Schmerzen bei der Geburt

Ich bin ein riesiger Greys Anatomy Fan.

Nicht wegen McDreamy oder McSteamy oder McDonalds sondern weil, ja keine Ahnung, es eine Art GZSZ mit guten Schauspielern und ansprechender Kulisse ist.

Die Serie ist inzwischen in die Jahre gekommen, der Untertitel „die jungen Ärzte“ müsste inzwischen in „die verwitwete dreifache Mutter, deren gesamte Familie auf dramatische Weise ums Leben gekommen ist und die mit Halbschwester und Schwägerin in einem Haus wohnt – wo sind eigentlich die Kinder?“ geändert werden aber das nur so nebenbei.

Was unglaublich faszinierend ist, sind die Geburten.

Jede Geburt on screen ist für Horrorfilme geeignet. Jede Schwangerschaft ist hochgefährlich, fast immer muss die Frau davor, dazwischen oder danach aufgeschnitten werden um gerettet zu werden.

Wäre ich jetzt eine junge Frau die ihr erstes Kind erwartet, würde ich mich nach einem Supercut aller Greys Anatomy Geburten sofort in Narkose legen und mich erst nach der Schwangerschaft wecken lassen. Mein neugeborenes 5 Monate altes Baby glücklich im Arm haltend und froh am Leben zu sein.

Auch in anderen Serien wird die Geburt eines Kindes als etwas dargestellt, was unglaublich schmerzhaft und unglaublich unnachahmenswert ist.

Sei es „how i met your mother“ oder die Kommentare von Sheldon Cooper bei der Hausgeburt seiner Schwester, um zwei aktuelle Beispiele zu nennen.

Als ich 2013 mit Lotte schwanger war, stand ich auch vor der Frage, wie ich gebären will. 

Lange bevor ich schwanger wurde, war mir klar, ein Kaiserschnitt ist die einzige Option für mich sollte jemals ein Schuss sitzen. Ich kinderloser naiver Narr. Ich malte mir aus wie schmerzfrei und easy das wäre. Damit beschäftigt habe ich mich nie.

Was ich allerdings kannte, waren Serien und Berichte von Kolleginnen, wie schrecklich schmerzhaft und wie ewig lange eine Geburt dauert.

Nun kugelte ich also 2013 vor mich hin und mit jedem Monat wuchs die Anspannung und auch die Angst vor Schmerzen.

Ich las auf einmal alles was ich zu dem Thema in die Finger bekam.Ich hätte selbst Beipackzettel gelesen, wenn diese mit einem positiven Schwangerschaftstest ausgeliefert würden.

Dank vieler Geburtsberichte entschied ich mich gegen einen Kaiserschnitt.

Stattdessen wurde die Option einer Wassergeburt für mich interessant und die Klinik bot diese an.

21 Tage vor dem errechneten Termin ging meine Fruchtblase auf. Ich sage bewusst das sie aufging, denn mit platzen hatte es nichts zu tun. Rein gar nicht wie in Filmen, in denen die Frau sich die arschteuren Schuhe ruiniert, weil es aus ihr wie aus dem Blasloch eines Wals herausschießt. (Tolle Metapher, dafür ein Schulterklopfen)

Selbst die Wehen waren ja mal locker, was haben die alle bloß mit dem Gebrüll. Ich wiederhole, ich naive ahnungslose Närrin.

Die Hebamme sagte nur: „wenn sie noch lachen können, dann ist es noch nicht soweit.“

Sie sollte recht behalten. Als es richtig losging, verdammt, das war der fieseste Schmerz aller Zeiten. Ich brüllte. Als ich ins Wasser steigen durfte, war es wie eine rosa Watteflauschiwolke mit der man mich bedeckt.

Allerdings, die Presswehen waren nicht so schlimm, wie die ganze Vorbereitung.

Als ich dann Lotte auf meinem Bauch sah, war es eh augenblicklich vorbei. 

Die zweite Geburt fand zu Hause statt.

Den Geburtsbericht könnt ihr hier nachlesen

Diesmal habe ich mich vorbereitet, diesmal las ich das Buch „Hypnobirthing“, in dem eine (fast) schmerzfreie Geburt versprochen wird.

Einen Kurs habe ich nicht gemacht, die Hausgeburt war schon durch die Rufbereitschaft purer Luxus, da war ein Kurs nicht mehr drin. Egal, das Buch half mir auch schon so, denn ich spürte tatsächlich kaum Schmerzen.

Ich spürte einen immensen Druck und auch die Wehen waren nicht ohne aber diesmal habe ich sie nicht als Schmerzen wahrgenommen, sondern als notwendige Kontraktionen.

Es ist totaler Wahnsinn was die Psyche und der Körper leisten, wenn man anders an die Sache herangeht. Wenn man liest (oder die Entspannungsübungen macht) und einen anderen Blickwinkel auf diese Leistung bekommt.

Eine Geburt kann schmerzfrei sein aber man muss sich bewusst machen, dass man trotzdem (oder sogar mehr?) Druck und Kontraktion wahrnimmt. Denn „Schmerzfrei“ entsteht im Kopf. Ich brüllte auch bei der zweiten Geburt, weil ich den Druck nicht anders kanalisieren konnte und erst mit der Anweisung der Hebamme habe ich die Kraft aus meinen Lungen in meinen Bauch geleitet.

Das war meine persönliche Erfahrung dazu. Zwei Kinder auf zwei verschiedene Weisen habe ich auf der Welt begrüsst.

Ich habe während der ersten Geburt die Hebamme nach einer PDA gefragt (war aufgrund der Wassergeburt nicht möglich und eh zu spät), ich war zeitweise so fertig vor Schmerz, dass ich einen Kaiserschnitt in Betracht gezogen habe.

Ich kann jede Frau verstehen, die sich dafür entscheidet. Die nach einer fiesen ersten Geburt einen Wunschkaiserschnitt möchte. An dem Punkt war ich auch.

Ich kann aber auch empfehlen, Entspannungsübungen und Meditation in Erwägung zu ziehen. Eine andere Sprache und Wortwahl für die Dinge unter der Geburt zu benutzen. Wellen klingt friedlicher als Wehen auch wenn ich persönlich lieber Wehen sage. Die Fruchtblase öffnet sich klingt netter und ruhiger als „platzt“.

Man bekommt einen ruhigeren Blickwinkel auf die Ereignisse unter der Geburt und vielleicht hilft es Erstmamis.

Ich persönlich hätte mir gewünscht, schon vorher auf das Buch zu stoßen, also in meiner ersten Schwangerschaft. Wer weiß, wie sie dann abgelaufen wäre.

Am wichtigsten aber ist immer noch, macht was euch am besten tut. Ganz egal, ob mit oder ohne PDA, ob ihr eurem Mann die Finger brecht, in der Klinik oder zu Hause gebärt.

Und guckt um Gottes Willen keine Arztserien wenn ihr ruhig schlafen wollt.

Nachti

Roksana

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2 Kommentare zu „Schmerzen bei der Geburt

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