Von Pieroggen und Kindheitsgefühlen

Die Feiertage sind vorbei und es kehrt wieder Ruhe ein. Also das was man Ruhe nennen kann, wenn man Kinder hat.

Während der Weihnachtstage herrscht bei mir seit einigen Jahren ein eher melancholisches Gefühl in der Luft.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu und man lässt alles Revue passieren, was einem ein Jahr geschenkt und auch genommen hat.

Geschenkt wurde mir ein kleines Mädchen, genommen wurde mir ein lieber Mensch.

Ich erinnere mich gerne an meine Kindheit zurück, trotz der vielen Steine über die meine Familie gestolpert ist.

Erinnerungen, die heute noch greifbar sind wie mein Teddybär, der inzwischen wie ich 30 Lenze zählt und Erinnerungen an meine Oma, die ein wichtiger Teil meines Lebens war.

Meine Oma war eine Frau, die ihr Leben lang bis zu ihrer Krankheit immer gearbeitet hat. Sei es auf dem Feld oder so wie ich sie in Erinnerung habe, in der Küche.

Immer wenn wir nach Polen kamen und ihr Haus betraten, roch es nach Kuchen und Essen.

Der Geruch nach gekochten Kartoffeln, die eine Stunde vorher noch in der Erde waren, der Geruch nach Hefekuchen, den sie gebacken hat.

Am deutlichsten ist die Erinnerung nach ihren Pieroggen, die sie zubereitet hat. Gefüllt mit Kartoffeln und Twaróg, einem polnischen Weißkäse, den es so in Deutschland nicht gibt.

Wie sie den Teig in einer großen Holzschüssel geknetet hat. Fast meditativ saß sie da und knetete Mehl und Milch bis der Teig richtig war. Stampfte die Kartoffeln und verrührte sie mit dem Käse und einem Ei, etwas Salz, Pfeffer und gehackter Zwiebel.

Den Teig ausrollend lachte sie über die Gespräche meiner Mutter mit ihren Schwestern, während wir Kinder zuschauten wie sie die Pieroggen füllte. Sie schmierte uns Brot nur mit Butter und etwas Salz und ihre wunderschöne rauhe Stimme klang uns weich in den Ohren.

Ihr dabei zuzusehen und die Gerüche aufzunehmen, zu sehen wie ihre Hände Dinge erschaffen, die so lecker sind, besonders in der Vorweihnachtszeit oder wenn ein Fest anstand, diese Dinge gehören zu meinen liebsten Erinnerungen.

Als sie dann krank wurde und nicht mehr kochte, ging etwas verloren. Die Küche blieb kalt und es legte sich eine Traurigkeit über uns alle. Das mag sich merkwürdig anhören aber zu sehen, wie der Mittelpunkt unseres Lebens in Polen langsam verging, dass war schwer zu ertragen.

Ich denke gerne daran zurück, an diese Tage in der großen Küche, an ihre alten Hände, die so weich waren.

Jetzt wo meine Mutter selbst Oma ist, kehrt dieses Gefühl zurück. Wenn ich mit meinen Kindern bei ihr bin, dann verströmt ihre Wohnung den Geruch, den ich so kenne und so liebe.

Wie meine Mutter zusammen mit Lotte den Pieroggenteig zubereitet, wie wir in der Küche sitzen und zusammen Pieroggen füllen, dabei lachen und erzählen, dann hab ich manchmal das Gefühl, dass ich wieder klein bin und die weichen Hände meiner Oma streichle.

Diese Hände, die soviel gearbeitet haben und nie eine Pause hatten.

Dieses warme Gefühl nach Familie, das vergeht nicht. Es wird weitergetragen, von meiner Oma zu meiner Mutter und irgendwann sitze ich vielleicht in der Küche, meine Enkel auf dem Schoss und knete Teig für Pieroggen. Und dieses Gefühl werde ich weiterhin ganz tief in mir tragen.

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