Sorgen eines Kindes.

Ich möchte eines vorweg sagen. Mir fiel dieser Beitrag unglaublich schwer. Das hier ist ein Teil meiner Vergangenheit und es ist das bisher persönlichste was ich geschrieben habe. Man liest immer Statisken von Kindern in Armut, die wenigsten Kinder kommen selbst zu Wort. Jetzt da ich selbst Kinder habe, blicke ich häufig zurück auf meine Vergangenheit. Ich sehe vor allem die Liebe meiner Familie aber auch die nicht so schönen Dinge.
Gestern sah ich in meinem Twitterfeed folgendes von Christine Finke.

Der Tweet von Christine Finke brachte alles ins Rollen.

Das was ihr Sohn da formulierte, das was sie schrieb, das kenne ich.

Das hätte ich genauso schreiben können. Christine Finke ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern. Ich lese gerne von ihr, denn vieles was sie beschreibt, kenne ich aus erster Hand. Sie schreibt auf Mama arbeitet und ich empfehle denen, die ihren Blog noch nicht kennen einen Blick zu riskieren.

Wer hier schon öfters mitgelesen hat, hat wahrscheinlich in dem einen oder anderen Beitrag gelesen, dass ich ein Scheidungskind bin, dass meine Mutter meine Schwestern und mich alleine großgezogen hat. Meine jüngste Schwester hat allerdings noch ihren Vater, der sich nicht nur finanziell um sie kümmert, sondern noch sehr eng mit meiner Mama und damit mit ihr verbunden ist. Wir anderen beiden, wir haben keinen Vater. Ich habe ihn das letzte Mal gesehen als ich 12 war und seitdem nur noch einmal (er erkannte mich aber nicht, was mir ganz recht war).

Da mein Vater sich nicht um uns kümmerte und meine Mutter auch keinen Unterhalt für uns bekam, weiß ich aus erster Hand wie es ist, eines dieser Kinder zu sein, die „arm“ sind. Arm in diesem Zusammenhang bedeutet das, was man in Deutschland als arm versteht. Wir hatten immer zu essen und immer ein Dach über dem Kopf. Egal wie klein dieses auch gewesen sein mochte.

Meine Mutter hat immer versucht es uns nicht spüren zu lassen. Meine Mutter verzichtete auf jeden Luxus, egal wie winzig er gewesen sein mag um uns etwas bieten zu können. Ich bekam es dennoch mit.

Nicht nur die offensichtlichen Dinge wie keine Markenkleidung oder das meine Sneaker statt drei nur zwei Streifen hatten, sondern auch, wie zum Monatsende die Stimmung anders wurde. Ich bekam mit, dass sie sich nie etwas neues zum anziehen kaufte. Ich bekam mit wie jedes Jahr zum neuen Schuljahr die Laune bedrückter wurde. Ich weiß noch, wie ich ein Jahr lang geschenktes Geld von meiner Verwandtschaft sparte, damit ich mir die benötigten Zusatzbücher selbst kaufen konnte und meine Mutter das nicht tun musste. Klassenfahrten waren zwar ein Spaß aber in Hinterkopf hatte ich immer den Preis und die Frage ob es okay ist Spaß zu haben.

In der Oberschule ruinierte ich einmal ein Buch. Nicht absichtlich aber natürlich sollte ich es ersetzen. Das Buch kostete 30 Mark. Um meine Mutter nicht noch zusätzlich zu belasten, habe ich ihr nie erzählt was passiert ist und bezahlte das Buch von meinem Gesparten.

Damals sind wir gerade nach Neukölln gezogen (unsere erste Wohnung nach Frauenhaus und Zufluchtswohnung) und wir Kinder mussten noch mit der S-Bahn und dem Bus zur Grundschule in Grunewald fahren. Bis zum Schulwechsel dauerte es noch ein paar Wochen, meine Mutter wollte nicht, dass wir Kinder (wieder) mitten im Schuljahr auf eine neue Schule kommen. Jedenfalls fuhr meine Schwester immer mit mir oder ihren Freunden, die in unserer Nähe wohnten und die wir auch aus dem Frauenhaus kannten. Eines Tages kamen sie und die Nachbarskinder nicht pünktlich nach Hause und ich sollte ihr entgegenfahren, während meine Mutter erst die Polizei informierte und dann mit dem Auto los fuhr um die Kinder zu suchen.

