Frozen – die etwas andere Besprechung

Ja, damn ich gebe zu, mein Kind steht jetzt auch auf die Eiskönigin. Vor einer Weile schauten wir bei Netflix, was es denn so schönes gibt und bevor ich mir zum drölfzigsten Mal Peppa Wutz geben musste, erblickte mein Kind das Titelbild zu Frozen. „Das da will ich gucken“ sagte sie und in mir erstarrte so einiges. 

Denn den Film fand ich scheiße. Ich habe ihn mir bis dato einmal angeschaut, rein zu Recherchezwecken selbstverständlich. Ich wollte wissen, warum wir in der Kita seit 2013 immer zahllose Elsas an Fasching begrüßen. Ja, ich schob es auf den ganzen Glitzer und das Gezaubere. Und ja, ich war froh, dass Lotte lieber Findet Nemo, Cars und Vaiana abfeiert und wir den Fjord der nichtssagenden Lieder erfolgreich umschifften. Ich fand den Film doof. Punkt.

Nun saßen wir also auf der Couch und sahen uns den Film an. Einmal, zweimal, dreimal, viermal… Hrair um es in der Kaninchensprache zu sagen. Hrairmal. Natürlich nicht hintereinander aber oft genug um mir den Ohrwurm „und zum ersten Mal seit langem“ zu verpassen. 

Dieser Film ist scheinbar wie Broccoli. Man muss ihn mehrmals probieren um ihn gut zu finden. Dieser Film ist nämlich gar nicht mal so kacke. Besser noch, er ist gut. Und er hat eine Botschaft, i fucking shit you not.

Die Botschaft dieses Films ist

Angst ist ein beschissener Erziehungsratgeber.

Warum, wieso, weshalb folgt jetzt.

Elsa ist mit einer magischen Gabe geboren worden. Sie kann Eis und Schnee herbeizaubern. Ich weiß nicht, wie und wann sich diese Gabe zum ersten Mal manifestiert hat aber Fakt ist, sie hat sie und Anna nicht. Vielleicht klärt diese Frage ja Frozen 2 (wahrscheinlich 2019).

Anna und Elsa sind richtig dicke miteinander. Sie haben die Geschwisterbeziehung die sich jeder von uns für seine eigenen Kinder wünscht. Liebevoll und voller Flausen im Kopf. Elsas Gabe ist anfangs auch kein Problem, sie haben ja sehr viel Spaß miteinander. Der große Saal wird in ein Schneeparadies und die Kinder spielen ungezwungen und voller Freude miteinander. 

Dann passiert es. Im Eifer des Gefechts trifft Elsa Anna mit einem Eisblitz am Kopf und Anna sinkt bewusstlos zu Boden. 

Auftritt Mami und Papi. Und jetzt wird es interessant, denn das nun folgende markiert und manifestiert in Elsa die pure Angst vor sich selbst.

Anstatt das die Eltern fragen „was ist passiert?“ kommt die vorwurfsvolle und rein rhetorische Frage “ Elsa, was hast du getan?“. Die ganze Sache war ein Unfall, nichts lag Elsa ferner als ihre Schwester absichtlich zu verletzen und mit einer anderen Frage hätte Elsa es aufklären können. So allerdings, mit diesem indirekten Vorwurf wurde das erste kleine Körnchen Angst und Zweifel gesät. Ihr „es war ein Unfall“ verhallt in der großen Halle.

Auch der Troll macht es kaum besser. Er erklärt ist zwar, dass ihre Gabe etwas besonderes ist aber verstärkt ihre Angst, indem er ihr klar macht, dass von anderen Menschen Gefahr ausgeht weil sie anders ist.

Bumm.

Guten Tag, mein Name ist Elsa und ich bin anders.

Kommt das einem nicht ein wenig bekannt vor? Sobald man nicht in die Norm passt, word man angefeindet. Kennt man doch.. Ich sag nur Kaiserschnitt versus Vaginal, Stillen versus Pre, Tragetuch versus Kinderwagen, dein Kind ist auffällig, dein Kind ist wild, dein Kind zeigt nicht das von der Gesellschaft erwartete Bild eines Kindes, dein Kind dies, dein Kind das, dein Kind Ananas.

Nun hätten die Eltern eigentlich, wenn sie denn Blogs und Erziehungsratgeber gelesen hätten, so reagieren müssen:

Wir werden dich unterstützen, wir lieben dich und wir schaffen das gemeinsam. Deine Gabe ist besonders und wir sind für dich da. Wir werden dafür sorgen, dass du stark und selbstbewusst leben kannst.

Da Arendelle aber kein Netz hat und Internet dort in den Fjorden nur was exotisches essbares ist, haben sie so reagiert wie sie eben reagiert haben.

Elsa wurde isoliert und ihre Gabe wurde zur Gefahr. Anstatt sie zu stärken, wurde Elsa von allen ferngehalten. Niemand durfte zu ihr. Sicherheitsvorkehrungen wurden getroffen und Anna „verlor“ ihre Schwester. Und genau wie Elsa wurde Anna isoliert. Und jetzt wird es meta. Anna ist Elsa. Die unbekümmerte angstfreie Seite. Anna ist so, wie Elsa nicht sein durfte.

Ja, so hab ich auch geguckt.

Die Jahre vergingen, in Elsa wurde die Angst vor sich selbst größer, während ihr Selbstbewusstsein immer kleiner wurde. Anna war einsam und nachdem die Eltern starben, standen beide Schwestern alleine da. Unfähig für sich selbst zu sorgen. Denn die Angst der Eltern hat beide Kinder in einem Kokon aufwachsen lassen.

Auf einmal (oder drei Jahre später) musste Elsa, eigentlich unfähig, Verantwortung übernehmen. Anna hingegen rebellierte auf ihre Weise und verliebte sich in den erstbesten Typen den sie sah. Da sie überbehütet aufgewachsen ist, sah sie nicht, dass Hans nicht die Schnitte war, die er vorgab zu sein.

Natürlich musste es eskalieren. Es ist Hollywood. Da in Elsa nur die Angst vorherrschte, tat sie das wozu sie erzogen wurde. Flucht und Isolation. Von was anderem erzählt „Lass es los“ gar nicht. Elsa glaubte, weil ihr es eben nicht anders gezeigt wurde, dass sie ihre Freiheit nur in der Einsamkeit findet. 

Die Kälte ist nun ein Teil von mir.

 Heilige Epiphanie Batman, wenn mir mein ganzes Leben erzählt wird, dass ich nicht richtig bin so wie ich bin, dann glaube ich das auch irgendwann. Auf zum Nordberg, es gibt einen Eispalast zu bauen. 

Anna, die andere Seite der Medaille, versucht zu retten was zu retten ist. Sie nimmt all ihren Mut zusammen und will Elsa (und Arendelle) retten. 

Ey, ich hab hier gerade voll den Küchenpsychologischen Lauf. Ich zittere fast vor Aufregung.

Am Ende des Films, als Anna sich in Liebe opfert um ihre Schwester zu retten, erst dann merkt Elsa, dass Liebe und nicht Angst der Schlüssel ist. Ich habe auf eine Szene gehofft, in denen die Eltern sich als Geister sich mit der Hand auf die Stirn klatschen und irgendwas von wegen „kacke, wir habens verbockt“ murmeln.

Obwohl die Eltern natürlich nur dachten, sie würden ihre Töchter mit den (drastischen) Maßnahmen schützen. Wie wir Eltern nun mal sind.

Kein Elternteil will, dass das eigene Kind leidet und wir alle tun etwas dafür, dass unsere Kinder geschützt aufwachsen. Nur wenn wir unsere Kinder vor allem, was möglicherweise schaden könnte, fernhalten und isolieren, dann hilft ihnen das kein Stück. Dann suchen sie sich entweder einen Hans (ihpfuibah) oder errichten um sich eine Mauer aus Selbstschutz.

Wir sind in der Verantwortung unseren Kindern immer wieder zu zeigen und zu sagen, dass sie so wie sie sind, mit all ihren Macken und Eigenheiten, genau richtig sind. Anstatt unseren Kindern Ängste vor sich selbst einzupflanzen müssen wir ihnen Vertrauen in sich selbst geben. Du schaffst das. Wir sind bei dir. Du bist gut so wie du bist. Und nur dann wird auch ein Umdenken in der Gesellschaft stattfinden.

Ja, die Eiskönigin kann mehr als singen und glitzern. Schaut euch den Film an, er hat mehr zu bieten als Ohrwürmer.

Schreibt mir, was ihr von meiner hochgradig wissenschaftlichen Analyse haltet. 😉
Und dieses GIF wollte ich schon ewig bringen.

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6 Kommentare zu „Frozen – die etwas andere Besprechung

Gib deinen ab

  1. Wow, du solltest in der „Zeit“ rezensieren.
    Tatsächlich habe ich mir den Film auch reingezogen – man will ja mitreden, wenn massenweise kleiner Mädchen im Kindergarten inbrünstig im kitschigen Elsa-Dress „Lass es los“ schmettern. Und ich muss sagen, ich fand den Film eigentlich von Anfang an ganz lässig, wobei die Figur der Anna ja wirklich unterschätzt wird. Warum wollen alle Mädchen immer Elsa sein? Folgender Dialog zwischen zwei vierjährigen Mädchen kommt mir da immer in den Sinn:

    Mädchen 1: „Ich bin Elsa und du bist Anna.“
    Mädchen 2: „Nee, ich will Elsa sein.“
    Mädchen 1: „Ich bin blond und du bist türkisch, also musst du Anna sein. Oder Olaf.“

    So viel zum Thema Toleranz. Aber zurück zum Thema. Deiner Interpretation ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Applaus, Applaus! Angst ist generell ein schlechter Ratgeber, weil sie lähmt. Und genauso sollten Eltern ihren Kindern vermitteln, dass sie gut sind, wie sie sind, ohne sie gleich wie kleine Prinzessinen zu erziehen. Gar nicht so einfach, schwant mir.

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  2. Die Zusammenfassung hat Glitzer und Hymnen verdient!

    Ich finde auch, Frozen ist gar nicht so furchtbar und hat sogar eine Botschaft.

    Meine Tochter mag Anna und Elsa trotzdem überhaupt nicht. Was wohl weniger am Film sondern eher am Gruppendruck und rosa Merchandising liegt.

    Am Fasching vor zwei Jahren durften die Kinder vor dem Fest in der Kita aufmalen, als was sie gehen. Es malten ungelogen alle Mädchen Elsas. Was meine Tochter doof fand und Lillifee malte. Ich hätte nie gedacht, dass Lillifee mal „gegen das Establishment“ ist.

    Trotzdem bekommt sie andauernd irgendwelch Frozen-Zeug geschenkt. Weil man wohl einfach nicht daran vorbei kommt und sich wahrscheinlich kaum jemand vorstellen kann, dass es kleine Mädchen gibt, die Frozen nicht toll finden. Meistens gibt sie mir das Zeug mit einem „Annaundelsa“-Stoßseufzer, damit ichs ins Geschenke-Zimmer lege, relativ klaglos.

    Nur als sie gerade in der Kita in der „Abschluss-Schultüte“ auch wieder nur Frozen-Sachen gefunden hat, war sie wirklich enttäuscht. Was wohl am meisten daran lag, dass ihre Erzieherin damit gezeigt hat, dass sie sie nicht wirklich kennt….

    Also: der Film ist gut. Aber das Drumherum kann schon nerven.

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    1. So die Kiddies schlafen und Nu hab ich Zeit zum Antworten… Ich Feier ja deine Tochter gerade für die Lillyfee Aktion 😀 ja, das Frozen eine Gelddruckmaschine ist, haben die Produzenten ja sicher einkalkuliert und so geplant.. Schade, dass dann automatisch davon ausgegangen wird, dass jedes Mädchen verrückt nach den beiden sein muss.
      Aber grüß mal deine Kurze, ich find sie super cool 😀

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