Bazillenpingpong

Lotte ist wieder gesund, dafür hat es jetzt die kurze erwischt. Der Pari Boy ist hier im Dauereinsatz. Papa inhaliert, Lotte inhaliert und nun muss auch Motte ihre Bekanntschaft mit dem brummenden Ding machen. Die Viren hüpfen von einem Wirt zum nächsten.

Bazillenpingpong nenne ich das hier. Früher, in grauer kinderloser Vorzeit haben mein Ex und ich (beide Pädagogen) uns immer wieder gegenseitig angesteckt und so konnte sich eine einfache Erkältung über einige Wochen hinziehen. Gottseidank bin ich vom Nasenspray nie abhängig geworden, ich hab es voll im Griff und kann jederzeit aufhören. (Wirklich jetzt). (Isso).

Sobald man dann eigene Killerviren, ääh ich meine Kinder hat, erhöht sich der tägliche Taschentuchverbrauch ganz zur Freude der Taschentuchhersteller ins Exorbitante. Ich frage mich fast täglich, wie so ein kleiner Körper soviel Schleim produzieren kann. 

Möge die Zellulose mit euch sein.

In jeder Kita hängt die gesamte Winterzeit der Aushang „wir brauchen Taschentücher“ und auf die Nachfrage, ob denn die vier Großpackungen die man gestern vorbeigebracht hat schon alle sind, lacht der Erzieher einen verzweifelt an und schlürft zurück in den Gruppenraum, die Schultern steif von getrocknetem Nasenschleim. (Ungelogen: als ich mal abends von einem Ausflug nach Hause kam, hatte ich in jeder Hosen- und Jackentasche eine leere Packung Tempos.in meinem Rucksack befanden sich weitere volle, halbvolle und leere Packungen)
In Lottes Kita müssen wir zum Glück nicht die Hälfte unseres Gehaltes in die Schleimhautpflege der Kinder investieren, da muss die Leitung bestellen. Ich kann mir gut vorstellen, dass es solche Telefonate gibt:

Einkauf:“Frau Leitung, sie haben einen Fehler in der Bestellung. Hier steht sie brauchen 40 Packungen Kosmetiktücher, sie haben aber erst gestern eine Lieferung bekommen“

Frau Leitung:“DAS WAR GESTERN!!!!“ 

(Man hört das Geräusch eines herabfallenden Telefonhörers, im Hintergrund verzweifeltes Kichern)

Das Immunsystem der Kinder entwickelt sich ja erst und ich habe manchmal den Gedanken, dass sich in den Körpern der Kinder resistente Viren bilden, die einzig und allein den Auftrag haben uns Erwachsenen den Gar auszumachen. Anders kann ich mir es nicht erklären, dass Lotte mit fetter Lungenentzündung. (Jan 2015) und einer tiefen, kratzigen Bassstimme „Funkel, Funkel kleiner Stern“ singt, während ich halbtot auf der Couch schon gedanklich mein Testament verfasse. Voller Überzeugung, diese Nacht nicht mehr zu überstehen. Der Mann zusammengebrochen in der Küche, der Schnupfen, ihr kennt das. Da stimmt doch was nicht.

Die Winterzeit ist die Hölle für alle. Für Eltern, da sie zwischen Kuscheln im ABC-Schutzanzug oder Streicheln mit Grillzange wählen müssen (als ob es was bringen würde).  Für Erzieher, weil sie am Ende der Bazillenschlacht mit Personalmangel doch wie die Fliegen umfallen und die Pest auch nach Hause zu ihren Kindern schleppen (it’s the circle, the circle of life). Für Kinderärzte, die sich beim Abhören der kleinen Lungen zärtlich ins Ohr husten lassen und genervte Eltern am Telefon ertragen. 

Ich heute so. Die Ärztin hat danach wahrscheinlich unsere Nummer blockiert. Verständlich.

Und die Kinder? Die produzieren weiter fröhlich Bubblegum mit der Nase, wischen sich selbige am Pulli ab und singen weiter wie ein Countrysänger über funkelnde Sterne. Die Körpertemperatur auf Niveau der Sonnenoberfläche. Benutzte Taschentücher neben sich.

Ich mach mal dann ein Erkältungsbad. Als ob’s was bringen würde.

Hatschi

Roksana

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