Schottenröcke und Mädchenkram

Da steht dieser Bär von einem Kerl auf einer grünen Wiese.

Ein mächtiger, voluminöser, perfekt gestutzer roter Bart ziert sein Gesicht und lässt diesen Bär von einem Mann noch bäriger aussehen.

Er wirkt so als könne er eine Blockhütte nur mit seinem Blick bauen.

Dazu hat er breite Schultern, so breit, dass man meint eine leichte Krümmung erkennen zu können, eine Art eigene Erdkrümmung. 

Es verwundert schon etwas, dass er keine eigene Gravitation besitzt und doch schwirren kleinere Männer um ihn herum wie Zwergplaneten.

Also da steht dieses majestätische Abbild eines Mannes mitten auf einer grünen Wiese.

Die Arme verschränkt.
Wartend.

Und trägt einen Rock.

„Der hat ja einen Rock an“ bemerkt der 5 jährige Paul und staunt Bauklötze.
„Warts mal ab was gleich passiert“ sage ich und grinse.

Die Jungs und Mädels um mich herum sehen auf den Bildschirm und fast allen steht der Mund offen.

Der bärtige rothaarige Mann geht in die Hocke und hebt mit diesen mächtigen Pranken die aus seinen Armen wachsen etwas auf.

Einen Baumstamm.
Er wuchtet den Baumstamm über seine Schulter, nimmt Anlauf und wirft den Baumstamm mit einem „RUUUAAAAAH“ weg.

Quelle: pixabay

„Boah“ raunt es aus kleinen Mündern. „Cool“ …

Die nächsten Minuten schauen wir dabei zu, wie große Männer, kleine Männer, große Frauen und kleine Frauen Baumstämme herum werfen als wären es benutzte Essstäbchen.

Nur, warum tun wir das? Warum sitze ich mit den 5 jährigen der Kita am PC und lasse ein Video der schottischen Meisterschaften im Baumstammwerfen laufen?

Der ganzen Aktion ist eine Diskussion vorangegangen, was Jungs und Mädchen tun und lassen dürfen.

Mädchen dürfen Star Wars nicht mögen.
Jungs spielen nicht mit Puppen.
Jungs malen nicht mit rosa.
Mädchen dafür nicht mit blau.

Warum genau die Kinder anfingen zu diskutieren, weiß ich nicht mehr.

Mir ist dieses Thema allerdings nicht neu.

Ich habe schon oft verwunderte Blicke bekommen, wenn ich mit einem Superhelden oder Star Wars Tshirt zu Arbeit bekommen.

Oft genug habe ich von Mädchen und Jungen gleichermaßen gehört, dass ich das nicht tragen „darf“.

Mit der Meinung sind die Kinder nicht alleine. Gehe ich beispielsweise zu h&m und suche ein neues Tshirt für meine Tochter, habe ich die Wahl zwischen Kätzchen und Eiskönigin auf der einen Seite und jurassic Park und Marvel/DC auf der anderen.

Früher als sie noch nicht sprechen, sondern nur an ihren Füßen nuckeln konnte, hatte ich die „Freiheit“ ihr die Klamotten auszusuchen, die mir gefallen haben. 

Also hatte ich einen kleinen glatzköpfigen Nerd im Batman Hoodie.

Inzwischen sucht sie sich ihre Kleidung selbst aus, der Inhalt ihres Kleiderschranks ist daher kunterbunt.

Langarmshirts mit Baggern und Feuerwehrautos (dieses Kind liebt die Feuerwehr) finden sich dort genauso wie rosa Glitzerfummel. Star Wars neben Kuschelkätzchen. Rosa neben Blau.

Hatte schon immer ihren eigenen Stil.

Eine harmonische Koexistenz.

Genau das gleiche mit ihrem Spielzeug.

Da findet sich Baustein neben Püppi neben Polizeiauto neben Schminke neben Bagger neben Eisenbahn.

Geschlechtsneutrale „Erziehung“ hat für mich nichts mit der Verbannung bestimmter Spielzeuge oder Farben zu tun, sondern der Einbeziehung aller Elemente des Lebens. 

Es gibt für mich kein Spielzeug, was nur für Mädchen oder nur für Jungs ist. 

Mir ist bewusst, dass es die Spielzeug Hersteller anders sehen. 

Auch die Designer von Kinderkleidung bräuchten mal eine Fortbildung in dem Bereich.

Sie ist ein so neugieriges Kind, dass ich sie darin nicht bremsen mag.
Eine Zeitlang war sie so auf U-Bahnen fixiert, dass sie einmal sogar in das Führerhaus gehen durfte und sich den ganzen Technikkram angeschaut hat.

Zur Zeit fährt sie auf Ballett ab und tanzt hier bis zum Wadenkrampf.
Zehn Minuten später boxt sie mit ihrem Papa.

Zwischen Ballett und Boxen

Ich könnte diese Liste ewig weiterführen.

Lotte liebt es, neues auszuprobieren, warum also soll ich dazwischen gehen und ihr es wegen ihrer Vulva verbieten oder ausreden?

Die Genitalien meines Kindes bestimmen nicht ihren Charakter oder ihre Vorlieben.

Ihre Kleidung und ihre Vorlieben für bestimmtes Spielzeug bestimmen auch nicht ihre Sexualität.

Wenn sie homosexuell oder transgender ist, dann war sie es auch schon vor dem Pulli mit dem Bagger drauf. Der Bagger ist nicht dafür verantwortlich, ob sie später mit Sabine nach Hause kommt oder später Ralf heißen möchte.

Meine Aufgabe ist es, meinem Kind alle Facetten des Lebens zu zeigen und sie so zu lieben, wie ich sie eben liebe. Als Mama.

Und weil ich finde, dass alle Kinder alle Facetten kennenlernen dürfen, finde ich es legitim, meinem Standpunkt mit baumstammwerfenden berockten Schotten zu untermauern. 

Beeindruckt waren die Kiddies ja schon.

Und ich darf mein Star Wars Shirt anbehalten.

Möge die Macht mit euch sein

Roksana

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: