Von Stille.

Es ist dunkel. Ich sitze auf der Couch und lausche in die Wohnung hinein. Ich höre aus dem Schlafzimmer leises Schnarchen und das Surren irgendwelcher Eletronik.

Mal wieder bin ich schlaflos. Mal wieder lag ich im Bett und konnte keine Ruhe finden. Also stand ich auf. Schlich leise über den knarrenden Boden, öffnete die Schlafzimmertür und ging ins Wohnzimmer. Der Hund hob kurz den Kopf und versank wieder in den Schlaf. 

Ich setzte mich hin und nun sitze ich hier. Licht brennt keines aber das stört nicht. Von gegenüber leuchtet die Lotto Raklame des Kiosks und erhellt den Raum genug. Ab und an fährt ein Auto vorbei. Fast voll kommen still ist es jetzt.

Ich lehne meinen Kopf an ein Kissen und schliesse die Augen. Den ganzen Tag war es laut. Das Baby gluckert, das Baby schmatzt, das Baby weint. Die große erzählt, die große fragt, die große singt, die große motzt. Der Mann erzählt, der Mann bespasst das Baby, der Mann erzählt mir irgendetwas was sich unter allen anderen Geräuschen verliert. So viele Geräusche, so viele Laute, so viel Leben.

Früher gab es Tage, da habe ich nicht gesprochen. Weil keiner zum Sprechen da war. Da lief Musik oder der Fernseher oder beides, damit die Stille nicht überhand nimmt. Es war manchmal so still in meiner Wohnung, dass ich Angst vor den immer lauter werdenen Gedanken hatte. Gedanken die mir sinnlos im Hirn brüllten. Die immer lauter wurden wenn ich versucht habe sie zu ignorieren. Wenn ich versucht habe mich abzulenken. Es gibt ein bestimmtes Lied, welches ich bis heute nicht hören kann, weil es das Gedankenbrüllen auslöst. Ich mag das Brüllen nicht. Weil ich mir nicht die Ohren zuhalten kann um es auszusperren. Weil ich nicht weg gehen kann um es los zu werden.

Damals habe ich es genossen, wenn ich arbeiten war und die Kinder laut waren. Ich bemerkte die Lautstärke kaum, es war mein Schutzwall gegen die Stille. Zu Hause war es mir zu leise. 

Die Stille damals war Einsamkeit. Die Stille damals war schlecht. Die Stille damals war mein Versagen. 

Deswegen arbeitete ich lange, machte Überstunden, blieb so lange wie es ging bei den Kindern. Damit ich nicht zurück in die Stille musste. Es ist paradox, denn ich bin ein introvertierter Mensch. Aber es gibt eben einen Unterschied zwischen Allein sein und Einsam sein. Ich bin gerne allein aber nicht gerne einsam.

Daher geniesse ich jetzt Momente der Stille. Weil sie mir jetzt hilft, mich wieder zu erden. Wie nachts im Wohnzimmer, wenn ich dort sitze und es fast schon meditativ ist. Weil ich jetzt nicht einsam bin sondern allein.

Der ganze Tag ist ausgefüllt von Leben und Geräuschen. Manchmal so laut, dass ich mir die Ohren zuhalten muss um sie auszusperren. Oder kurz den Raum verlasse um durch zu atmen. 

Ich merke wie mich die Müdigkeit jetzt doch übermannt. Ich stehe auf, der Hund hebt kurz den Kopf und gehe wieder ins Schlafzimmer. Still und leise lege ich mich hin und höre drei Menschen ruhig und gleichmäßig atmen. Mein Baby schmatzt, meine Große seufzt und der Mann schnarcht kurz auf. Ich schliesse die Augen und geniesse die Stille. 

Denn diese Stille ist gut und schön.

Zwischen Tag und Nacht gibt es eine kurze Zeit vollkommener Stille.
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