Baden.

Es ist Sonntag und ich habe beschlossen, dass ich heute baden werde. Entspannt in der Wanne mit mächtig viel Schaum, vielleicht ein Buch lesen… vielleicht auch nicht, wer weiß, ich bin ein freier Mensch. Die einzige Grenze ist meine Phantasie.

Nur hab ich in meiner Vorfreude vergessen, dass ich Kinder habe.


Während ich mich also ausziehe, überlege, welchen Badezusatz ich verwende und dann das warme (höllenheiße -ganz wie ich es mag) Wasser anstelle, rennt schon so ein laufender blonder Meter ins Bad.


“Du badest?”


“Hab ich vor, ja.”


“Darf ich dir dabei zuschauen?”


Süß, als ob ein Nein von mir in dem Punkt was bewirkt. Ich versuche es dennoch, hoffe auf ein Wunder.


“Nein, ich möchte alleine baden.”


Große blaue Augen funkeln mich an.


“Geh doch in dein Zimmer spielen, zu Papa und Motti.”


“Ich schaue dir zu otay?”


Das ist keine Frage, dass okay ist nur für mich zum kapieren, dass ich eh keine Wahl habe.


“Du bist ja danz nackich, Mama.”


“Dein Bauch ist ja ganz groß.”


“In dein Bauch war mal Motti drin, oder?”


“Daaaaanz weich.”


Jahre des hart erarbeiteten “mein Körper ist okay” – weggewischt in vier Sätzen.


“Darf ich Schaum pusten?” fragt der kleine Egozerstörer. Auch wenn das keine Frage ist, sondern nur eine Ansage.


“Mama, ich hol meine Püppi, sie ist Vaiana. Und das Boot. Du bist Teka.”


Hab ich schon erwähnt, dass wir hier erfolgreich die Eiskönigin umschifft haben und stattdessen jetzt immer ein Lavamonster oder ein Halbgott sind? Ich frage mich nicht zum ersten Mal, ob das vielleicht nicht ganz so schlau war wie ursprünglich angenommen…


Ich liege in der Wanne und überlege, ob ich es riskieren kann, mir die Beine zu rasieren. Dadurch, dass mir mal eine Mutter erzählt, dass ihre Tochter sich nach ihrem Vorbild (die Tochter “durfte” auch beim Baden zuschauen) mal versucht hat die Beine zu rasieren und das in einem Blutbad endete, vermeide ich beim Baden eigentlich Dinge, die mit scharfen Klingen zu tun haben, wenn ein Kind zuguckt.

Ich lasse es, mein Kind lernt zu gerne am Modell.


“Wooo das Meeeer, RUUUUFT MICH!!!” singbrüllt das Lottenkind mich aus meinen Gedanken.


“Mama. Du musst mitsingen.”, empört sich Lotte.


“Teka singt nicht.”


“Du bist nicht Teka, du bist Tamatoa.”


Ganz die narzißtische Krabbe, die ich jetzt bin, versuche ich nochmal mein Glück. Das muss doch klappen.


“Lotte, ich möchte jetzt nicht spielen. Ich möchte baden, ein wenig Ruhe. Geh bitte mit Papa spielen.”


“Okay, Mama.” sagt das Kind und verschwindet. Wow. Das war ja einfach. Ich lehne mich zurück und schließe die Augen. Kaum geschlossen, atmet mir jemand ins Ohr.


“Genug ausderuht?”


Bevor ich auch nur irgendwas blubbern kann, greift sich Lotte ihre Püppi aus dem Wasser, ruft “ICH BIN VAAAIAAANAAA” und lässt die Puppe ins Wasser plumpsen. Einmal, zweimal, dreimal…


“Mama, ich muss Maui Haken holen.”


Sie muss also ins Reich der Monster, nach Lalotai. Dort ist nämlich Mauis Zauberhaken. Also taucht sie mit beiden Armen bis zur Schulter ins Badewasser und friemelt an meinen Oberschenkeln rum.


“ICH BIN SOOO GLÄNZEND” krakelt sie und die Puppe taucht wieder auf.


Aus dem Kinderzimmer höre ich leises Meckern. Motte wird müde und dann wird es knifflig. Ohne Brust schläft sie nicht ein und die Brust liegt nunmal im Wasser. Der Papa versucht es trotzdem und legt sich mit ihr hin.


“ARSCHBOMBE” schreit Lotte und donnert die Püppi ins Reich der Monster, das sich oh welch Zufall, anscheinend genau zwischen meinen Beinen befindet. AUA.


“Oh nee, Lotte, das tut mir weh, lass das. Du kannst da hinten an meinen Beinen spielen, wenn du schon hier bleiben willst.”


“Otay, schulige Mama.”


Sie planscht und spielt mit der Puppe auf meinen Beinen. Wenigstens vom Bauchnabel aufwärts hab ich Ruhe.


Aus dem Schlafzimmer höre ich ein Schreien. Papa kriegt es nicht hin, Motti will die Brust und verkündet lautstark, dass sie nichts anderes akzeptieren wird. Komme was wolle!


Okay, Entspannung kann ich vergessen. Ich ziehe dem Stöpsel und Lotte empört sich. Sie war noch nicht fertig mit Spielen. Ich steige aus dem Wasser und verspreche ihr, dass sie heute Abend baden kann.


“Schön, dann kann ich in Ruhe baden.” sagt sie und tapst davon.


Ich bleibe verdaddert und tropfnass zurück.


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4 Kommentare zu „Baden.

Gib deinen ab

  1. Haha! Kenn ich! Inzwischen schließe ich die Badezimmertür ab und die Kinder haben recht schnell begriffen, dass das dagegen hauen sinnlos ist.

    Und seit mein Mann in die Lobeshymnen auf meinen schön weichen Bauch eingestiegen ist, habe ich mich auch mit dem angefreundet…

    Gefällt 1 Person

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