Der politische Basteltipp

Es geht ein Raunen durch das Bloggerversum, ein Zähneknirschen.

Mamiblogs sind das Ergebnis gelangweilter Muttis, die zwischen Windeln wechseln und dem Gatten ein schmackhaftes Abendbrot zu zaubern sonst nichts zu tun haben ausser Yoga und Glitzertattoos. Politik? Fehlanzeige! Ein Weltbild aus den 50ger Jahren. So zumindest die Meinung einer Journalistin.

Hätte besagte Journalistin allerdings etwas schreiben wollen, was etwas differenzierter ist, so hätte sie mitkriegen können, dass „Mamiblogs“ durchaus eine für die Politik wichtige Botschaft haben und ihre AutorInnen nicht permanent für Instagram posieren. Aber das bringt weniger Clicks. 

Eltern und Kinder werden in Blogs sichtbar.

Sie schreiben über die Probleme in der Elternzeit, wenn beispielsweise das Elterngeld nicht reicht oder der Antrag Monate braucht um überhaupt durchzugehen. Sie schreiben über die katastrophale Situation unter der Geburt, über die Probleme und Hürden der Ein-Eltern-Familien, gewalttätigen Beziehungen. Über Regenbogenfamilien. Feminismus. Nachhaltigkeit. Bildung. Rechtsfragen.

Das sind alles politische Themen. Ob es man nun glauben möchte oder nicht. Eltern und Kinder werden sichtbar gemacht.

Ob Carola FuchsChristine Finke oder Rona Duwe. Sie alle sind politisch. Ihr Fokus liegt auf den Erfahrungen alleinerziehender Frauen. Die Gefahr in Armut abzusacken. Die alleinige unbezahlte und immer noch als unwichtig erachtete Care-Arbeit. Über Psychoterror der Ex-Partner. 

Dann gibt es Daniela von Siebenkilopaket, die regelmäßig Regenbogenfamilien interviewt und sie damit sichtbarer macht. Sie schreibt auch über die Hürden, die Homosexuelle Partner beispielsweise bei der Adoption haben. 

Dann gibt es die Blogs, die Nachhaltigkeit zum Thema haben. Unseren Kindern eine saubere Zukunft hinterlassen zu wollen ist nicht politisch? Nicht relevant?

Blogs von Eltern mit Behinderung oder die Eltern behinderter Kinder sind. Auch hier geht um Sichtbarkeit und wie die Gesellschaft behindert.

Weiterhin die Blogs, in denen es um die Bildung in Deutschland geht. Das Bildungssystem, welches Kinder krank machen kann, weil es auf Leistung ausgelegt ist und nicht auf lebendiges und selbstbestimmtes Lernen. Keine politische Relevanz?

Vergessen wir mal nicht den Feminismus, der bei den meisten einen nervösen Juckreiz auslöst. Vereinbarkeit, Frauen die nach der Geburt ihrer Kinder aus dem Job gemobbt werden, die häufiger in Teilzeit gehen, denen Aufstiegschancen verwehrt bleiben weil sie einen Uterus haben (man könnte ja spontan schwanger werden). Von der Debatte wie Mädchen und Jungen zu sein haben, womit sie spielen sollen, welche Berufe man ihnen zutraut mal ganz zu schweigen. Themen in „Mamiblogs“. Übrigens genau so Thema in Blogs wie Stadtlandmama.

Was ist mit Depression und Burn-Out? Könnte es eventuell jemanden interessieren, wie man seine Bürger gesund hält und das Überlastung einfach mal ein ganz großer Faktor ist? So Leute beispielsweise, die unter der Donnerkuppel, pardon, Glaskuppel sitzen und über die Zukunft Deutschland reden?
Was ist mit den Blogs, in denen der Blick auf unsere Kinder geändert wird weil es einfach mal dringend notwendig ist? Weg vom tyrannisch manipulierenden Kind, hin zu.. Na? Einem Menschen der Rechte hat. Anders gesagt, unsere Zukunft.

Blogs sind mehr als Basteltipps. Blogs sind mehr als schön eingerichtete Kinderzimmer und Montessori Spielmaterialien. 

Blogs zeigen die Realität in deutschen Wohnzimmern. Blogs geben einen Blick in die Lebenswirklichkeit der Menschen, die in diesem Land leben. Ihre Sorgen, Nöte und jetzt kommt es, es werden mögliche Lösungen formuliert. Es ist nicht nur Büllerbü und Ponyhof. 

Trotzdem schaue ich mir gerne auch mal selbstgebackenes Brot mit Filter an. Denn auch das dürfen Blogs sein. Weichgezeichnet gegen eine Realtität, die häufig genug einfach mal wehtut und frustriert. Büllerbü ist nicht verkehrt.

Edit:

Einer zum selben Thema von Rike Dust (der erste wenn mich nicht alles täuscht und noch einer zum Thema von Gemischtwarenlädchen

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2 Kommentare zu „Der politische Basteltipp

  1. Genau! Absolut richtig. Und dann gibt es noch die vielen Mama-Blogger, die vom Familienalltag im Ausland berichten, weil Unternehmen gerne Mitarbeiter entsenden. Dass es dort auch nicht nur um Coffee Mornings und Maniküre geht, versteht sich von selbst.
    Vielen Dank für diesen Beitrag!
    Jonna

    Gefällt 1 Person

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