Lotte schläft…

… heute woanders.

In wenigen Wochen wechselt Lotte von der Krippe in den Kindergarten. Zum Abschied gibt es morgen früh ein gemeinsames Frühstück mit der Gruppe und den Erziehern.

Und heute? Jo, wenn alles klappt, dann schläft Lotte heute in der Kita, denn einmal im Jahr wird für die großen Krippies eine Kitaübernachtung als Abschluss organisiert.

Während ich hier schreibe, ist mein Kind zusammen mit ihren Freunden und ihren Erzieherinnen in der Buga und fährt mit der Parkeisenbahn durch die Botanik. Wenn das Wetter stabil bleibt und so schön bleibt wie jetzt wird noch am Wasserspielplatz geplanscht und getobt. Zum Abend hin wird dann in der Kita gegrillt.

Und dann wird es spannend. Kommt der Anruf, dass mein Mann Lotte wieder abholen soll oder erlebt sie ein großes Abenteuer in der Kita?

Sie schläft nicht zum ersten Mal woanders. Ab und an fährt sie mit ihren Großeltern übers Wochenende weg und das ohne uns. Sie geniesst die Zeit dort und kommt immer freudestrahlend und auf Werkseinstellung gesetzt zu uns zurück. Auch schläft sie mal auf eigenen Wunsch bei ihrer Oma, die sie abgöttisch liebt. Woanders schlafen ist ihr also nicht fremd.

Nur, Kita ist nicht gleich Familie auch wenn Lotte ihre Erzieherinnen furchtbar gern hat. Ich bin gespannt und aufgeregt.

Heute früh als ich ihre Sachen gepackt habe, hat sie sich tierisch über ihre Raupe Nimmersatt Bettwäsche gefreut und sich ihre Vaiana Puppe zum Kuscheln ausgesucht. Ich habe allerdings kein großes Ding daraus gemacht, denn wenn Lotte merkt, dass etwas „großes“ ansteht, dann sperrt sie sich dagegen. Ich hab ihr gesagt, dass wenn sie möchte, sie heute Abend im Kindergarten schlafen kann. Und wenn nicht, dann eben nicht. Dann holen wir sie sofort ab. Weiter hab ich das Thema nicht vertieft. 

Dann kam Oma zum Frühstück und das Thema war vergessen. Lotte erwähnte kurz, dass sie heute grillen und im Kindergarten schlafen und dann war es wichtiger Türme zu bauen und mit Oma zu kuscheln. 

Um 11:30 sind wir dann in Richtung Kita aufgebrochen. Ich gab ihre Sachen ab, wünschte ihr viel Spaß, Knutscher zum Abschied und weg war mein Kind. 

Inzwischen ist es 20 Uhr 10. ich sitze in voller Montur auf dem Sofa, bereit loszusprinten. Dabei spielt Lotte jetzt noch oder sie schläft schon. Ich weiß es nicht.

Witzigerweise, wenn sie bei ihren Großeltern in Sachsen Anhalt ist oder bei meiner Mutter mache ich einfach weiter im Programm. Ich weiß, dass es meiner Großen gut geht und kann in aller Ruhe den Haushalt schmeißen (wenn ich Lust hab), mich um die Kleine kümmern und einfach entspannen. Aber wie oben erwähnt, Kita ist was anderes. Auch wenn ich den Erzieherinnen vertraue und weiß, dass sie kein Kind trauern lassen sondern sofort die Eltern anrufen, ist es was anderes. Ich war den ganzen Tag nervös.

Kitaübernachtung

Solange wie ich keinen Anruf bekomme oder eine Nachricht von meinem Mann, schreibe ich mal von meiner ersten Kitaübernachtung. Ich habe es geschafft, in all der Zeit als Erzieherin, so etwas nur einmal mitmachen zu müssen… dürfen.

Für die Kinder ist es ein Abenteuer, für die Erzieher purer Stress. (Es macht aber auch sehr viel Spaß).

Damals haben wir mit ca 50 Kindern (ja, ihr lest richtig) eine Übernachtung durchgeführt. Die Kinder waren drei bis sechs Jahre alt. 

Für unseren Tagesausflug mieteten wir Busse und fuhren in den Zoo Eberswalde. Ich bin kein Fan von Zoologischen Gärten aber das ist ein anderes Thema.

Am späten Nachmittag fuhren wir mit müden Kindern zurück nach Berlin. 

