Es liegt nicht an dir….

Während ich eingekeilt zwischen Bronchitis (rechts) und Fieber (links) auf der Couch liege und versuche Bronchitis und Fieber ganz gerecht den gleichen Anteil an Trost und Kuschel zu geben, versuche ich mit der Hand die unter Bronchitis herausragt und das Smartphone hält, ein Bild auf die mir am schnulzigsten bekannte Weise zu bearbeiten.

Den hier passiert gerade etwas, was in letzter Zeit selten bis gar nicht vorkommt. Bronchitis, deren Name normalerweise Lotte* lautet, kuschelt mit mir. Sie schlief eigentlich schon im Schlafzimmer und ich lag mit Fieber, deren Name normalerweise Motte* lautet, auf der Couch und stillte besagtes Baby.

Ein lautes Waaaaaaaah weckte mich aus meiner Gedankenblase und eine hustende Lotte kam angetapst. Sie schluchzte, kletterte zu mir auf die Couch, kroch unter die Decke und schlief wieder ein. Motte grunzte wohlig, ließ meine Brust los, rülpste wie ein kleiner Bauer und war schon im Traumland.

Da lag ich nun. Und war baff. Den Lotte wählt zum kuscheln momentan eher den Papa. Papa zieht sie an. Nur Papa darf ihr etwas zu trinken eingiessen, nur Papa darf das Brötchen schneiden, nur Papa darf „Cars“ anmachen. Meine Große ist zum Papa Kind geworden und ich bin aussen vor.

Wenn ich ihr helfen möchte, schreit sie mich an oder rennt schreiend weg. Das tut weh. Aber ich kann es verstehen. Immerhin hängt mir ein pupsendes Baby an der Brust und lebt quasi auf mir. Lotte hat oft das Nachsehen. Lotte löst sich und sucht die Nähe zu ihrem Vater. Sie wird aber auch selbstständiger. Zwangsläufig.

Weil ich oft genug flachgelegt bin.

Das frustriert Lotte und sie zeigt es deutlich. „Blöde Mama“ oder „Nein, du nicht. Nur Papa darf mich anziehen.“

Wie gesagt das tut weh. Sie würde sich auch von mir lösen, wäre hier kein Baby. Ich frage mich aber ob es genau so heftig wäre. Mit soviel Streit verbunden. Kummer und Trotz.

Ich frage mich, wo mein erstes Baby hin ist. Sie ist so groß geworden. War sie im Oktober auch schon so groß? 

Es liegt an mir, nicht an ihr. Ich werde unfair und schimpfe. Weil ich mich durch ihre Ablehnung verletzt fühle. Obwohl ich es besser weiß. Sie fühlt sich auch abgelehnt und wir beide steigern uns rein. Solange bis Tränen fliessen.

Dann kuscheln Lotte und Papa. Später vertragen wir uns wieder.

„Ich liebe dich Mama“ sagt sie und legt ihre kleinen Ärmchen um meinen Hals. „Ich liebe dich auch“ sage ich und verkneife mir weitere Tränen. Dann ist sie wieder mein kleines Baby und nicht meine große selbstständige und willensstarke Tochter. 

Ich bin stolz auf sie und ich liebe sie. Das Ablösen von mir gehört dazu. Zum Großwerden. Auch wenn es mir wehtut.

Im Moment hat es einen Raritätswert. Lotte kuschelt. Mit mir.
Es liegt an mir, da hineinzuwachsen.

Roksana

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2 Kommentare zu „Es liegt nicht an dir….

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