#eineschönesache kw12 – Ängste überwinden

Falls sich einer mal gefragt hat, wo ich meine Texte schreibe… Zu 90 % in der Wanne. Diese Woche war lang und zum Ende hin wurde eine meiner Phobien noch so richtig schön auf die Probe gestellt.

So richtig schön war diese Woche der Besuch meiner Schwester. Zusammen mit meiner noch kleineren Schwester und meiner Mutter war Dienstag ein richtiger Familientag. Meine Schwester kann uns leider nicht so häufig besuchen, da sie mit der Ausbildung und der Schule mächtig gut zu tun hat und so war es schon über einen Monat her, dass sie ihre beiden Nichten gesehen hat. Trotz der langen Zeitspanne die vergangen war, war Mottchen sehr verkuschelt und hing an meiner Schwester wie ein Magnet. 

Ich geniesse die (leider seltenen) Zeiten, wenn die ganze Familie zusammenkommt. 

Da das Wetter jetzt endlich halbwegs mitspielt, kann jetzt wieder Lottes Laufrad dauerhaft zum Einsatz kommen. Trotz des Anpassens auf ihre Größe finde ich, dass sie langsam zu groß wird und schaue schon nach Fahrrädern in Knirpsengroße. Hat aber noch etwas Zeit. 


Nachdem ich Lotte am Donnerstag in den Kindergarten gebracht habe, bin ich mit Babymotte wieder zur Babygruppe gegangen. 

Dazu muss ich sagen, dass es mich dank meiner Sozialphobie richtig Überwindung kostet, solche Gruppen zu besuchen. Ich kann zwar schreiben wie bekloppt aber unter Fremden den Mund aufmachen, das funktioniert nicht immer. So saß ich die ersten zwanzig Minuten da und beschäftigte die Kurze, versuchte bloß nicht aufzufallen und das ganze hinter mich zu bringen. Joa, bis Motti anfing, sich zu einem anderen Baby zu beugen und wild gestikulierte, dass sie jetzt unbedingt dort bei diesem Baby sein muss. So musste ich mich überwinden und schaffte es sogar, ein paar Sätze mit der Mama zu wechseln. 

Babygruppe

Als ich zum Ende der Stunde dann anfing, Motti ins Tuch zu binden, waren auf einmal alle Augen auf mich gerichtet. Fast alle Mamas dort tragen ihre Kinder aber keine mit einen Tuch. Ich dachte zuerst, die denken sich sonst was aber sie lächelten. 

Mich strengt so etwas wahnsinnig an. Also unter Fremden zu sein oder neu in eine Gruppe zu kommen. Das war so bei meinem Wechsel in meine jetzige Arbeitsstelle und eben in Situationen wie der Babygruppe. Als ich nach Hause gekommen bin, schlief ich mit Motti ein. Den Rest des Tages war ich unglaublich fertig. Also körperlich. Trotzdem werde ich nächsten Donnerstag wieder hingehen, da Motti so unglaublich auf andere Kinder abfährt, dass sie am liebsten mit im Kindergarten bleiben würde. Meine Angst soll sie nicht isolieren.

Freitag dann der GAU. Ja hier soll es um die schönen Dinge gehen, wird es auch. Das hier ist die Vorgeschichte. Am Freitag also mache ich mir während Mottis Mittagsschlaf was zu essen und während ich esse, beiße ich auf irgendwas hartes (Pommeskruste 😉 ) und mich durchzuckt ein Schmerz. Ich hab sofort geschnallt was da passiert ist. Der Blick in den Spiegel bestätigt meine Vermutung. Mein Backenzahn ist gebrochen. Einfach scheiße, denn jetzt musste ich das tun wovor ich mich lange Zeit gedrückt habe. 

Denn was ist eine Angsstörung ohne Zahnarztphobie (Sarkasmus Off). Mein letzter Zahnarztbesuch endete in einer Panikattacke und wie fast alle meine Ängste ist auch der Ursprung dieser in meiner Kindheit zu finden. Mit Details werde ich hier niemanden quälen aber der damalige Zahnarzt wäre besser beraten, wenn er zum Schmied umschulen würde. 

Nun also musste es sein. Schmerzen hatte ich keine aber bevor sich da irgendetwas entzünden würde, wäre es besser, dieser Angst ins Gesicht zu blicken und zu sagen: „Nicht heute.“

Ich suchte nach einem Zahnarzt, der empathisch ist und sich mit Leuten wie mir auskennt.

Samstag früh rief ich in der Praxis an und zitterte wie Espenlaub. Ich stotterte mir einen zurecht und als der Termin stand, brach ich in Tränen aus. Mein Freund tröstete mich und brachte mir aus der Apotheke Bachblüten mit. Nachdem ich halbwegs ruhig war, rief ich meine Mutter an und fragte ob sie Lotte zu sich nehmen kann. Ich wusste immerhin nicht, was genau passieren würde und wollte es Lotte ersparen, mich in einer eventuellen Panik zu sehen. Mein Mann fuhr mit Lotte los und ich legte Motti schlafen. Während ich auf die Rückkehr des Gatten wartete, sagte ich mein „Mantra“ auf. Ich würde es schaffen. Ich werde es schaffen.

