Zum Elterngeld. Ein Rant.

Und das nun folgende bezieht sich auf meine Situation und kann Spuren von Sarkasmus und der inflationären Benutzung des Wortes „Arsch“ beinhalten. Wenn ich hier irgendetwas falsch wiedergebe, möge man mich bitte berichtigen. Ich gehe hier nur von meinen Infos aus.
Im Moment läuft ja die Kampagne #muttertagswunsch zum zweiten Mal an und da ich seit, ehm, ich glaube Oktober einen Twitter Account habe, habe ich mal zwei Muttertagswünsche formuliert, die mich persönlich betreffen beziehungsweise betrafen.

Unter dem Hashtag #muttertagswunsch finden sich zahlreiche Wünsche an die Politik, um Mütter, Väter und Eltern aller Couleur sichtbar zu machen. Jeder Wunsch ist wichtig und richtig. Ob er jemanden direkt betrifft oder ein allgmeiner Wunsch ist, jeder hat etwas mit der derzeitigen Familiensituation in Deutschland (oder Österreich bzw Schweiz) zu tun.

Bei mir ist es der Wunsch nach einer Elternzeit, die man sich leisten kann.

Darauf kam dann eine Antwort, die mich doch etwas sprachlos gemacht hat.. In ungefährem Wortlaut: Mimimi, ist doch genug Kohle.

Ehm nein. Ist es nicht. Geh einfach weg.
Denn Butter bei die Fische. Ich könnte mir die Elternzeit OHNE meinen Mann nicht leisten. Ich bin in diesen zwölf Monaten finanziell abhängig von ihm. Und so sehr ich meinen Kerl liebe, Abhängigkeit find ich gelinde gesagt ziemlich scheiße. Ohne den Kerl hätten beide Kinder schon mit 8 Wochen eine Kita besuchen müssen (bei Lotte hat er damals noch anstandslos Unterhalt bezahlt)

Ich bin dahingehend groß geworden, dass ich mich um mich selbst kümmern kann (auch wenn man das manchmal am Zustand unserer Wohnung nicht glauben will) und wollte nach meinem Schulabschluss arbeiten und eigenes Geld verdienen. Auf eigenen Beinen stehen. Mich selbst finanzieren. 

Und weil ich nicht im Vorstand einer multiinternationalen Superfirma sitze, sondern mich eben nur um Kinder (pfft wer braucht die schon) kümmere, verdiene ich natürlich weniger als Uli Hoeneß oder wer auch immer gerade am Berliner Flughafen rumpfuscht. 

Wenn ich also alleinerziehend wäre, was ich nicht bin, dann würde mein gesamtes Elterngeld für die Miete draufgehen. Ich könnte mir also unsere Wohnung hier nur leisten, wenn ich leckere Gerichte aus Staub und kaltem Wasser zubereite und am Ende des Monats selbst damit knappse. Und jetzt kommt das witzige. Für Berliner Verhältnisse ist unsere 3 Zimmer Wohnung noch günstig. 

Warum ist das so? 

Das liegt daran, dass man das Elterngeld nach Einkommen staffelt bzw berechnet. Würde ich also vor den Kindern einen Arsch voll Geld scheffeln, so würde ich 65% – 67% Prozent des Hinterns in meiner Elternzeit bekommen… Wenn ich 12 Monate zuhause bleibe. Damit kann man zwar nicht mehr täglich Latte Machiatto in Berlin Mitte saufen, für Neukölln würde es aber reichen.

Verdiene ich, wie eben in meinem Fall einen halben Arsch voll Geld, weil ich Teilzeit arbeitete, bevor meine Hosen nicht mehr passten, so bekomme ich eben etwas mehr als den halben Arsch des halben Arsches. In meinem Fall eben die Miete. 67%. Mir fehlen mehrere hundert Euro monatlich. Da ist nicht einmal mehr schwarzer Kaffee in Brandenburg drin. Weil ich zuhause bei meinem Baby bleibe. Und das nur ein Jahr. Das ist die absolute Schmerzgrenze. Solange kann mich auch der Kerl durchfüttern. Würde ich länger daheim bleiben, weil sagen wir mal, ich keinen Kitaplatz finde (was in Berlin echt eine Odyssee sein kann), dann wäre auch sein Einkommen nicht mehr ausreichend um uns (über)leben zu lassen.

Man kann sich ja sein Elterngeld auch über einen längeren Zeitraum auszahlen lassen, was soll das mimimi? Jo, monatlich noch weniger, das bringt es voll. Wie gesagt, das Elterngeld (12 Monate) reicht gerade für die Miete der Wohnung. Nach spätestens 14 Monaten ist auch hier Sense. Dann greift Hartz4. Bei dieser Elterngeld+ Sache blicke ich gar nicht mehr durch.