In all der Aufregung vergaß ich meine Monatskarte und es kam wie es kommen sollte. An der Schule war meine Schwester nicht und als ich zurückfuhr kamen Kontrolleure in die Bahn. Ich fing an zu weinen und zu schluchzen, weil ich schwarz fuhr und meine Mutter jetzt auch noch für meine Dummheit bezahlen musste. Die neue Wohnung war kaum eingerichtet, alle Möbel mussten nach und nach gekauft werden und dann passiert mir so etwas. Irgendwer hat wohl Mitleid mit mir gehabt, denn es passierte nichts. Ich habe nie erfahren, ob der Kontrolleur an mir vorbeigegangen ist oder einer meiner Sitznachbarn für mich einsprang. Ich war komplett fertig mit der Welt. Da war ich zehn.

Egal wie sehr man es versucht, vor den Kindern kann man nicht alles verbergen. Die Armut und die Sorge prägt einen. Ich verstehe bis heute nicht wie man 60- 70 Euro für Schuhe ausgeben kann, wenn ich ein ähnliches Modell für die Hälfte bekommen kann. Das gesparte Geld kann man zum Monatsende gebrauchen. Es ist immer noch so, dass, obwohl ich von meinem verdienten Geld gut leben kann, zum Monatsende hin anders werde. Besorgter. Stiller. Weil es immer so war.

Vor ein paar Tagen stand ich im Netto und habe überlegt, ob ich mir das Häkelbuch für 3,99 kaufen soll oder nicht doch lieber etwas für die Kinder. Ich schlafe auf einer 800 Euro Matratze und frage mich ob es nicht auch günstiger geht. Jede größere Ausgabe tut mir fast schon körperlich weh, ich frage mich immer, ob es wirklich nötig ist.

Obwohl ich keine großen Geldsorgen habe, überlege ich dreimal ob ich etwas für mich kaufe oder doch lieber für die Kinder. Ich habe seit Jahren keine Winterjacke gekauft, weil ich nicht einsehe, wofür ich 200 Euro ausgeben soll, wenn mir in Pullover und Übergangsjacke genau so warm ist.

Ich sehe die jetzigen Kino Preise und komme auf den Gedanken nicht klar, dass es so viel kostet sich für 98 Minuten berieseln zu lassen. Wenn mein Freund mich zum Essen ausführt, bestelle ich nie etwas über 10 Euro. Ich kaufe meine Klamotten entweder im Sale oder Second Hand.

Als sich die Situation bei uns entspannte, weil meine Mutter einen besser bezahlten Job gefunden hat und ich später auszog, da war ich richtig glücklich als ich sah, wie meine Mutter sich endlich mal was gönnte. Oft genug wünschte ich mir zum Geburtstag nichts, weil ich meiner Mutter nicht zur Last fallen wollte.

Es gab aber nicht nur Sorge bei uns. Was meine Mutter geben konnte, gab sie in Hülle und Fülle. Sie hat so viel Liebe zu geben, so viel Fürsorge. Sie ist immer da für mich, für uns. Wenn ich krank bin, kocht sie heute noch Suppe für mich und fährt zu uns um mir mit den Kindern zu helfen.

Im Improvisieren sind wir „dank“ unserer Situation ganz groß. Wir reparieren bevor wir neu kaufen. Ich kann dank ihr alleine Möbel aufbauen, ich weiß, wie ich mit wenig Mitteln etwas gestalten kann. Wir freuen uns über jede noch so kleine Geste. Die Armut hat uns als Familie zusammengeschweißt, hier steht jeder für jeden ein ohne Fragen zu stellen.

Ich bin dankbar. Ich versuche immer, ihr etwas wiederzugeben. Weil sie so lange für uns Kinder verzichtet hat, sind es kleine Dinge im Vergleich zu ihren. Ob ich mit meiner Schwester shoppen gehe oder wenn ich für meine Mutter einkaufen gehe, einfach weil es für mich jedes mal ein kleines Danke ist.

Meine Mutter hat sich nicht ausgesucht, jahrelang mit Geldsorgen zu leben. Sie hat aber das beste gemacht was man in der Situation machen kann.

