Das Grauen

Ich habe heute eine furchtbare Entdeckung gemacht. Mich zittert es immer noch am ganzen Körper, wenn ich daran denke.

In unser wunderschönes Mehrparteien Haus in Berlin sind neue Nachbarn gezogen. Junge Nachbarn. Eine WG. Direkt über uns. Das Grauen. Das Grauen… 

Oh Gott, was hab ich dir angetan, dass du mich so strafst?

Ich rieche schon Partys und lautes Gelächter in lauen Sommernächten bei offenem Fenster. Ich rieche den tiefen Bass der grauenvollen Jugendmusik, den diese Menschen hören. Justin Bieber, pääh. 

Die Jugend von heute. Ha Humbug

Studenten, die schlechte „deine Mama“ Witze reißen und nackt durch das Treppenhaus rennen. Den Müll nicht trennen. Im Hinterhof grillen während eines Love Ins. Ich sehe „Second Hand“ Kleidung die mehr kostet als ich verdiene. Slipper zu Röhrenjeans. Sagen diese jungen Menschen eigentlich noch zu allem „radikal“ und „heftig, Junge, heftig“? Was für 1 Beschedigunk der deutschn Sprache vong Jugend her.

Die mit ihrer jugendlichen Libido und Lebenslust. Ratet mal, bei wem in Zukunft verdächtig viele Pakete von einem „Druckerzubehör“ Versand abgegeben werden, weil diese Jugendlichen noch im Alkoholkoma liegend die Klingel nicht hören.
Ich fange lieber jetzt schon an, ein Lärmprotokoll zu führen. Heute zum Beispiel hat WG-Bewohnerin 1 anscheinend eine Hemnes Kommode zusammengebaut. Um 18 Uhr. Während ich meine wohlerzogene, ruhige, artige, kluge Tochter bettfertig gemacht habe. Dieses infernalische Schraubengedrehe mit dem Imbus hat das arme Kind ganz verstört. Da musste ich gleich noch lauter mit den Zähnen knirschen als ohnehin schon.

Ich sehe schon unseren Minimalisten Design Kronleuchter vom Gestampfe runterkrachen.

Um 12 Uhr sind sie lachend durch das Treppenhaus gestapft. Während der Mittagsruhe. Mein Baby schlief. Durch den Türspion konnte ich sehen, dass sie gute Laune hatten. Wo ist Deutschland nur hingekommen? Ich war so sauer, dass ich am liebsten ihren Briefkasten in die Luft gejagt hätte aber es stand noch kein Name dran. 

Im Moment ist es still aber die hecken doch was aus. Die warten sicher bis ich um 21 Uhr ins Bett gehe und bauen dann ein Kallax auf. Das große mit den fünf Fächern.

Unsere alten Nachbarn habe ich nie gehört. Sie hätten auch Katzen gewesen sein können, die sich von Vorhang zu Vorhang hangeln, um Sheldon Cooper zu zitieren.

Zu meiner Zeit hätte es das nicht gegeben, damals vor 9 Jahren, als ich 21 war und in meine erste Wohnung gezogen bin. Weiß auch nicht, warum meine Nachbarin von unten permanent gegen meinen Fussboden gepoltert hat. Konnte gar nicht meine Musik geniessen, weil sie immer neben dem Takt war.

Zu meiner Zeit. Ich höre mich schon an wie eine alte Frau, die Schulkinder auf der Strasse beschimpft. Dabei bin ich noch voll im Leben. Total unspiessig. Hey, immerhin habe ich bunte Haare. Groovy Baby. Granatenstark. So eine kleine WG macht mich doch nicht fertig. Mein Besenstiel steht bereit.
Moment, mein Kissen ist auf der Fensterbank verrutscht.

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5 Kommentare zu „Das Grauen

  1. Ich hab gar nichts gegen junge Leute, ich find die voll cool! Nur in meiner Nähe sollen die nicht wohnen. Auch keine Teenager. Oder Familien mit Kindern. (Unter uns möchte ich echt nicht wohnen – unser Kind hat ein TRAMPOLIN!) Ich wohn echt gern in der Stadt. Aber Nachbarn sind generell Kacke!

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