Denn und das ist der zweite Punkt, ich zahle für (beispielsweise) meine Monatskarte genauso viel, wie wenn ich arbeiten würde. Es gibt keine Vergünstigungen für Eltern in Elternzeit. Weder, wenn ich mit den Kindern in ein Museum will noch sonst eine Aktivität, die Geld kostet. Zum Beispiel Lottes Sport einmal die Woche. 

Von Urlaub brauche ich gar nicht erst anfangen, den kann ich mir schon kaum leisten, wenn ich arbeite.

Aber du hast ja noch Kindergeld.. Digga, der Name sagt es schon. Das Geld ist für die Kinder. Davon zahle ich die Kita, die Klamotten, die Schuhe und was sonst noch so anfällt. Da bleibt am Ende auch nicht mehr viel übrig. Ich danke den Göttern auf Knien für Großeltern, die uns regelmäßig mit Klamotten zuschmeißen oder uns mal ab und an Geld zustecken, damit Lotte nicht im Sommer mit Winterstiefeln in die Kita muss. Und ich hoffe inständig, dass die Waschmaschine bis November durchhält.

Und jetzt kommt das geilste. Ich rede hier nicht einmal von den Frauen (sind wir mal ehrlich, es bleiben hauptsächlich Frauen in Elternzeit) die vorher noch weniger als ich verdient haben, sondern aus meinem unteren Mittelschichtssichtblickwinkel. Wie es einer Mutter oder einem Vater geht, die sagen wir mal, einen Betrag von 300 Euro an Elterngeld haben, in die kann ich mich gar nicht hineinversetzen. Sehe ich irgendwas falsch oder läuft da irgendwas falsch… Kann es sein, dass man finanziell dafür bestraft wird, wenn man Kinder in die Welt setzt? Nur so rein aus Interesse gefragt…

Ja, ich hätte nach der Geburt von Lotte wieder Vollzeit mit 42,5 Stunden arbeiten gehen können. Wollte ich aber nicht. Wissta, arbeiten und Zeit mit meinen Kindern haben… Ich glaube, dass nennt man Vereinbarkeit. Daher bin ich nach der ersten Elternzeit mit 37 Stunden eingestiegen und reduziere nach der Elternzeit mit Motte nochmal auf 35 Stunden. Von meiner verdammt privilegierten Situation, dass ich beide Kinder trotz Arbeit um mich haben werde erzähl ich nicht einmal.

Es kann doch nicht sein, dass der weniger verdienende Teil automatisch zu Hause bleibt, weil es andersrum garnicht mehr klappen würde. 

Nein, Elternzeit kann ich mir eigentlich nicht leisten. Und genau dafür war mein Wunsch. Eine Elternzeit, die man sich leisten kann. Egal, ob man 12 Monate oder 36 Monate zuhause bleiben will. Egal, ob mit oder ohne Partner. Denn mit Fairness und Vereinbarkeit hat das im Moment wenig zu tun. In Schweden werden 80% des Bruttolohns über einen Zeitraum von 390 Tagen gezahlt. Ginge das nicht auch hier? Warum ist ein Land, in dem es vergammelten Fisch in der Dose gibt, in Sachen Vereinbarkeit und Familienpolitik weiter als die Erfinder der Brezel?

Ich bin ja auch jemand, der das bedingungslose Grundeinkommen total töfte findet. Warum nicht mal in die Richtung gedacht?

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8 Kommentare zu „Zum Elterngeld. Ein Rant.

Gib deinen ab

  1. Ich weiß nicht, ob das Problem nicht doch eher an den zu hohen Lebenserhaltungskosten liegt statt am Elterngeld. Bei mir reicht das auch gerade so für meine Fixkosten und dann ist Ende. Im Berlin sind aber die Mieten verdammt unverschämt hoch und für die Fahrkarte ist man monatlich auch immer näher am Hunderter. Ich finde deinen Gedanken gut, Vergünstigungen für Eltern in Elternzeit anzubieten.

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  2. Ich teile Deine Meinung. Man sollte sich die Elternzeit auch leisten können. Und zwar drei Jahre lang, wenn man möchte. Denn die ersten drei Jahren sind verdammt hart, wenn man nebenbei arbeitet und nachts sehr oft nicht schläft. Wir könnten all‘ das Geld, das wir später für Therapien von erschöpften Müttern und stressbelasteten Kindern ausgeben, lieber gleich in einen guten Start von Mutter und Kind stecken.

    Gefällt 2 Personen

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