Mag sein, dass Geld nicht glücklich macht aber es lebt sich wesentlich sorgenfreier, wenn man nicht abends überlegt, welche Rechnung jetzt dringender bezahlt werden muss oder wie teuer ein neuer Schulranzen ist.

Meine Kindheit war nicht einfach aber ich war größtenteils glücklich.

Wenn ich heute über Kinderarmut in Deutschland lese, in einem der reichsten Länder der Erde, dann werde ich sauer. Denn das müsste nicht sein. Alleinerziehende werden allein gelassen. Die Leidtragenden sind die Kinder.

Auch wenn meine Geschichte harmlos ist im Vergleich zu anderen, ist es meine Geschichte die mich zutiefst geprägt hat.

Ich musste nie Hunger haben oder frieren. Das ich damit noch zu den Glücklicheren gehörte, ist mir bewusst.

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20 Kommentare zu „Sorgen eines Kindes.

  1. Du schreibst mir aus der Seele, ich gönne mir nicht die Butter auf dem Brot … nichts, so sehe ich leider auch aus, schlimm, alleinerziehend, wir werden von Politikern nicht ernst genommen, somit wird sich auch nur wenig ändern. Viele Politiker sind weit über 60 und haben auch in der SPD ein veraltetes Frauenbild, s. http://www.abgeordnetenwatch.de/frage-778-78591–f463008.html#q463008, die meinen glatt, sie haben mehr als genug für uns getan. Auch Reina Becker kämpft alleine an der Front, die Wahrnehmung und Wertschätzung ist nicht richtig gegeben. Der Staat registriert uns nicht, so wie wir es uns wünschen, wir müssen noch mehr tun, Demos in Berlin vor dem Reichstag, das Belächeln von oben herab muss ein Ende haben!

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  2. Toller Text, danke!
    Ich bin eine Gerneration weiter, also Tochter von Eltern, die – ja gut, Nachkriegsgeneration – sehr haushalten mussten und nicht viel hatten in ihrer Kindheit. Ihre Sparsamkeit und Gedanken habe ich immer im Hinterkopf (‚ist das mir das wert?!‘), bereichernd wie ich finde und es steuert auch noch mein Handeln.
    Meine Eltern und Großeltern hatten aber noch einander; die Leistung, die eine/r alleine aufbringen muss, hinterlässt mir eine Gänsehaut vor Ehrfurcht.

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  3. Weinend habe ich deinen Beitrag gelesen, was du beschreibst beschreibt meine jetzige Situation sehr treffend. Ich bin alleinerziehend mit zwei Kindern und wir leben von einem kleinen Gehalt, das ich für eine Teilzeitstelle bekomme und aufstockenden Sozialleistungen. Zu dritt haben wir wenn alle Fixkosten abgezogen sind 490,- € im Monat, das ist ca. 16,-€ am Tag – davon muss ich Kinderkleidung, Essen, Schulsachen und alles bestreiten. Essen gehen, Kino, Schulausflüge und dergleichen gibt es bei uns nicht, selbst beim Bäcker was einkaufen ist viel zu teuer. Frisches Obst gibt es bei uns nur selten und Süßigkeiten noch viel seltener. Ich kann mich auch nicht mehr daran erinnern wann ich mir selbst das letzte Mal etwas zum Anziehen gekauft habe und trotz allen Selbermachens, Improvisierens und Sparens leben wir auf dem absolutem Minimum. Damit wir es irgendwann mal besser haben versuche ich mir nebenher eine Existenz als freie Illustratorin/surface-Designerin (Ich habe Grafik studiert) aufzubauen, aber auch das ist schwer und fast unmöglich ohne jede Möglichkeit des investierens. Der Wunsch, meinen Kindern mehr zu ermöglichen treibt mich aber gnadenlos voran, Tag für Tag, Nacht für Nacht arbeite ich jede freie Minute fieberhaft an diesem Ziel. Bescheidene Erfolge habe ich schon und ich hoffe sehr mich und meine Kinder eines Tages endlich aus dieser totalen Armut befreien zu können …
    Ich denke, dass es für meine Kinder nicht leicht ist und dass sich die Entbehrungen der Armut ähnlich tief in ihre Köpfe eingräbt wie es bei dir der Fall ist und sicher gibt es auch positive Seiten daran – aber ich hätte meinen Kindern so sehr ein unbeschwertes Leben gewünscht … 😦

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    1. Ich glaube fest daran, dass deine kinder genau wie wir den wert von etwas schätzen werden und sie werden genauso stolz auf dich sein wie meine geschwister und ich auf meine Mutter. Wenn sie größer sind wirst du es merken, wie viel zurückkommt. Du als starke Mama wirst starke Erwachsene großziehen.
      Fühl dich gedrückt

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  4. Ich versteh dich sehr gut. Ich bin diese Mutter die an allem spart. Ich habe kurz nach meiner Ausbildung das erste Kind bekommen – war blauäugig dachte ja der Mann verdient ja genug – ja alleinerziehend mit 2 Kindern – kaum Berufserfahrung. Leben von Hartz 4 es ist unheimlich scheiße es gab Monate (dank Schulden die der Ex hinterlassen hatte ,da war ich bei 6€ Pro Tag für uns 3 – mittlerweile hat es sich etwas entspannt – ich suche aber fieberhaft Arbeit denn ich will raus aus Hartz 4 weg von dem sich nie was leisten können und weg von den Verurteilenden Blicken….

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    1. Ich muss sagen, ich weiß gar nicht, was ich beschissener finde… Hartz4 oder diese Blicke.. Ich hoffe du findest was ❤ es kommen bessere Tage und deine Stärke kriegen deine Kinder mit auf den Weg ❤ danke für deinen Kommentar

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  5. Puh, je weiter ich gelesen habe, desto mehr hat es mir die Kehle zugeschnürt. Mein Papa verlor seinen Job, als ich 8 Jahre alt war. Kürzlich habe ich festgestellt, warum ich bis heute Grießbrei kaum essen kann udn will, weil er für mich als günstige Mahlzeiten so untrennbar mit dieser Zeit verbunden ist. Es hinterlässt Spuren.
    Danke für diesen Artikel.

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  6. Ich bin über die Berliner Zeitung auf diesen Text gestoßen und kann es total nachvollziehen. Ich bin eines dieser Kinder, dessen Mutter immer alles getan hat. Sie hat uns immer alles gegeben, und ein möglichst sorgenfreies Leben beschert. Trotz geringer finanzieller Mittel hatte ich eine schöne Kindheit.
    Dennoch war auch mir immer bewusst, das wir finanziell nicht viel haben. Die Tatsache, mit wenig Mittel zu leben, hat mich geprägt. Noch heute hinterfrage ich viele Ausgaben auf ihren Nutzen. Je teurer, umso schwerer wiegt die Abwägung. Luxus bedeutet für mich oftmals auch ein wenig Demut. Nötig hätte ich das aus finanzieller Sicht nicht, aber es ist ein Teil meiner DNA geworden. Für meine Mutter tue ich heute alles. Ich beschenke sie reich an Geburtstagen und zeige mich gern erkenntlich. Sie hat es verdient, denn über 20 Jahre war sie immer für mich da und hat verzichtet.

    Vielen Dank für deinen Text!

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  7. Ein schöner, einfühlsamer Text.
    Sicherlich war es nicht einfach dies zu schreiben. Für Alleinerziehende hat die Bundesregierung den Unterhaltsvorschuss ab 2017 neu geregelt.
    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Artikel/2016/11/2016-11-16-unterhaltsvorschuss.html.
    Aber dies ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber schon einmal ein Anfang.
    Besser wäre es wenn sich die Väter kümmern.
    Und Claudia Moysich (https://www.facebook.com/app_scoped_user_id/813387032143311/) rate ich; „Tritt in die SPD ein und ändere das Frauenbild, der von dir kritisierten Männer. Und ein paar andere Dinge auch.“

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    1. Danke für deinen Kommentar. Zur Klarstellung. Wir hatten nie ein Auto, meine mutter fuhr mit im Wagen einer Nachbarin. Bis heute hat keiner von uns auch nur einen Führerschein. Und ja Möbel mussten wir kaufen. Nach und nach. Steht auch im Text. Es hat ziemlich lange gedauert, bis die Wohnung „eingerichtet“ war, denn von Gabel bis Bett musste wir von vorne anfangen. Tut mir leid, dass ich mich da missverständlich ausgedrückt habe. Das war dem emotionalen Ausbruch geschuldet. Alles Liebe

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  8. Ich hatte ein beklemmendes Gefühl, als ich deinen Text gelesen habe. Armut prägt, das ist keine Frage. Was mir so ein bisschen fehlt, ist die andere Seite. Ich finde, die gibt es auch! Es sind vielleicht zwei Dinge, die Einfluss haben, zum einen, wie die Eltern/ Mutter mit der Situation umgehen und zum anderen das Wesen des Kindes. Jeder hat ja andere Emotionen und Gedanken zu einer Situation und nimmt Unterschiedliches mit. Ich denke da an die Forschung zum Thema Resilienz, die ich sehr interessant finde. Manch einen machen negative Erfahrungen auch stark. Ich möchte deine Erfahrungen keinesfalls schönreden. Aber könnte es nicht auch bereichernd sein, dass man den Wert der Dinge kennt und nicht „einfach so“ 800 Euro ausgibt? Sich zu fragen: Was brauche ich wirklich? Das ist doch ein wesentlicher Aspekt im Leben. Wenn ich heute zum Beispiel ein Schulkind sehe, dass für seine Süßigkeit beim Bäcker einen 50 Euro Schein hinlegt, dann tut es mir fast ein bisschen leid. Es wachsen auch Kinder völlig weltfremd auf, weil sie mit Geld (vielleicht auch statt Zuwendung?) abgespeist werden. Sie fallen vielleicht in ein Loch, wenn sie eines Tages vom eigenen Geld leben sollen, weil sie nie das haushalten gelernt haben. Du dagegen bist in der Lage mit wenig auszukommen, wenn das keine Fähigkeit ist! Und nicht zuletzt hat man ein Mitgefühl für Kinder/Menschen, denen es materiell schlechter geht, weil man die Situation kennt. Das finde ich wertvoll! Es macht das Geben leichter… Ich wünsche dir, dass du das Geld, das du hast, guten Gewissens ausgeben kannst und dich besonders an den Dingen freuen kannst, da du den Kontrast kennst… Liebe Grüße, Martha

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  9. Danke für diesen Text! Ich finde ihn großartig und sehr schön nachvollziehbar geschrieben.

    Ich war gerade so vertieft in den Text, dass ich meine Sbahn-Station und damit fast meinen Zug nach Hause verpasst habe…

    Meine Eltern waren nicht arm, aber selbstständig, was immer mal wieder schwierige Phasen mit sich gebracht hat. Ich war das große Kind und mein Vater hat seine Sorgen (schlechter Umsatz, Auto kaputt) oft mit mir geteilt. Das prägt mich noch heute. (Finanzielle) Sicherheit ist mir wichtig und auf (aus meiner Sicht) unnötigen Luxus wie Markenklamotten verzichte ich, obwohl ich es mir inzwischen leisten könnte.

    Was ich vielleicht ergänzen würde: für mich finde ich diesen Hintergrund eigentlich positiv. Er lehrt eine gewisse Dankbarkeit für Dinge, die andere als selbstverständlich sehen und trägt so aus meiner Sicht dazu bei, glücklich zu sein.

    Darum teile ich Gedanken zu Geld auch mit meinen Kindern, die inzwischen ganz gut verstehen, dass wir vielleicht nicht wie einige ihrer Freunde jedes Jahr eine Fernreise machen können, dass alles wichtige aber da ist. Wenn sie mal wieder sagen „Aber Helene, die hat einen Pool/ein Wohnmobil/Reitunterricht“ dann frage ich sie, ob sie denn mit Helene tauschen wollen würden. Nicht nur die eine Sache, sondern das ganze Leben. Wollen sie nie – und ich glaube inzwischen verstehen sie, warum ich diese Frage stelle.

    Ihnen und mir geht es also gut. Aber gleichzeitig bin ich auch der Meinung, dass dafür eine gewisse materielle Grundsicherung nötig ist, die über das hinausgeht, was wir heute haben. Also ich würde gern mehr Steuern zahlen, damit es Alleinerziehenden und anderen armen Familien besser geht. Denn zum Glück gehört neben der Dankbarkeit eben auch die Sicherheit.

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