Mein Freund begleitete mich zusammen mit Motti im Tuch in die Praxis und wartete bis ich aufgerufen wurde. Ich war die ganze Zeit erstaunlich ruhig und konnte sogar scherzen, dass ich immerhin zwei Geburten hinter mir hatte und das hier dagegen Pipifax sein würde. Ich wurde aufgerufen und verabschiedete mich von meiner Familie.

Der Ausblick aus der Praxis

Er ging dann mit Motti einkaufen und ich ins Behandlungszimmer. Dort fing ich – trotz Mantra- an zu  weinen. 
Der Arzt hat super reagiert und hat es geschafft, mich wieder zu beruhigen. Er schaute sich den Schaden an und erklärte, dass es nur halb so schlimm wäre, er würde den Zahn so weit abschleifen, dass ich erstmal keinen Schmerz beim Kauen hätte.

Ich hab es tatsächlich geschafft, diese Scheiß Angst zu überwinden und ließ mich behandeln. Anfang April wird geröntgt und dann entschieden ob der Zahn gerettet werden kann oder raus muss. Ich hab immer noch Schiss aber ich fühle mich dort gut aufgehoben und bin guter Dinge, dass mir da einfühlsam und kompetent geholfen wird.

Ich schaffe es langsam aber stetig immer mehr meiner Ängste anzugehen. Wäre ich alleine, würde ich mich wahrscheinlich verkriechen und wäre wahrscheinlich erst dann zum Arzt gegangen, wenn es zu spät gewesen wäre. Ich will meine Ängste aber nicht auf meine Kinder übertragen und daher versuche ich Situationen wie die Babygruppe und eben Ärzte zu „meistern“. In volle U-Bahnen kann ich aber immer noch nicht einsteigen. Kommt noch.

Zur Belohnung gab es für mich ein Brettspiel.

(Spoiler: Es war Sansa mithilfe des Mannes ohne Gesicht im Turm der Hand)
Am Sonntag holte ich ganz in der Früh Lotti von der Oma ab, denn wir erwarteten die Großeltern aus Sachsen Anhalt. Wir frühstückten in aller Ruhe (Motti zerstörte derweil eine Schrippe) und spielten noch eine Runde „Mensch Ärger dich nicht“. Zumindest vier Züge lang, danach verlor Lotti die Lust und spielte lieber mit den Figuren.

Gehört meiner Schwester, nicht mir 😉

Wie immer wenn die Großeltern da sind, sind Mama und Papa unsichtbar. Wir verbrachten den schönen Tag auf dem Spielplatz und besprachen unseren Kurztrip im Mai.

Kommt gut in die Woche… 

Was tut ihr eigentlich, wenn ihr vor irgendwas Angst habt? Was hilft euch, diese zu überwinden?

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Ein Kommentar zu „#eineschönesache kw12 – Ängste überwinden

Gib deinen ab

  1. Ich habe urplötzlich eine fürchterliche Prüfungsangst im ersten Examen entwickelt. Dabei hatte ich nie schlimme Prüfungssituationen davor. Es erwischte mich plötzlich und so heftig, dass kaum mehr etwas Gescheites aus meinem Kopf raus kam. Schweißausbruch, Schnappatmung, Zittern…gaaaanz furchtbar.

    Allerdings nur bei mündlichen Prüfungen. Die schriftlichen waren überhaupt kein Problem und sind gut gelaufen.

    Es nervte mich, dass ich die Kontrolle so über mich verlor. Ich begann dann (in Berlin) orientalisch zu tanzen in einer super netten Frauentruppe. Ich machte das ganz gut und sollte manchmal vor der Gruppe eine Übung vor machen. Da wäre ich schon am liebsten schnell weg gelaufen. Da bekam ich auch sofort Schweißausbrüche. Nach ein paar Jährchen war ich so gut und fand es selbst schade, dass es nie jemand sah. Ich überwand mich und trat ein paar mal auf. Ich hatte fürchterliches Lampenfieber, es fühlte sich an, wie in den Prüfungen. Aber ich musste ja nicht sprechen und ich zwang mich die Angst zu ignorieren. So gut es jedenfalls ging. Und je öfter ich auftrat, je besser wurde es. Ich akzeptierte meine Angst und verkrampfte nicht mehr zusätzlich aus Angst vor der Angst.
    Ganz weg ist es nicht. Aber „kontrollierbar“. 🙂

    Als Kind war ich panisch mit Spritzen. Blutabnehmen ging nur, in dem mich 4 Erwachsene festgehalten haben. Und als ich mal Wasser im Knie hatte und man mich punktieren wollte, bin ich von der Liege gesprungen und mit Wasser im Knie wieder nach Hause gefahren.
    Irgendwann habe ich mental gegen gesteuert und stelle mir immer vor, das Körperteil, welches eine Spritze bekommt, gehört nicht zu mir. Klappt aber nur, wenn ich es vorher schon machen kann. Wenn ich unerwartet eine Spritze bekomme, muss ich mich jedes Mal hinlegen, weil sofort der Kreislauf weg geht. 😀

    Ich denke, du machst das richtig. Man muss sich ein bisschen zwingen und überwinden. Sich der Situation stellen. Und in Übung bleiben. Je öfter man übt die Angst in Schach zu halten, je besser wird es.

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