Stilldemenz.

Ich bin ein riesiger Fan davon sein Kind zu stillen. Es ist gratis, es hat immer die richtige Temperatur, Stillkuscheln ist bombastisch und dank Familienbett und Anfängerbabys habe ich sogar eine relativ ruhige Nacht. Mops raus, Kind ran, weiterschnarchen. Ich habe Lotte zwei Jahre lang gestillt und hoffe auf eine ähnlich lange Zeit bei Motti. 

Es gibt aber so Dinge, die passen mir nicht beim Stillen. Zum Beispiel das es am Anfang wehtut wie Blöde, rissige Nippel und nach dem Milcheinschuss nasse Tütenhalter, wenn man auch nur das Baby anguckt. Ich mag auch meine monströse Oberweite nicht, ich finde, ich wirke irgendwie asymmetrisch (es wirkt nicht nur so).

Was mich aber echt auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass ich meinen Namen in Dorie ändern könnte. Ich bin vergesslich wie Hulle. Schlimmer. Ich bin ein Nudelsieb, aus dem jede Information raus läuft. Ein Depp.

Wenn mir die Stilldemenz auch noch wie heute einen fast wahnsinnig vor Angst werden lässt, dann aber scheiß die Wand an, dann werd ich grantig.

Folgendes ist passiert.
Zartes Kitzeln meiner ausgefallenen Haare (noch so ne Nebenwirkung auf die ich gerne verzichtet hätte) kitzeln sanft meine Wange. Ich öffne die Augen und erblicke mein friedlich schlafendes Baby im Bett. Ich erhebe mich anmutig wie ein rheumatisches Walross und schaue ins angebaute Kinderbett. Lotte liegt nicht drin. Ich denke mir nichts dabei, sie ist bestimmt in ihrem Zimmer und spielt leise.

Moment, mein Kind und leise spielen? Wenn die Hölle zufriert, dann vielleicht.

Ich „schleiche“ mich aus dem Schlafzimmer. Die Kinderzimmertür ist zu. Okay, denke ich, Lotti war so lieb und hat die Tür zugemacht, um uns nicht zu wecken.

Ich öffne die Tür und stehe im Kinderzimmer. Leer. Keine Lotte. 

„Lotte?“ frage ich in die Wohnung.

„Wo bist du?“. Keine Antwort.

Im Wohnzimmer ist sie auch nicht.

Küche und Bad sind ebenfalls leer.

Ich schaue nochmal ins Kinderzimmer. Vielleicht hat sie sich versteckt. Nein. Lotte ist weg. 

Ihre Schuhe auch. Ihre Jacke ebenfalls.

„Scheiße“ rufe ich.

Verdammt, hat sie jetzt die Tür geöffnet? Ist sie raus? Wohin? Scheiße scheiße scheiße… Wo ist mein Handy? 

Ich grapsche nach meinem Handy und entsperre es. Ich will schon die Nummer der Polizei wählen, mein Kind ist verschwunden, als ich die Uhr sehe.

12:30 Uhr. Ich halte inne. 

Und wie mit einem Zaunpfahl geschlagen, so richtig Dorie mäßig, fällt es mir ein.

Um 6 bin ich aufgestanden. Um halb sieben waren beide Kinder wach. Anziehen, trinken, Zähne putzen… Eben das volle Programm. Kurz vor acht haben wir das Haus verlassen. Auf dem Weg zur U-bahn Pfützen zum reinhüpfen gesucht. Lotte in die Kita gebracht. Bei Edeka eingekauft. Ich habe sogar bei Ernstings einen Body für Motti gekauft, der mich zu einem Beitrag inspiriert (kommt wenn ich es nicht vergesse)! 

Und dann bin Ich mit Motte beim Stillen eingeschlafen. Und habe alles vergessen.

Mein Kind ist nicht verschwunden. Mein Kind ist nicht „abgehauen“. Sie ist wohlbehalten und sicher in der Kita. 

Ich war in dem Moment nur noch am heulen. Diese Angst. Starre mein Handy an und flenne.

Mir fielen mindestens zehn Findlinge vom Herzen.

Ich dachte schon damals wäre schon die Härte, als ich das Tragetuch gebunden habe und erst beim festzurren bemerkt habe, dass Babylotte noch fröhlich glucksend auf der Spielmatte lag, während ich eingewickelt vor ihr stand.

Stilldemenz war heute ein richtiges Arschloch.

Weil ich heute mein Kind verloren habe.

Und wir heute nochmal aus dem Bus gesprungen sind, weil ich meinen Hausschlüssel in der Kita verloren habe. Denn ich übrigens nicht verloren habe, sondern aus Angst, dass ich ihn verliere aus der Jackentasche rausgenommen und in den Jutebeutel reingesteckt habe. Was ich nach ca 10 Sekunden vergessen habe. Klar soweit?

Wird Zeit fürs Wochenende. Heute ist doch Freitag oder?

Bitte sagt mir, dass ihr ähnliches erlebt habt …

Der Beweis. Auf dem Weg zur Kita.
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Ein Kommentar zu „Stilldemenz.

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