier in unserer Klasse sein?
Ich glaube sie stinkt.
Sie lächelt nicht, sondern setzt sich schnell auf ihren Platz.
Arrogante Kuh, hält sich für was besseres.

Als sie nochmal aufsteht und zur Toilette geht, nimmt sie ihren Rucksack mit.
Blöde Nuss, denkt, wir klauen ihre Hausaufgaben.

Das war witzig, als diese kleine Idiotin vor dem Lehrer anfing zu heulen, weil sie ihre Hausaufgaben nicht gefunden hat.

Buhuhuuuu machte sie und ich muss wieder grinsen.
Aber Herr Lehrer, ich hab sie wirklich gemacht, flennte diese eingebildete Null und bekam das was sie verdiente. Ärger und eine Sechs.

Seitdem nimmt sie ihren Rucksack immer mit. An Sporttagen lässt sie auch ihren Turnbeutel nicht aus den Augen.
Als ob jemand diese billig Klamotten haben will.
In der Pfütze allerdings machen sie sich gut.
Das war befriedigend, als sie diese nassen Dreckssachen weinend in ihren Beutel stopfte und mit den kurzen Sporthosen nach Hause laufen musste.

Was haben wir gelacht, so wie sie zittern musste.
Geschieht ihr recht.
Hat die Kuh nicht anders verdient.

Das gute an unserer Schule ist, dass wir hier Mittags was warmes essen können. Immer als ganze Klasse.
Die blöde Kuh sitzt mir allerdings gegenüber.
Als sie aufsteht um neuen Tee zu holen, spucke ich in ihre Nudeln.
Sie kommt zurück und meine Freundinnen und ich müssen kichern.
Sie schaut uns misstrauisch an.
Als ob sie es ahnt, schiebt sie ihren Teller weg.
Unsere Erzieherin motzt sie an. Will sie zum Essen zwingen. Wird lauter und lauter solange bis diese Heulsuse schon wieder flennt.
Gott ist die empfindlich. War doch nur ein Spaß.
Ein kollektives „ooooooh eine Runde Mitleid“ ruft die gesamte Klasse wie aus einem Mund als sie heulend aus der Mensa rennt.

Wir sehen sie an diesem Tag nicht mehr wieder. Hat sich wahrscheinlich wieder abholen lassen.

Memme.

Irgendwann werde ich sie boxen.
Weil sie es nicht anders verdient.
Blöde arrogante Kuh.

Auf der anderen Seite

Meine Mutter holt mich ab.
Schon wieder.
Langsam hat auch sie keine Geduld mit der Situation.
Sie lässt sich aber nichts anmerken.
Sie weiß, was los ist, kann aber nicht viel machen.
Es gab genug Gespräche mit meinem Lehrer, den die Situation nicht interessiert und mit meiner Erzieherin, die mich verabscheut.
„Nie długo już, wytrzymaj“ sagt sie mir.
Halt durch.
Bald muss ich hier nicht mehr hin.
Ich vergrabe meinen Kopf in ihren Schultern und weine.
Ich Heulsuse.
Ich verachte meine Schwäche. Ich verachte mich.

——-

Fast zwei Jahre wurde ich gedemütigt.
Als es vorbei war und ich meine Klasse hinter mir lassen konnte, konnte ich endlich aufatmen.

Diesen Bericht habe ich jetzt fünf Mal geschrieben.
Jedes Mal anders aber die Ereignisse sind gleich.

Ich weiß bis heute nicht, warum ich.
Im Grunde ist es auch egal.
Ob es meine Herkunft war oder weil ich die Neue war, weil meine Klamotten nicht cool genug waren oder weil ich Schuhe von Deichmann und nicht von Nike trug.
Macht es heute einen Unterschied?
Nein, denn der Schaden ist angerichtet.

Beitrag zur Blogparade von Essential Unfairness und Glucke und so #nomobbing

Edit: noch mehr Gedanken

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