Ohne meine Hebamme…

…wäre es mir nicht möglich gewesen, selbstbestimmt meine Kinder auf die Welt zu bringen.

Ich lasse mich nicht gerne anfassen.

Es fällt mir schwer auf andere Menschen zuzugehen und ich brauche lange um aufzutauen.

Ich bin zögerlich und wirke oft arrogant, da ich so gut wie immer emotionslos gucke und mein Humor dadurch schwer zu „lesen“ ist.

Ich hab es trotz meiner sozialen „Besonderheiten“ geschafft, einen Mann zu finden, der immerhin bereit war, inzwischen zwei Kinder mit mir zu haben.
(Yeah Achievement unlocked)

In meiner ersten Schwangerschaft war ich allerdings emotional so dermaßen fertig mit mir, dass ich mich kaum um mich, geschweige den um eine Hebamme gekümmert habe.

Die Vorsorgeuntersuchungen habe ich artig mitgenommen, den Termin mit der Frau meines damaligen Gynäkologen, ihres Zeichens Hebamme, habe ich nicht wahrgenommen.

Kinder kommen doch auch so auf die Welt. Oder etwa nicht? Wozu noch ein Mensch, der mich anfasst und über mich urteilt.
Der mir sagt, was ich zu tun und zu lassen habe.

Ich hatte genug mit mir zu tun und keinen Kopf für mehr Personen in meinem Dunstkreis.

Als dann die Fruchtblase platzte und ich in die Klinik gefahren wurde, hatte ich nur Angst vor den Schmerzen und das die Geburt lange dauern würde.

In der Klinik ließ ich die Hebammen machen.
Sie waren alle samt lieb und fürsorglich.

Ich war froh, die Verantwortung für meinen Körper in erfahrene Hände abgeben zu können.

Ich hatte mit der Ankunft von Lottes Papa und den Ereignissen zwischen Station und Kreissaal genug im Kopf und war erleichtert, dass K. die Führung übernahm und mich aus meinem Schmerz, seelisch wie körperlich, wieder zurückholen konnte.

Die Geburt ging dank ihr schnell voran und ihre klaren Worte (die für manche wohl sehr hart geklungen hätten) halfen mir letztendlich meinen Seelenschmerz für diesen Augenblick zu vergessen.

Ich denke, ich habe es auch ihrem Trost zu verdanken, dass ich mich komplett auf Lotte konzentrieren konnte und relativ heil mit meiner kleinen entlassen werden konnte.

Ich sah K. sogar wieder.
Als ich dieses Jahr wegen vorzeitiger Wehen in die Klinik kam, war sie die Hebamme, die sich um mich gekümmert hat.

Sie wusste natürlich nach zwei Jahren und etlichen Geburten nicht mehr, wer ich bin aber das ist egal. 

Ich dankte ihr für ihre Begleitung damals.

Als ich dann kurz nach Lottes Geburtstag im Februar erfuhr, dass sich Motte ankündigt, war mir klar, dass ich diesmal von Anfang an eine Hebamme wollte.

Ich wollte sogar noch einen Schritt weiter gehen und zu Hause entbinden.

In einer Facebook Gruppe fragte ich nach, wer noch Kapazität hätte und traf so auf L. , eine Hebamme, die auch Hausgeburten betreut.

Sie betreute mich die gesamte Schwangerschaft.
Ich ging lediglich zu den Ultraschalluntersuchungen zu meinem Frauenarzt.

Die Schwangerschaft mit Motte war körperlich sehr anstrengend aber auch hier half mir eine schnörkellose Art, da so locker zu bleiben, wie es mir Walross möglich war.

Während der Geburt von Motte hielt sie sich zurück und war erst dann präsent, als es richtig los ging.

Nach der Schwangerschaft stand sie mir mit Rat und Tat zur Seite und ganz ehrlich, trotz 10 Jahren Arbeit mit Kindern und einem eigenen Kind, ich war unglaublich dankbar dafür.

Man hat halt eben nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Auch wenn wir uns in gewissen Punkten uneinig waren, so bin ich doch dankbar dafür, dass ich sie hatte.

Ohne „meine“ Hebamme K. in der Klinik wäre die Geburt meiner großen Tochter wahrscheinlich unglaublich traumatisierend für mich geworden.
Sie hat es durch ihre Worte und ihr da sein nach der Geburt geschafft, dass ich mich komplett auf mein Baby konzentrieren konnte.
Trotz Personalmangel hat sie sich ihre empathische Ader bewahrt und mir so ein gutes Gefühl gegeben.

Auch war sie mit ausschlaggebend, dass ich den Mut gefunden habe, mir für meine Schwangerschaft mit der kurzen eine Hausgeburtshebamme zu suchen und mich und somit meinen Körper, den eben nur sehr wenige Menschen berühren dürfen, in fremde Hände zu geben.

Meiner Hebamme L. habe ich eine tolle und selbstbestimmte Geburt zu Hause zu verdanken.

Sie hielt sich im Hintergrund und gab mir so Vertrauen in mich und meinen Körper.
Dadurch, dass sie keinerlei Eingriffe ohne mein Einverständnis durchführte, lief die Geburt meiner kurzen voller Vetrauen ab.

Ich bin überzeugt davon, dass der schnelle und komplikationslose Geburtsverlauf auch ihrer Zurückhaltung zu verdanken ist.

Bleibt die Frage ob meine Kinder so eine Erfahrung auch werden machen können.
Ob sie auf empathische und kompetente Hebammenhilfe hoffen dürfen und die Geburt ihrer Kinder (sofern sie welche wollen) ein schönes und kraftvolles Erlebnis wird.

So wie es zur Zeit aussieht, seh ich leider schwarz.

Denn eine selbstbestimmte Geburt fängt schon mit der Frage an, ob man eine Hebamme möchte und nicht ob es überhaupt noch Hebammen gibt und man sich ihre Hilfe leisten kann.

Frohe Winterzeit

Roksana

Mein Beitrag entstand im Rahmen der Blogparade „ohne meine Hebamme“ von babytalk. Danke für diese tolle und wichtige Idee dazu.

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2 Kommentare zu „Ohne meine Hebamme…

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