Was ist Geburt für dich?

Tanja von Herzbauchwerk fragt nach, was Geburt für einen bedeutet..

Schwierige Frage, wenn man mal darüber nachdenkt.

Geburt war früher etwas, vor dem ich Angst hatte. So wie Geburt oft dargestellt wird, kann es ja nur dazu kommen. In Filmen brüllen die Frauen vor Schmerz, oft genug kommt es vor, dass ein Kaiserschnitt vorgenommen werden muss um Mutter und Kind zu retten.

Über Geburt wurde und wird in meiner sehr kinderreichen Familie nicht gesprochen. Meine Mutter erzählte mir erst auf direkte Nachfrage und erst vor der Geburt meiner ersten Tochter, wie sie ins Krankenhaus ging (ja ging) um mich zur Welt zu bringen.

Am Abend vor der Geburt meiner jüngsten Schwester war ich noch mit ihr beim Frauenarzt (der selbe, der die Schwangerschaft meiner zweiten Tochter neben der Hebamme betreut hat) und wenige Stunden später, um 6 Uhr früh weckte mein Stiefvater meine Schwester und mich mit den Worten „eure Schwester ist da“. Bumm, Tür zu, Baby da.

Geburt war etwas mysteriöses für mich. Verbunden mit Schreien und Schmerzen.

Als ich mit meiner Tochter schwanger war, wollte ich anfangs einen Kaiserschnitt. Die ersten Wochen war die Angst vor Schmerzen fast überwältigend. Als ich dann mehr in die Materie eingetaucht bin, wandte ich mich von dem Gedanken ab. Auch die Berichte über Kaiserschnitte und wie lange die Heilung braucht bestärkten mich darin, mein Kind doch lieber auf die altmodische Art auf die Welt zu bringen.

Trotzdem hatte ich Angst. Ich war allein. Ausser meiner Mutter hatte ich niemanden, mit dem ich reden konnte. Über meine Ängste und Sorgen. Freuen konnte ich mich auch nicht. Zu viel war in mir los. Dinge auf die ich gerne verzichtet hätte.

Als die Geburt los ging, war ich aufgeregt. Eine Wassergeburt. Auf einmal hatte ich nur noch den Gedanken, bald mein Kind in den Armen zu halten.

Mit jeder Wehe kam ich meinem Ziel näher. Endlich Mutter werden. Endlich ein Kind haben. Mir war es egal, dass ich das alleine stemmen musste.

Es heisst nicht umsonst, dass mit jeder Geburt nicht nur ein Kind geboren wird. Man wird Mutter.

Mit dem Menschen, der ich vor der ersten Schwangerschaft war, habe ich nichts mehr zu tun. Das ist so weit weg, ein anderes Leben. Als wäre mein altes „ich“ verschwunden. Ein Schatten.

Die Geburt meiner ersten Tochter hat mich selbstbewusst gemacht. Wenn ich solche Schmerzen aushalten kann, dann schaffe ich alles. Die Geburt meiner zweiten Tochter hat mich komplett ankommen lassen. Das, was eine Frau während einer Geburt leistet, mit jeder Wehe und jeder Kontraktion und jedem Fluchen, das ist bewundernswert. Die schiere Kraft dahinter spüre ich selbst noch, wenn ich Fotos oder Videos von Geburten sehe.

Ich bin angekommen. Meine beiden Mädels erfüllen mich. Nerven mich. Stellen mich auf die Probe. Bringen mich dazu, mich selbst zu reflektieren. Bringen mich an meine Grenzen und zurück.

Für mich waren beide Geburten etwas kraftvolles und einmaliges, jede für sich. Mehr Kinder möchte ich nicht. Diese beiden Erfahrungen nehme ich mit und denke gerne daran zurück. An das warme Wasser bei Lotte, an die Hand meines Mannes bei Motte. Die erste Berührung, das erste Stillen. Der erste Schrei. Diese winzig kleinen Fingerchen.

Ich sitze heute manchmal rum, abends wenn meine beiden Töchter schlafen und frage mich, wie ich dieses Glück aushalten soll. Trotz Augenringen und Spuckflecken.

Meine Kinder haben mir neues Leben geschenkt. Mein altes ich habe ich zurückgelassen.

Vielen dank Tanja für diese schöne Idee.

#wasistgeburt

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