Zum Abendessen gab es Hamburger, selbstgemachte. Die Kinder stürzten sich wie ausgehungerte Löwen auf dieses kindgerechte Fressfest.

Danach Zähneputzen, pullern und ab die Party. Mit Taschenlampen und Kinderdisco powerten wir die Kinder aus und als die ersten anfingen zu gähnen, machten wir die Bettenlager fertig. Ich schlief mit acht Kindern in unserem Gruppenraum. Theoretisch. 

Praktisch hüpfte ich die nächsten Stunden in meinem Schlafsack von einem Kind zum nächsten, reichte da einen Nuckel, legte hier ein Kuscheltier zurück und streichelte dort kleine Köpfchen zurück in den Schlaf. Irgendwann war alles ruhig und ich legte mich hin. 

Vielleicht schlief ich eine Stunde, vielleicht 20 Minuten, keine Ahnung. Ich wurde vom Husten eines Kindes wach. Ich ging zu ihr um nachzugucken ob sie wach war. Sie schlief aber sie hustete. Also setzte ich mich neben sie und streichelte ihr übers Haar. Das hatte auch früher bei meiner kleinen Schwester geholfen, wenn sie bei mir schlief. Auf einmal wurde die Kleine wach, setzte sich auf und erbrach sich. 

Sie erschreckte sich und ich erschreckte und dann funktionierte ich nur noch. Kind raus, ausziehen, trösten irgendwie alles gleichzeitig. Sauber machen… Mir sind bestimmt noch zusätzliche Arme gewachsen. Als sie umgezogen war, ging ich mit ihr auf dem Arm im Flur spazieren, weckte eine Kollegin, damit diese die Eltern anruft und schaukelte die Kleine wieder in den Schlaf. Sie hat sich schlicht und ergreifend an den Hamburgern überfressen. 

So lief ich mitten in der Nacht, barfuß und müde wie Sau, mit einem „kranken“ Kind im Arm hin und her und bekam sozusagen einen kleinen Vorgeschmack auf die Zukunft. Die Eltern der Kleinen wohnten praktisch gegenüber und die Mama kam im Pyjama und holte ihre Tochter ab. 

Ich säuberte noch den Teppich so gut es ging und legte mich wieder schlafen. Um sechs Uhr morgens wurden die ersten Kinder wach und kurz nach halb sieben tönte es durch die ganze Kita. 

Ich.war.tot. Ich wollte einen intravenösen Zugang mit purem Koffein. Bekam ich nicht. 

Es hieß wickeln,  Kinder anziehen und Frühstücken.

Die ersten Eltern trudelten um 8 Uhr ein und grinsten uns schadenfroh an. Ich Frage mich warum? Ich hatte das nur eine Nacht, sie hingegen müssen jede Nacht ranklotzen. Mit Dutt und roten Augen drückte ich jeden sein Kind in den Arm und wünschte mich in mein Bett.

Kurz nach neun waren alle Kinder abgeholt. Wir gingen eine Etage tiefer zu unseren Kollegen, die mit weiteren 50 Kindern ebenfalls eine Kitaübernachtung hatten. Allerdings haben sie den Abend vorher Pizza bestellt, deren „Reste“ (3 Riesenpizzen) wir nun gemeinsam frühstückten.

Danach fuhr ich nach Hause und kippte ins Bett. 

21:27 am 14.7.17

Immer noch kein Anruf. Ich gehe stark davon aus, dass Lotti tief und fest schläft. Das der Tag ein wunderbares Abenteuer war. In der elterlichen Whatsapp Gruppe ist es auch ruhig. Es gab wohl noch eine Schatzsuche nach dem Grillen.

Ich bin etwas ruhiger, liege komplett angezogen neben Motti und vermisse mein großes Kind.

Bin gespannt ob die Nacht noch etwas kommt oder ob wir morgen früh auf aufgeweckte Kinder und halbtote Erzieher treffen….

Advertisements

Ein Kommentar zu „Lotte schläft…

Gib deinen ab

  1. Meine beiden hatten auch gerade jeweils eine Kita-Übernachtung und obwohl sie woanders schlafen nicht gewohnt sind, hat es prima geklappt.

    Was ich süß fand: beide haben sich erst über die Exklusiv-Zeit mit Eltern gefreut und je später es würde den anderen immer mehr vermisst. Warte bis Motti größer wird: Man will die knutschen dafür, wie lieb sie das Geschwisterkind haben.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: