Nein, meine Suppe esse ich nicht.

Der Suppenkasper. Wer kennt ihn nicht. Der Junge der am gedeckten Tisch verhungert, weil er keine Lust auf Suppe hatte.

Die Geschichte hat sich anscheinend so sehr ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, dass selbst heute im Jahre 2017, es manchen normal erscheint, Kinder am Tisch sitzen zu lassen bis der Teller leer ist.

Entschuldigung aber was zu Hölle?

Kinder zum Essen zwingen… Boah da geht mir die Hutschnur aber volle Granate.

Gehen wir mal in ein Jahr der 90ger zurück. Wir alt ich war, keine Ahnung auf alle Fälle waren meine Eltern zu dem Zeitpunkt verheiratet also war ich nicht älter als sieben.

Mein Vater fuhr mit mir (ich glaube meine Schwester war nicht dabei) zum Camping. Ich erinnere mich nicht an viel aber an eine Sache erinnere ich mich jedes mal, wenn ich diese dicken polnischen Würste sehe.

Wie mein Vater mich zwingen wollte, diese Wurst zu essen. Dicke Fettbröckchen waren darin, die Wurst stank zum Gotterbarmen. Ich sollte sie essen. Ich wollte nicht. Ich SOLLTE sie essen. Ich wollte nicht. ICH SOLLTE SIE ESSEN. Ich. Wollte. Nicht. Mein Vater drohte mir. Ich biss ab und ekelte mich. Ich weinte und kaute. Mir wurde kotzübel. Ich weinte und kaute und die Wurst in meinem Mund wurde immer mehr. Ich würgte. Kaute. Weinte. Mein ganzer Körper sträubte sich gegen diese Wurst. Ich weinte. 

Als ich sie schlucken sollte, kotzte ich mir vor die Füsse.

Zur Strafe musste ich den Rest des Abends in meinem Zelt bleiben.

Der ganze Campingurlaub ist weg, was geblieben ist, ist die Erinnerung an das widerlichste in meinem Mund und meine eigene Hilflosigkeit. 

Ich glaube, dieses Erlebnis ist mit dafür verantwortlich, dass ich kein Tier esse. Zuerst kam der Ekel, dann die Ethik. Egal, hier geht es nicht um meine Ernährung, sondern um das Ego.

Was ist es denn sonst, wenn man sich über ein Kind erhebt und es dazu zwingen will, etwas zu essen, was ihm nicht schmeckt?

Ja man steht in der Küche und hat Erwartungen. Ich selber koche irgendwas und überlege, ob es meinem Kind schmeckt. Wenn sie dann den Teller wegschiebt und nichts isst oder nach zwei trockenen Nudeln satt ist, ja mein Ego ist verletzt. Immerhin stand ich in der Küche und habe dafür gearbeitet, etwas gutes und leckeres auf den Tisch zu zaubern. Und dann wird es verschmäht. Das sticht. 

Aber verdammt, es ist mein Problem, nicht das meiner Tochter. Es ist mein Ego, nicht ihres. 

Sie will etwas nicht essen. Wer zur Hölle bin ich, ihr und ihrem Körper vorzuschreiben, ob und was sie zu essen hat. 

Macht man das bei Erwachsenen? Ich sag doch auch nicht meinem Freund, dass er jetzt brav seinen Rosenkohl essen soll, sonst gibt es keine Playstation. Ich schicke ihn doch auch nicht zur Strafe ins Bett, weil er kein Abendbrot will.

Ich lasse ihn doch auch nicht sitzen, bis das letzte Stückchen Gemüse in seinem Magen ist.

Warum also sollte ich das bei meinem Kind machen? 

Wenn meine Tochter dann lieber ein Brot essen möchte oder einen Apfel, dann kriegt sie das. Irgendwann isst sie auch bei uns ohne Probleme mit. Das alles braucht eben Zeit. Mir ist es lieber mein Kind entwickelt ein gesundes Verhältnis zum Essen als das ich meine Macht über ihre Selbstbestimmung stelle.

 Was hatte mein Vater davon, mich zum Essen zu zwingen. So sehr das ich kotzen musste. 

Es ist purer Machtmissbrauch. Der allmächtige Erwachsene über das kleine Kind. Was hat man am Ende davon ausser einem hilflosen Kind und einem kurzen Gefühl der Stärke? Im schlimmsten Fall den Anfang einer Essstörung.

Sorry, not sorry.. Selbstbestimmung hört nicht auf dem Teller auf.

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